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Über das Alleinsein, Einzelgängerinnen und die Tatsache trotzdem glücklich zu sein …

Menschen, die gerne das Alleinsein vorziehen, werden in unserer Gesellschaft schnell als Sonderling abgestempelt. So behalten viele Menschen es für sich, dass sie das Alleinsein vorziehen. Verständlich, bei mir war das zu Beginn genauso. Ich hatte Angst in eine Schublade gesteckt zu werden auf der ein Schild steht „Sonderling“. Das hat sich geändert, ich habe diese Angst nicht mehr. Gerade im letzten Jahr bemerkte ich, wie gut es mir tut nicht mehr in der Menge zu baden. Heute stehe ich dazu, mich stört die gekennzeichnete Schublade „Sonderling“ nicht mehr und ich bin tatsächlich glücklich damit. 

Alleinsein ist keine Notlösung, sondern ein Akt der Selbstbestimmung!

… und es macht stark! So empfinde ich es jedenfalls heute. Diesen Artikel zu schreiben hatte einen Auslöser. Meine letzen Wochen waren etwas anstrengend. Es gab Menschen, die musste ich treffen. Dann gab es Menschen, die wollten mich treffen und dann gab es solche, die wollte ich sehen, aber ich konnte keine Energie mehr dafür aufbringen. Diese „Überdosis“ an Menschen und Worten war mir schlicht weg zu viel. Natürlich denke ich darüber nach und frage mich: „Ist das ok? Werden mir meine wenigen Freunde deswegen den Rücken zukehren? Werde ich eines Tages sehr einsam sterben? Will ich das wirklich so?“ Und nach immer wieder den selben Überlegungen, muss ich ganz klar sagen JA, ICH WILL!

Ich kenne ja ein paar Mitmenschen, die ebenso ticken wie ich. „Sonderlinge“ … wie wir genannt werden und mit denen verstehe ich mich natürlich prächtig! Man muss nichts erklären. Es darf ohne viele Fragezeichen alles so sein wie es ist – sonderbar ruhig.

Doch das war nicht immer so

Mein Leben war in der Vergangenheit laut, hektisch, wild und ich war ständig von vielen Menschen umgeben. Schon mein Beruf erforderte eine gewisse Aufnahmefähigkeit was Menschen betraf. Heute könnte ich diesen Job nicht mehr ausführen, ich wäre keine gute Führungskraft mehr, und ich würde rein gar nichts mehr verkaufen können … diese Gedanken erschrecken mich manchmal sogar ein wenig. Aber wie heißt es, Leben ist Veränderung, manchmal von 200 auf 50.

Ich habe nur einen kleinen Freundeskreis und ich habe auch kein Problem mit Smalltalk und ich arbeite gerne im Team, wenn es nicht zu oft ist und irgendwann reicht es mir dann auch wieder. Dann sehne ich mich danach, mich zurückzuziehen um neue Kräfte zu sammeln. Alleinsein ist für mich eine Selbstverständlichkeit geworden. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es mir in den letzten zwei Jahren zu viel geworden wäre. Ich habe viel zu viel zu tun um darüber nachzudenken. :D

Wenn ich Menschen treffe, dann nicht um mich abzulenken, sondern um für sie da zu sein. Es kommt wie gesagt selten vor aber in dieser Zeit bin ich eine gute Zuhörerin und im Nachhinein denke ich darüber nach, was den anderen beschäftigt. Das ist für mich ein Ausdruck von Respekt!

Wenn ich ausgehe, tanze ich lieber als mich zu unterhalten

Warum das so ist, weiß ich heute ganz gut. Die Oberflächlichkeit der Gespräche erschöpft mich schnell. Eine Entwicklung, die mich selber immer wieder überrascht … Für mich ist es wichtig geworden, dass das Alleinsein keine Notlösung ist, sondern eine Form der Selbstbestimmung. Zwänge machen mich klein und unsicher. Und diese Zeit habe ich hinter mir. Es hilft mir manche Wege alleine zu gehen, natürlich sehr oft mit Unterstützung meines Mannes, aber dennoch aus eigener Kraft … mit eigener Motivation und einem eigenen Ziel.

Dadurch wird FRAU mutiger, gelassener und selbstbewusster!

Es fällt mir immer wieder auf, dass es für andere ausserirdisch klingt wenn man sagt: „Hey, ich habe nur wenige Freunde, ich beschäftige mich am liebsten alleine …“ In unserer Konkurrenz-Gesellschaft ist der Erfolg nicht allein eine Frage der Kompetenz sondern auch der Selbstvermarktung. Anschluss und viele Menschen um sich zu haben ist wichtig. Networking und Kontakte zu knüpfen um „bekannt“ zu werden!

