Verlorene Zeit … nicht verlorene Menschen

Beobachtet

OFT VERSCHWINDEN MENSCHEN NICHT WIRKLICH AUS UNSEREM LEBEN …

Sie sind nur aus irgendwelchen Umständen nicht mehr ein Teil unseres Lebens.
Ein Streit vielleicht? Eine Verletzung. Unterschiedliche Wege. Stolz. Schweigen.
Oder etwas, das damals so groß erschien, dass niemand mehr wusste, wie man die ersten paar Schritte zurück zueinander machen sollte.

Und dann vergeht die Zeit. Erst ein paar Wochen. Monate. Jahre.
Irgendwann gehört der fehlende Kontakt zum Leben dazu.
Eigenartig und traurig gleichzeitig.

Bei Menschen, die uns einmal sehr nahe waren.
Eltern. Geschwister. Kinder. Freunde.
Menschen, von denen wir einmal glaubten, ziemlich viel zu wissen.
Bis wir uns irgendwann wieder begegnen.

Und so sitzt da ein Mensch vor uns, der gleichzeitig vertraut und fremd ist!
Wir wissen von seiner Kindheit. Kennen seine Eigenheiten. Weiß vielleicht noch, worüber er früher lachen konnte, was er überhaupt nicht mochte und welche Geschichten man hundertmal miteinander erlebt hat.

Nur über die Jahre dazwischen weiß man fast nichts.
WAS hat sich verändert … was hat IHN verändert?
Was hat ihn glücklich gemacht?
WER war da, als es ihm nicht gut ging?

Worüber hat er Tränen gelacht?
Was hat er verloren und was ist generell aus diesem Menschen geworden, während man keinen Kontakt hatte?
Und dann fallen diese kurzen Sätze:

„Das wusste ich gar nicht.“ „Davon hast du mir nie erzählt.“
„Echt? Wann war das denn?“

Plötzlich bekommen die vergangenen Jahre ein Gesicht.
Und JA, das kann auch richtig traurig machen. 🙁

Denn verlorene Zeit lässt sich nicht zurückholen.

Kein Geburtstag kommt noch einmal. Kein Weihnachten. Kein ganz gewöhnlicher Dienstag, an dem man vielleicht miteinander telefoniert hätte.
Auch die Momente nicht, in denen man einander möglicherweise gebraucht hätte …

Vergangen ist vergangen. Die Zeit ist weg.
Das klingt hart. Ist es vielleicht auch.
Aber dann passiert noch etwas anderes.
Man beginnt zu erzählen … gemeinsam.

Von damals. Von heute. Von all dem, was dazwischen lag.
Man lacht über Dinge, bei denen der andere eigentlich hätte dabei sein sollen. Man hört Geschichten zum ersten Mal.
Entdeckt Seiten aneinander, die man noch gar nicht kannte. 🙂

Und merkt dann: Wir können uns die verlorenen Jahre nicht zurückgeben.
Aber wir können uns erzählen, was darin passiert ist!
Vielleicht müssen wir auch gar nicht versuchen, eine Lücke nachträglich zu füllen?

Sie ist da. Punkt.
Und sie gehört zur gemeinsamen Geschichte.

Genauso wie das, was davor war. Und vielleicht auch das, was danach noch kommt.
Ich glaube, wir Menschen vergessen manchmal, dass Zeit mit anderen nicht selbstverständlich ist!

Wir benehmen uns gelegentlich, als hätten wir davon ein unbegrenztes Lager irgendwo im Hinterzimmer.
Haben wir aber nicht!
Deswegen ist verlorene Zeit auch nicht nur die Zeit, in der zwei Menschen keinen Kontakt hatten.
Es ist die Zeit, in der beide längst wieder aufeinander zugehen wollten – und es trotzdem nicht getan haben.

Und wenn sie es irgendwann doch tun?
Dann kennen sie vielleicht die Vergangenheit des anderen und die Gegenwart des anderen NEU kennenlernen.
Verlorene Zeit kann man nicht nachholen.
Aber man kann aufhören, noch mehr davon zu verlieren.

Und aktuell ist genau DAS ziemlich viel. 🙂

Xo Sandra

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