AMON – und mit ihm ein Teil meines Herzens

Persönliches

Manchmal schreibe ich nicht, weil ich etwas erzählen möchte.
Manchmal schreibe ich, weil ich sonst nicht atmen könnte.

Schreiben war für mich immer ein Ort, an dem ich mich selbst wiederfinde. Dort spüre ich meine Gedanken, meine Gefühle und meine Emotionen am klarsten – besonders jetzt, in einer Zeit, in der vieles schwer auf mir liegt.

Warum ich das nicht einfach mit mir alleine ausmache?
Weil ich weiß, dass da draußen viele Menschen sind, die ähnliche Momente erleben oder erlebt haben. Und weil Worte manchmal heilsam sein können. Ein einziger Satz, zur richtigen Zeit gelesen, kann verbinden. Kann zeigen: Du bist mit deinem Schmerz nicht allein.

Vor einigen Wochen mussten wir unseren Herzbuben AMON gehen lassen. Viel zu früh, noch zu jung – und doch war es notwendig, um sein Leiden zu beenden und ihn ohne Schmerzen ziehen zu lassen.

Was so ein Entschluss mit einem macht, kann nur jemand wirklich verstehen, der selbst einmal in dieser Situation war. Für mich ist an diesem Tag die Welt stehen geblieben. Amon ist fort – und mit ihm ein Teil meines Herzens.

Jeder Mensch, der Tiere liebt, weiß, dass dieser Moment irgendwann näher rückt. Manchmal erwartet, manchmal völlig überraschend, oft viel zu schnell. Und doch trifft er uns immer unvorbereitet. Von einem Moment auf den anderen verändert sich alles. Der Alltag ist nicht mehr derselbe. Routinen brechen weg, vertraute Rituale existieren plötzlich nicht mehr. Spaziergänge fühlen sich anders an, das Haus wirkt still, und man selbst bewegt sich durch diese Tage, als wäre alles in Watte gehüllt.

Der Gedanke, dass die Sanduhr unserer gemeinsamen Rudelzeit ihre letzten Körner verliert, ist brutal. Eine Hilflosigkeit legt sich über alles und erfüllt jeden Raum. Dabei wissen wir alle, dass Verlust zum Leben gehört. Und doch sind wir als Gesellschaft kaum darauf vorbereitet. Obwohl der Tod eine der wenigen Erfahrungen ist, die wir alle irgendwann teilen werden, bleibt er ein Thema, über das kaum gesprochen wird – fast ein Tabu.

Mit zunehmender Lebenserfahrung denke ich immer häufiger darüber nach, was im Leben wirklich zählt. Am Ende sind es nicht die materiellen Dinge, die wir besitzen, sondern die Momente, die wir miteinander teilen. Die gemeinsamen Augenblicke, die kleinen Freuden, die Erinnerungen, die sich tief in uns einprägen. Es sind die Berührungen, die Nähe, die Liebe – all diese scheinbar kleinen Dinge, die irgendwann zu einem großen Ganzen werden.

Wenn wir einen besonderen Freund verlieren – ob Mensch oder Tier –, trifft uns der Schmerz mit einer Wucht, auf die niemand vorbereitet ist. Er kommt plötzlich und überwältigt uns, manchmal so sehr, dass man das Gefühl hat, daran zu ersticken. Und er taucht genau dann auf, wenn man ihn am wenigsten erwartet.

Ich werde seit Wochen jede Nacht wach. Mit Tränen im Gesicht, obwohl ich mich an keinen Traum erinnern kann. Der Schmerz ist da, wenn es am stillsten ist – und er bleibt, bis der Tag anbricht. Es ist dieser Zustand zwischen Schock und Realität, dieses heimliche Hoffen, alles möge nur ein schlechter Traum sein. Aber es ist keiner … leider.

Ich weiß: Trauer folgt keinem festen Muster. Sie ist ein zutiefst persönlicher Prozess, geprägt von tausend Nuancen. Jeder Mensch erlebt sie anders – abhängig von seinem Wesen, seiner Geschichte und der Verbindung, die er zu dem verlorenen Wesen hatte. Genau diese Verbindung macht es für mich so unsagbar schwer. Es war etwas ganz Besonderes.