Würde ich DAS alles tun und so leben, würde wahrscheinlich meine Arbeit hier, mein Blog und ich selbst, schon einen weit größeren Bekanntheitsgrad erreicht haben! DAS muss einem aber liegen und mir liegt das glaube ich nicht so sehr. Bekannte, Freunde oder meine Kinder meinen dazu oftmals: „Aber man braucht doch das miteinander, den ständigen Wechsel und Austausch mit anderen …“ Kann schon sein, ich bin aber nicht „man“, ich bin ich! Ich muss nicht schaffen was andere können und wollen um glücklich zu sein!

Mit der Anpassung habe ich mir schon immer schwer getan und je älter ich werde, umso mehr ist mir bewusst was ich will! Zum Glück empfindet mein „Mann“ genauso wie ich. Oft sind wir zu zweit allein … nicht das wir uns nichts zu sagen hätten, aber jeder geht seiner Beschäftigung bzw. seiner Arbeit nach. Und NEIN es ist ganz und gar NICHT langweilig! :-)

Nicht jede Einzelgängerin meidet die Menschen so konsequent wie ich

Aber jede Frau, die in gewisser Weise als „Sonderling“ abgetan wird, scheint ganz genau zu wissen, was ihr gut tut und was nicht. Das denke ich mir immer wieder wenn ich mit solchen Menschen zusammen treffe. Sie nehmen mehr Rücksicht auf die eigenen Bedürfnisse als auf die Erwartungen der Umwelt! Es steckt eine Stärke dahinter, die ich so manchen wünschen würde.

Ich liebe es meinen Blog zu befüllen, Fragen und Mails zu beantworten, ich bin eben ein „Schreiberling“ und das fällt mir wesentlich leichter, als zu reden. Deshalb habe ich es noch immer nicht geschafft, Frauen live zu coachen oder Podcasts zu veröffentlichen … (wobei ich das Letztere nicht ausschließen möchte). Beim Schreiben ist mir ein gewisser Abstand sicher, den ich scheinbar brauche. Sehr oft habe ich das Gefühl beim Schreiben den Menschen „näher“ zu sein, als wenn ich sie vor mir habe …

Ich war als Kind schon so … ich bin in unzählige Welten versunken, meine Fantasie war ehrlich grenzgenial und während ich in meiner Fantasie glücklich war, eckte ich in der realen Welt ganz oft an. Ich glaube noch zu wissen, dass mich andere Kinder komisch fanden und ich weiß, dass mich so manche Lehrer als störend empfanden! Wenn ich eine (meine) Maske aufsetzte, war alles gut. Sie brachte mir Anerkennung und Freude von Außen. Es war nur nichts Echtes und Ehrliches. Ich wusste, so will ich eigentlich nicht sein. Als Jugendlicher nicht der Norm zu entsprechen, ist etwas Schwieriges …

Heute als erwachsene Frau, stehe ich zu meiner Introvertiertheit, zu meinen Sologängen …  ich weiß es gibt viele Frauen denen es ähnlich geht! Und ich freue mich immer wahnsinnig, wenn so jemand in mein Leben purzelt! Ich liebe es mit ihnen zu philosophieren oder einfach nur zu schweigen. Ich folge keinem Trend mehr und die Masse kann mich mal. Sorry. Es ist für mich ok, wenn ich manchen Menschen nicht gefalle und es spielt keine Rolle was jemand von mir denkt.

Wir sollten alle unseren Weg gehen (dürfen), unserem Herzen folgen und unser Bauchgefühl anhören. Und wenn ich mir so manche meiner Mitmenschen ansehe, frage ich mich des öfteren ob sie jemals lernen werden ehrlich auszusprechen was sie wollen! Ob sie sich jemals trauen, zu sein wer sie wirklich sind?!

Der Weg eines Einzelgängers ist sicher nicht einfach, aber er ist ehrlich. Das Leben ist nun mal Veränderung und wer weiß, vielleicht verwandle ich mich noch mal in jemanden der gerne im Mittelpunkt und liebend gerne in der Masse badet! >lach< Jetzt aber ziehe ich die Ruhe und das Einzelgängerdasein vor. :D

Ein Buchtip von mir zu diesem Thema: Die Zweisamkeit der Einzelgänger von Joachim Meyerhoff. :-)

Das wars mit meinen, wieder einmal, sehr persönlichen Gedanken zu einem Thema das nicht nur mich betrifft. Danke für Deinen Besuch, danke fürs Zuhören und danke fürs Teilen … wenn Du magst!? Bis ganz bald.