Mein Beitrag ist nicht geplant entstanden. Er kam in einem dieser stillen Momente, in denen ich einfach nur dasaß, einen meiner Hunde neben mir, meine Hand in seinem weichen Fell, und spürte, wie KOSTBAR Augenblicke plötzlich werden, wenn man weiß, dass sie nicht unendlich sind. Es war nichts Dramatisches in diesem Moment. Nur dieser Ausdruck in seinen Augen – und dieser eine Satz in meinem Kopf: „Das wird wieder.“ Und noch während ich ihn dachte, wusste ich, dass ich mir gerade etwas erzähle, das mehr Trost als Wahrheit war. Eine Lüge.
Zwischen positivem Denken und Selbstbetrug …
Warum machen wir das? Warum sagen wir Dinge zu uns selbst, von denen wir tief drinnen ahnen, dass sie so nicht eintreffen werden? Warum klammern wir uns an „alles gut“ oder „das regelt sich“, obwohl wir längst spüren, dass das Leben manchmal andere Pläne hat? Ist das positives Denken? Ist es Selbstschutz? Oder ist es der Versuch, die Realität noch ein wenig auf Abstand zu halten?
Ich glaube nicht, dass wir uns aus Unvernunft belügen. Und ich glaube auch nicht, dass wir uns bewusst sabotieren! Viel häufiger ist es Liebe. Liebe, die Zeit braucht, um einer Wahrheit hinterherzukommen, die sie eigentlich schon erkannt hat. Unser Inneres mag keine abrupten Brüche. Es tastet sich vor. Es sucht nach Hoffnung, nach einem Restspielraum, nach einer kleinen Tür, die sich vielleicht doch noch öffnet. „Das wird schon wieder“ klingt sanfter als „Ich muss mich verabschieden“. Also halten wir uns an diesem Satz fest, als wäre er ein Geländer.
Hoffnung ist etwas Wunderschönes
Sie trägt uns durch Phasen, die wir sonst kaum aushalten würden. Doch irgendwo zwischen Zuversicht und Verdrängung verläuft eine schmale Linie. Eine Linie, die wir erst bemerken, wenn wir uns selbst dabei zuhören. Wenn wir merken, dass wir etwas wiederholen, nicht weil wir daran glauben, sondern weil wir es glauben wollen.
Wie oft sagen wir „So schlimm ist es doch gar nicht“, obwohl es uns längst Kraft kostet? Wie oft erklären wir uns, dass wir nur übertreiben, nur empfindlich sind, nur eine schlechte Phase haben? Wie oft halten wir an Menschen, Situationen, Träumen fest, obwohl wir innerlich schon Abschied genommen haben? Wir sind unglaublich kreativ darin, uns Geschichten zu erzählen, die die Wirklichkeit weicher zeichnen, als sie ist.
Und wahrscheinlich ist das menschlich. Vielleicht braucht unser Herz diese kleinen Zwischenstationen? Vielleicht ist es gesünder, nicht jede Wahrheit sofort mit voller Wucht an sich heranzulassen? Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem wir uns fragen dürfen: Dient mir das, was ich mir gerade erzähle – oder halte ich damit nur etwas fest, das längst eine andere Richtung eingeschlagen hat?
Ich ertappe mich weiterhin bei diesen Sätzen. Ich verurteile mich nicht dafür. Sie entstehen aus Fürsorge, aus Hoffnung, aus dem Wunsch, (noch) nicht loszulassen. Doch ich möchte wach bleiben. Wach genug, um zu spüren, wann aus Trost eine Ausrede wird. Wach genug, um mir selbst ehrlich zu begegnen, auch wenn es schmerzt.
Vielleicht liegt die eigentliche Stärke nicht darin, immer sofort die volle Wahrheit auszuhalten, sondern darin, bereit zu sein, sie Schritt für Schritt anzunehmen.
Denn am Ende stärkt uns nicht die perfekte Geschichte, die wir uns erzählen, sondern die Echtheit, mit der wir dem begegnen, was ist – auch wenn unser Herz noch ein wenig Zeit braucht, um es zu akzeptieren und es zu begreifen.
Dieser Beitrag ist für alle, denen Klarheit (Wahrheit) gerade nicht leichtfällt – und die trotzdem spüren, dass sie irgendwann hinschauen müssen.



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