Unsere Hunde waren und sind für mich immer mehr als nur Begleiter. Ich nenne sie von Beginn an meine „Therapiehunde“. Sie waren diejenigen, die mich zurück ins Leben geholt haben, als ich selbst kaum noch wusste, wie sich Leben überhaupt anfühlt. Deshalb verläuft dieser Schmerz nicht einfach in einer geraden Linie. Er bleibt hängen – zwischen den Rippen, im Körper, im Kopf, im Herzen.

Viele von euch, die mich lesen, wissen, dass ich seit vielen Jahren mit psychischen Herausforderungen lebe. Manchmal ist es leichter, manchmal kaum auszuhalten – so wie gerade jetzt. Emotionale Wunden lassen sich nicht einfach ausschalten. Und so bleibt der Schmerz nicht nur ein Gefühl. Er wird zu körperlicher Leere, zu Rastlosigkeit und zu einer Realität, die sich nur schwer akzeptieren lässt. Mein Rudel ist nicht mehr vollständig. Der Jüngste – aber der Stärkste und Präsenteste – ist fort.

Und dann ist da noch MONJA. Wenn ein Alltag aus zwei Hunden und zwei Menschen besteht, verändert sich auch für sie alles. Tiere spüren unsere Energie. Sie merken, wenn etwas nicht stimmt. Monja vermisst ihren Freund. Sie zieht sich zurück, wirkt manchmal unsicher und traurig zugleich. Zu sehen, dass auch sie leidet, berührt auf eine andere, fast noch stillere und schmerzhaftere Weise.

Erst jetzt wird mir bewusst, wie sehr meine Tiere mein inneres Gleichgewicht sind. Sie waren – und sind – Sicherheit, Stabilität und eine Quelle bedingungsloser Liebe. Wenn zur Trauer auch noch andere schwierige Ereignisse im Leben hinzukommen, wird es noch schwerer, diesen Schmerz zu tragen. Dinge, die früher Freude bereitet haben, verlieren plötzlich ihre Bedeutung.

Vielleicht fragen sich manche Menschen, warum ich darüber schreibe und meine Gefühle so offen teile. Die Antwort ist einfach: Weil es mir hilft. Und weil ich weiß, dass irgendwo jemand sitzt, der vielleicht genau jetzt einen Satz daraus braucht. Und auch, weil ich gelernt habe, dass es nicht entscheidend ist, was andere darüber denken.

Amon hat mir etwas beigebracht, das ich erst jetzt wirklich begreife: Grenzen. Er hat immer klar gezeigt, wie weit jemand gehen darf und wo Schluss ist. Nicht aus Aggressivität, sondern aus Klarheit. Vielleicht ist genau diese Klarheit eines seiner größten Vermächtnisse für mich.

Es gibt Verbindungen im Leben, die sich nicht mit Logik erklären lassen. Ein Tier ist nicht einfach ein Haustier – es ist Familie! Mit einer Präsenz, die man kaum beschreiben kann, wenn man sie nie erlebt hat, und mit einer Liebe, die bedingungslos ist!

Amon war unser Lebensgefährte, unser „Baby“, unser BÄR, ein vollwertiges Familienmitglied. Sein Weggehen hinterlässt eine riesige Lücke – nicht nur im Herzen, sondern in unserem gesamten Alltag. Besonders für meinen Mann, für den ich diese Zeilen ebenfalls schreibe. Die beiden waren ein Team, verbunden durch das gleiche Gemüt, die gleiche Herzlichkeit und eine tiefe, stille Vertrautheit und Liebe.

Und doch trägt dieser Verlust auch eine Einladung in sich: innezuhalten und zu erkennen, wie besonders diese gemeinsame Zeit war.

DANKE, AMON.

Danke für jeden Blick, jedes Schwanzwedeln, jedes gemeinsame Schweigen. Für all die Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge, die wir mit dir erleben durften. Danke für deine Treue und für deine Fähigkeit, bedingungslos zu lieben. Du hast uns so viel beigebracht und besonders mir an dunklen Tagen immer wieder die Sonne ins Haus geholt.

Du hast Tränen geweckt, von denen ich nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt – und selbst diese Tränen erzählen eine Geschichte. Deine Geschichte.

Eines Tages wird es leichter werden, sagen sie. Nicht vergessen – aber anders. Und tief in meinem Herzen weiß ich: Wenn unsere Zeit gekommen ist, wirst DU da sein und uns abholen.

In so viel Liebe, die ich nicht benennen kann –
dein „Rest-Rudel“.

Xo Sandra

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