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Dieser Beitrag heute beschäftigt mich eigentlich schon mein Leben lang. Stille Menschen, auch gerne introvertiert genannt und das Thema Freundschaft(en). Das größte Vorurteil über uns ruhige Menschen – ich mag das Wort introvertiert nicht so gerne – ist wohl, dass wir unsoziale Geschöpfe sind. Ja, wir fühlen uns in kleinen Gruppen wohler als auf großen Versammlungen. Was aber keinesfalls heißt, dass wir keine Menschen mögen! Heute stille Gedanken von mir über das miteinander und die Freundschaft(en).

Wie schon eingeleitet, erzähle ich heute vorrangig von mir selbst. Allerdings bin ich mir sehr sicher, dass es so manche finden werden, die sich meiner anschließen werden.

Wenn ich an meine Kindheit und Jugend zurückdenke, hatten alle Kinder in meinem Umfeld mehr Spaß und Freude als ich es hatte. Mich hat das als Kind schon immer verwundert und ich habe mich gefragt, weshalb all diese jungen Geschöpfe, mehr Freude haben als ich. Vor allem, woher sie diese Freude schöpften? Waren es die vielen Freunde, die ich nicht hatte? Und warum hatte ich kaum Freunde? Was war bei mir anders? Heute ist mir natürlich vieles klar und ich weiß auch, dass ich nicht sehr viel „falsch“ gemacht habe. Ich habe mich schon als Kind automatisch so verhalten, wie es meiner natürlichen Gemütsart entsprach. Und DAS ist bis heute so geblieben.

„Du magst keine Menschen, stimmts?“

Ich schreibe auf meinen Blog ja öfter und sehr gerne über die Ruhe, das allein und für sich sein. Da kommt es auch öfter vor, dass mich Leute fragen, ob ich keine Menschen mag. Mit solchen Fragen komme ich sehr gut klar, frage mich aber, ob meine Texte auch all das verständlich ausdrücken, was ich sagen will.

Dass stille, zurückhaltende Menschen gerne Zeit mit sich allein oder vorwiegend in kleinen Kreisen aufhalten, ist bekannt. Allerdings ist es Blödsinn, dass sie keine Menschen „mögen“ und niemanden an sich heranlassen! Womit die Einleitung zu Freundschaft(en) auch schon getan ist.

Ich zum Beispiel möchte sehr gerne Kontakt zu anderen Menschen knüpfen, aber eben nicht ständig, nicht mit „Mengen“ und nicht mit irgendwelchen Menschen! Alles andere zieht mir Kraft und Energie.

Ich mache mir schon sehr lange darüber Gedanken, warum stille, zurückhaltende Menschen weniger Freundschaften schließen.

  • Wir meiden Menschenansammlungen. Und das ganz automatisch und instinktiv. Auf andere zuzugehen wäre gar nicht das Problem, allerdings verspüren wir gar keine Lust dazu! Schon daraus lässt sich schließen, dass wir wesentlich weniger Kontakt mit anderen haben, als jemand, der die „Masse“ braucht, um sich gut zu fühlen. Und somit ist die Auslese an Menschen, die zu Freunden werden (könnten), schon reduzierter.
  • Es fehlt die Zeit. Da mein Mann und ich viel zwischen Österreich und Italien pendeln, treffen wir andauernd neue Leute. Jeden Tag hätte ich die Möglichkeit, neue Menschen kennenzulernen. Theoretisch. ›lach‹. Praktisch allerdings, entsteht aus diesem flüchtigen Kennenlernen, kaum oder nie eine Freundschaft. Meistens reicht die Zeit nicht aus. Und ich bin ein Mensch, der diese Zeit benötigt, um mich anzutasten, zu öffnen UND auch zu „prüfen“, ob es für eine richtige Freundschaft reicht. Außerdem ist meine zurückhaltende Art kein Motor, der Freundschaften schnell wachsen lässt. Es kommt also selten vor, dass jemand nach kurzer Zeit sagt: Okay, DICH mag ich! :D
  • „Bekannte“ sind für mich keine Freunde. Freundschaft geht für mich tiefer und hört nicht bei Oberflächlichkeiten auf. Ich weiß aus Erfahrung, dass Extrovertierte beinahe jeden Bekannten als „Freund“ benennen. Das Wort FREUND wird meist sehr viel schneller verwendet als wir beide es tun. Ich habe damit kein Problem, aber Bekannte sind für mich keine Freunde.
  • Freundschaft gehört gepflegt! Und da geht es schon los. Freundschaft ist mit einem gewissen Aufwand verknüpft. Und da ich ja schon anfangs erwähnt habe, dass ich heute vorrangig über mich schreibe, muss das kommende nicht auch auf Dich zutreffen!
    Ich habe keine Ahnung, ob es eine typische introvertierte Eigenart ist, aber ich rufe niemanden, einfach „nur so“ an. Ein Plauderstündchen mit einer Tasse Tee und einer Schachtel Kekse vor mir. Dazu brauche ich eine „Vereinbarung“. Einen Termin, um mich darauf einzustellen und vielleicht auch vorzubereiten. Sorry, aber es ist halt so. Klartext: Mit der PFLEGE von Freundschaften, habe ich so meine Probleme, nicht vorsätzlich … es ist einfach, wie es ist.

