Alles bestens. Klar. Natürlich.

Beobachtet

Scheinbar sind alle Menschen glücklich …

Die Beziehungen funktionieren, die Kinder sowieso, im Job läuft’s.
Man selbst ist ausgeglichen, das Wochenende war wunderbar und überhaupt könnte es eigentlich kaum besser sein!
Zumindest bis sich die Haustür schließt und das Garagentor herunter rollt.

Was dahinter passiert, ist dann manchmal eine ganz andere Geschichte.
Mehr Schein als Sein gab es natürlich immer schon.
Nur habe ich das Gefühl, wir sind mittlerweile ziemlich gut darin geworden, zu „scheinen“.
Vielleicht sogar ein bisschen zu gut?

Bloß keine Schwäche preisgeben .
Bloß nicht sagen, dass gerade etwas schiefläuft.
Dass man überfordert ist. Dass die Beziehung wackelt. Dass man einen Fehler gemacht hat.
Dass man keine Ahnung hat, wie es weitergeht.

Nein.
„Alles bestens. Alles wunderbar. Alles schön.“

Ich mag Menschen, die das nicht können!
Die sagen: Bei mir läuft’s gerade absolut nicht.
Die über sich selbst lachen können. Die einen Fehler zugeben.
Die eben nicht versuchen, aus jedem Scherbenhaufen noch schnell ein hübsches Mosaik zu basteln!

Bei solchen Menschen da fühle ich mich wohl.
Nicht weil bei ihnen alles schlecht läuft, sondern weil ich sie verstehe und weiß, woran ich bin.
Dauer – Perfektion macht mich mittlerweile eher misstrauisch.
Denn wenn jemand immer glücklich, erfolgreich, entspannt und mit sich vollkommen im Reinen ist, denke ich nicht mehr: „WOW“!

Ich denke: Interessant. Wo ist die Haustür?
Denn das echte Leben ist nun einmal nicht immer vorzeigbar.
Es  ist manchmal laut, peinlich, chaotisch, traurig und ziemlich unpraktisch.

Und wahrscheinlich sind mir deshalb Menschen mit ein paar sichtbaren Rissen lieber.
Da kommt wenigstens noch ein wenig echtes Leben durch!

So. Und jetzt gehe ich nach Hause und mache die Tür zu.
Dahinter ist natürlich und ganz selbstverständlich alles bestens und in Ordnung. 😏

Xo Sandra

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