Ich und meine Schwester fahren weg. Vier Tage. Drei Nächte.
Das haben wir übrigens noch nie gemacht. „Wir tun uns etwas Gutes“, haben wir gesagt. Ein bisschen Ruhe tut uns gut, haben wir gesagt. Natur. Zeit für uns, vielleicht mit Yoga & Meditation, haben wir gesagt. Einfach ein paar Tage raus … haben WIR gesagt. 🙂
Klingt unkompliziert nicht wahr?
Ist es aber nicht.
Denn zuerst wäre da einmal die Frage: Was genau bedeutet eigentlich „etwas Gutes“?
Eine kleine Selbstversorgerhütte mitten im Nirgendwo? Sehr schön. Oder doch lieber ein fünf Sterne Wellness-Hotel? Mit allem Drum und Dran? Auch nicht verkehrt.
Besser ein reines Frauenhotel? Interessant. Meditations-Wochenende? Könnte was bringen. Oder doch lieber einfach nur Ruhe, gutes (vieles) Essen und möglichst wenig Programm?
Seit über einem Monat steht fest, dass wir fahren. Und seit über einem Monat durchforste ich das Internet täglich.
Hotels, Hütten, Frauenhotels. Wellness & Natur, Kulinarik, Bewertungen, Angebote. UND natürlich Preise … viele Preise!
Denn selbstverständlich möchte man es schön haben. Aber wenn es schön und günstiger geht, möchte ich es natürlich noch schöner und günstiger haben.
Ja und die Anreise darf auch nicht zu lange sein. Das Hotel nicht zu groß (das ist uns wichtig). Denn GROSS bedeutet nämlich viele Menschen. Und Menschen haben wir bei unserem Erholungsurlaub nur in sorgfältig dosierter Menge vorgesehen!
Die Natur sollte uns möglichst direkt zu Füßen liegen. Die Zimmer kuschelig, stylisch und gemütlich sein. Wellness wäre schön. Ruhe sowieso.
Und das Essen! Das Essen ist uns auch wichtig, denn wir beide sind „Genussfrauen“. Vier Tage an einer traurigen Salatgurke knabbern, geht nicht!
Im Prinzip wissen wir genau, was wir wollen.
Das Problem ist nur:
Vielleicht gibt es irgendwo noch etwas Besseres?
Ein schöneres Zimmer. Die bessere Sauna. Den ruhigeren See. Das hübschere Dorf. Das bessere Frühstück … wer kann dir das schon sagen?
Und natürlich das sensationelle Angebot, das vermutlich exakt fünf Minuten nachdem ich gebucht habe, irgendwo auftauchen wird. 🤪
Früher konnte ich das wesentlich besser! Ich wusste ziemlich genau, was ich wollte – und noch genauer, was ich nicht wollte!
Ich habe gesucht, etwas gefunden, gebucht und mich gefreut. Nach zwanzig Minuten – erledigt.
Heute öffne ich zwölf Tabs und beginne Vergleiche anzustellen, von denen ich vor einer Stunde noch gar nicht wusste, dass sie für mein persönliches Glück entscheidend sind.
Zimmergröße. Saunalandschaft. Matratzen. Frühstückszeiten. Entfernung zum nächsten Wanderweg. Blick vom Balkon …
Dabei reden wir hier nur von drei Nächten. Nicht von einem neuen Lebensmittelpunkt!
Wir ziehen dort nicht ein. Ich muss keinen Hauptwohnsitz anmelden und auch nicht überprüfen, ob ich mit den Nachbarn zurechtkomme.
Kurzurlaub bedeutet KURZ und nicht auf ewig umziehen.
Eigentlich wollen wir doch nur vier schöne Tage miteinander verbringen. Und vielleicht ist genau das mein Problem?
Ich suche inzwischen nicht mehr nur nach etwas Schönem. Ich suche nach der Sicherheit, dass ich nicht aus Versehen etwas noch Schöneres übersehen habe. 🙂
Was natürlich vollkommen entspannend ist. Besonders bei der Planung eines Erholungsurlaubs.
So. Ich werde mich jetzt entscheiden.
Wirklich.
Ich öffne nur noch einmal kurz das Internet …
Nur zum Vergleichen.



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