Auf neue Menschen (Freunde) einlassen

Ich kenne viele Menschen, die gleich fühlen und sich so verhalten wie ich es tue. Ihre Freundschaften beschränken sich auf zwei, drei Menschen oder sogar nur auf den Lebenspartner. Ein bequemer Zustand, deren „Pflege“ überschaubar ist. Viele Freundschaften sind aus meinem Leben ausgestiegen, weil sich die Lebensumstände verändert haben. Man sich vielleicht in eine andere Richtung weiterentwickelt hat. Das passiert. Danach bleibt „wenig“ übrig. Allerdings ist das ein Zustand, den ich nicht unbedingt erstrebenswert finde.

Umso wichtiger ist es, neue Menschen in sein Leben zu lassen. Versuchen, Freundschaften zu knüpfen. Für mich immer wieder eine Herausforderung. Es müssen also gleich mehrere sein, um herauszufinden, wer auf derselben Welle surft wie wir! Also ist ein ausgewähltes passendes Umfeld Voraussetzung um neue Kontakte zu knüpfen.

Wieder auf mich persönlich zurückzukommen: Ich brauche nicht viele Menschen um mich. OHNE, geht es aber auch nicht. Es müssen die für mich richtigen sein. Ich lerne Menschen nicht kennen, weil ich muss, sondern weil ich es möchte. Ich möchte gezielt kleine Veränderungen in meinem Umfeld haben und mich dadurch neu inspirieren lassen.

Meine Definition von Freundschaft werde ich wahrscheinlich nie verändern! Ich werde mich auch ganz bestimmt nicht mehr in den Trubel oder auf Partys schmeißen. :D Aber ich bin offen für neue Menschen in meinem Leben. Ob es für eine Freundschaft reicht, kann ich immer erst sagen, wenn gemeinsame Zeit verbracht und investiert wurde. Ja und noch etwas zum Abschluss: Ich denke, das Älterwerden spielt hier auch eine große Rolle. Dazu fallen mir zwei wichtige Worte ein, die für mein ganzes Leben geltend sind. QUALITÄT vor QUANTITÄT. Und da ist weniger oft mehr. ›zwinker‹

Ich bin ein stiller Mensch.
DU bist ein wunderbarer Mensch und ich mag Dich!
Aber ich brauche meine Ruhe.

Das war mein „stiller Einblick heute für Dich. Wie stehst Du zum Thema Freunde? Was tust DU, um neue Menschen kennenzulernen? Ich freue mich über Deine auch gerne „lauten“ Gedanken dazu. :D

Ich wünsche Dir bis zum nächsten Mal eine schöne und gute Zeit.

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„Erzähl doch mal ein wenig …“, „Was denkst du gerade?“. Vielleicht sind Dir solche Aussagen ja bekannt. Ganz bestimmt wirst Du sie kennen, wenn Du ein schweigsames Persönchen bist. Ich bin der Meinung, dass stille Menschen nicht zum Reden gezwungen werden sollten. Es wird auch nicht wirklich funktionieren. Ruhige Menschen überlegen sich ganz genau, welche Gedanken sie äußern und an wen sie diese richten. Meinen Beitrag heute möchte ich allen „stilleren“ Seelen widmen – weil es  manchmal ganz schön anstrengend ist zu entsprechen. ›zwinker‹

Nicht viel zu sprechen spielt in unserer Gesellschaft eine ganz eigene Rolle. Die Mehrheit der Menschen haben ohnehin verlernt, die Stille zu genießen und wissen auch gar nicht, wie schön es sein kann, mal nichts zu sagen und genüsslich zu schweigen. Und dann gibt es diejenigen, die als Zweitnamen „die Schweigsame, die Stille oder die Ruhige“ haben und die überhaupt kein Problem damit haben, mal nichts zu sagen.

Für außenstehende Menschen wirkt diese Eigenschaft manchmal sehr befremdlich und – die Erfahrung mache ich persönlich immer wieder einmal – irgendwie abgehoben. „Man muss doch auch mal was sagen und kann nicht immer nur denken?“ Werde ich auch ab und zu gefragt. Tatsächlich? Muss man das? Dass ich im Berufsleben nicht nur schweigsam sein kann, ist klar, doch in meinem Privatleben ist meine Sache.

Nicht reden, verunsichert

Nicht sofort zu sagen, was man denkt, verunsichert viele Menschen! Und oft wird mit der Schweigsamkeit eines Menschen auch gleich ein wenig „Verrücktheit“ in Verbindung gebracht. Warum – diese Frage konnte mir noch niemand beantworten. In Wahrheit sollte aber niemand davon ausgehen, dass jemand verrückt oder unberechenbar ist, nur weil er stiller ist als das Umfeld.

Mir sind in meinem Leben viele „Laute“ und noch mehr „Vielsprecher“ begegnet, die aggressiv und sehr wirre ungesunde Gedanken in sich trugen! Dementsprechend ist das keine oder eine falsche Messlatte, die Menschen da auf die „Stillen“ legen. Man sollte keinen Menschen zum Reden drängen. Menschen, die lieber schweigen, überlegen sich ganz genau, welche Gedanken sie äußern und welche nicht. Hinter jedem Wort steckt eine Entscheidung und diese sollte uns niemand abnehmen.

Die Gesellschaft hat einen … wie nenne ich es … „Überschuss“ an Worten und inhaltslosen Gesprächen. So viele Aussagen und Gespräche sind sinnlos und überflüssig! Gerade in der westlichen Gesellschaft ist es sehr willkommen, wenn viel geredet wird. Manchmal hat es für mich den Anschein, es ist besser etwas Falsches zu sagen, als nichts zu sagen. Dass wir so die sogenannten „Dummquatscher“ und „Selbstdarsteller“ fördern, ist leider ein nicht so schöner Nebeneffekt.

Also sollte man die „Stillen“ nicht noch provozieren, indem man sie mit Sätzen bedrängt wie: „Na jetzt sag halt mal was … was gibt es denn Neues?“ Ist man als ruhiger introvertierter Mensch umgeben mit „Vielrednern“ kann das sehr anstrengend und auch unangenehm sein oder werden. Ich kenne das nur zu gut! Für mich ist einfach drauflos quatschen purer Stress. ICH zum Beispiel brauche Themen, … Anhaltspunkte, … in welche Richtung soll das Gespräch gehen UND ganz wichtig: Interessiert mich die Thematik überhaupt.

Aber wann gehen die „Stillen“ aus sich heraus?

Tja, ich glaube, ich kann jetzt für viele da draußen diese Frage zufriedenstellend beantworten. (Hoffe ich jedenfalls) Ich kann auf jeden Fall sagen, dass tiefgehende Gespräche glücklicher machen, als jeglicher Small Talk. Um zu gehaltvollen Themen vorzustoßen, müssen Menschen einander erst mal kennenlernen:

  • Liegt mir derjenige?
  • Kann ich ihm auch vertrauen?
  • Wie tickt der andere?
  • Gibt es Gemeinsamkeiten?
  • Gibt es gleiche Interessen?

Sind diese Hürden erstmal klargemacht, ist der Weg ein freier. Und zwar für genau die Art von Gesprächen, die stille und zurückhaltende Menschen mögen. :D

Ein Beispiel, das schon mehrere Jahre zurückliegt:

Ich musste beruflich auf einer Veranstaltung erscheinen, die mir absolut nicht lag. Manche Dinge konnte ich mir eben nicht aussuchen. Begrüßung … lautes Stimmengewirr … angeregt plaudernde Gruppen standen verstreut auf dieser Veranstaltung. Irgendwie kannten sich alle. Nur ich kannte kaum jemanden. Ich sollte ins Gespräch kommen aber ich fühlte mich so unbehaglich  und stellte mich peinlich berührt an den Rand einer kleinen Gruppe. „Komm ins Gespräch …“, sagte ich mir immer wieder. Ich lächelte unnatürlich und automatisch. Nahm dankend ein Getränk vom Tablett und dachte mir – zu mindestens haben meine Hände jetzt etwas zu spielen. Ich lauschte den angeregten Gesprächen und mir wurde klar: ICH HAB HIER NICHTS VERLOREN! Sich in irgendein Gespräch einbringen geht mit Sicherheit schief. Ich blieb bei meiner „Zuhörerrolle“ und meinem aufgesetzten Lächeln. Small Talk war schon damals nichts für mich, denn er ist nur Mittel zum Zweck und dafür wurde ich nicht bezahlt und war darin auch richtig schlecht. Mein Gedanke damals: Ich will nichts kaputt machen, was andere gerade aufbauen. ›lächel‹.

Heute führe ich ein selbstbestimmtes Leben und kann mir daher solche Veranstaltungen schenken.:D Ich darf mir zu 90 % meine Gesprächspartner aussuchen und kann mein persönliches „stilles“ Dasein genießen.

Fazit:

Man darf den Charakter eines Menschen nicht nach seinem Mitteilungsbedürfnis beurteilen. Stille Menschen haben dieselben Schwächen und Stärken, wie jeder andere auch. Manches ist gut, … manches wäre ausbaufähig. Es sollte nach Taten beurteilt werden. Vorurteile der Stille wegen sind absolut fehl am Platz.

Gut möglich, dass stille Menschen ohne Vorinformation und Einblick, auf ihre Mitmenschen etwas Unsicherheit auslösen. Es ist einfach schwieriger, jemanden einzuschätzen, der nicht sofort von sich etwas preisgibt und auf Anhieb von sich erzählt! Also lassen wir die Stillen so sein wie sie sind, denn sie haben keinen „Schalter“, den man einfach anknipsen kann. ›lach‹.

Zu welcher Gruppe würdest DU DICH hinzugesellen?
Gruppe „Still & zurückhaltend“ … oder Team „Plaudertasche“?

Ich wünsche Dir IMMER die richtigen Gesprächspartner, die Dich und Dein SEIN inspirieren.