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Kontakte und soziale Beziehungen sind die wichtigsten Dinge in unserem Leben heißt es. Sie festigen und sie machen uns happy (sollten sie) und sorgen letztendlich für ein glückliches Leben. Allerdings weiß ich, dass dies für Menschen mit Traumatisierung ein sehr schwerieges Thema ist.

Du fragst Dich vielleicht, warum ich solche Themen immer wieder mal einbringe? Zum einen, weil es mehr als genug Frauen gibt, die damit zu kämpfen haben und zum anderen, weil ich selbst betroffen bin. Aber das wirst Du ja schon wissen, wenn Du meine Artikel verfolgst. :D Du kannst jetzt hier schließen oder Du liest zu Ende, denn Kontakte finden und schließen, ist nicht nur für Menschen mit „Vergangenheits-Narben“ ein Thema, sondern für viele andere auch!

Beeinflusst ein Entwicklungstrauma die Art, wie wir Kontakte herstellen?

Ein Trauma beeinflusst die Art der Kontaktaufnahme

Ich hätte diesen Satz auch als Frage formulieren können. Tat ich nicht, weil ich mir ganz sicher bin, dass es tatsächlich so ist. Neue Kontakte sind ein immer wieder kehrendes Thema für traumatisierte Menschen. Viele Frauen erzählen davon, wie frustriert und enttäuscht sie von anderen Menschen sind, wenn sie einen Kontakt herstellen möchten. Das Gefühl vom Desinteresse des Gegenübers spielt dabei eine große Rolle. Viele neu geglaubte Kontakte ziehen sich auch wieder zurück bevor noch ein richtiger Kontakt geschlossen wurde.

Das kann natürlich viele Gründe haben. Oder aber auch, dass Interesse ist zu einseitig. Ein anderer Grund ist allerdings, dass traumatisierte Personen, vor allem Frauen mit einem Entwicklungstrauma, Kontakt auf eine Art herstellen, die sehr oft enttäuschend ist.

Was ist ein Entwicklungstrauma?

Leider führt jedes Wort das „Trauma“ beinhaltet zu bestimmten Assoziationen, die in diesem Fall sehr oft falsch sind. Ein Entwicklungstrauma kann ganz „untraumatisch“ entstehen. Bei Trauma schießt jedem Menschen sofort Gewalt, sexuelle Übergriffe oder Vernachlässigung in den Kopf. Diese Ereignisse sind zwar für viele Menschen in ihrem Leben Wirklichkeit geworden.

Ein Entwicklungstrauma kann aber auch schon dadurch entstehen, dass Babys nach der Geburt nicht bei Ihrer Mutter sein durften. Viele Mütter leiden auch an Wochenbettdepressionen oder haben schlicht weg keine Zeit für das Kind. Sie sind empathisch unfähig sich in die Bedürfnisse des Kindes hineinzufühlen!

Diese schon frühen Verletzungen hindern die Fähigkeit zur Selbstregulation. Gemeinsam mit der Fähigkeit Kontakte und Bindungen einzugehen. Kommen noch die oben angeführten Übergriffe hinzu, verlieren die Frauen auch ihren körpereigenen Zugang samt den Gefühlen dazu! Glück und Entspannung sind meistens ein sehr seltener Gast. :-(

Das nur zum besseren Verständnis.

Der „gesunde“ Beziehungsaufbau

Solange ich denken kann, waren mein Kontakt- und Beziehungsaufbau niemals „gesund“. Freundschaften und Beziehungen funktionierten nie richtig gut und schon gar nicht lange. Durch die Traumatisierungen ist mein Gespür und der „gesunde“ Ablauf einer Kontaktaufnahme durcheinander geraten. Das lag daran, dass ich keine sicheren Bindungserfahrungen gemacht habe. Und dieses Gefühl war sofort ON, wenn ich einen neuen Versuch startete.

Der geläufige Ablauf ist doch so: Wir lernen jemanden kennen … lernen ihn noch ein bisschen besser kennen und beginnen uns auszutauschen. Dabei schauen wir, ob uns die Person guttut. Ob uns deren Verhaltensweisen und Charaktereigenschaften gefallen. Man sucht gemeinsame Interessen und wenn all das vorhanden ist, baut man nach und nach mehr Nähe auf. Der Kontakt wird tiefer und aus dem Kontakt wird eine Bindung. Klingt wie auswendig gelernt ›lach‹. So irgendwie ist es doch …

Bei uns Menschen mit unsicheren Bindungsmuster ist das etwas anders: Bei Frauen, die unter einem  Entwicklungstrauma leiden und dadurch ein total anderes Bindungsmuster besteht, läuft dieser Vorgang manchmal umgekehrt! Frau lernt jemanden kennen, findet die Person gut und sympathisch … sie versucht sehr schnell viel Nähe herzustellen und geht auch schnell eine Bindung ein.

Danach wird erst herausgefunden, ob die Person überhaupt ehrliches Interesse hat, ob die Harmonie stimmt und ob die unterschiedlichen Eigenschaften zusammenpassen! Das heißt, eine Bindung wird hier schon eingegangen, bevor man die Person überhaupt richtig kennenlernt.

Die Enttäuschung ist natürlich vorprogrammiert

Aus meinen eigenen Erfahrungen heraus, kann ich sagen, dass es an der riesigen Sehnsucht nach einer funktionierenden Bindung liegt. Außerdem kann es sein, dass ein netter Austausch mit einer Bindungsabsicht verwechselt wird. Es wird irgendwas hineininterpretiert, was Frau sich eben wünscht. Die Enttäuschung ist also greifbar naheliegend. Denn es fehlt die Zeit, Interessen werden nicht schrittweise überprüft und das echte Empfinden des anderen wird einfach übergangen.

Diese Erfahrung habe ich ständig machen müssen. Es folgte eine Enttäuschung nach der anderen. Alles „selbstgemacht“ das war mir klar. Erst im reiferen Alter und mit sehr viel Arbeit, ist es mir gelungen, die Form des Kontakte-Suchens zu verändern.  Schließlich wollte ich nicht andauernd frustriert durchs Leben laufen. Ich wünschte mir ja nach wie vor eine glückliche Liebesbeziehung, wie auch ehrliche Freundschaften, die mal länger hielten als nur ein halbes Jahr!

Jeder Frau braucht unterschiedlich viel Kontakt

Nun ich bin ein Mensch, der mit sehr wenigen Kontakten auskommt. Mir ist gleich mal etwas „zu viel“, „zu eng“ und „zu langweilig“. Ich könnte mir niemals vorstellen, Freunde jede Woche geschweige denn jeden Tag zu sehen oder mit ihnen zu telefonieren! Da bin ich einfach eigen geblieben. In meiner Beziehung ist das anders. Wir sind 24 Stunden zusammen … wir arbeiten gemeinsam, gehen denselben Interessen nach, lachen und schweigen zusammen und trotzdem hat jeder seinen Freiraum! Es gibt kein Klammern und ausreichend Zeit, wenn er es möchte.

Diese Beziehung klappt nur deswegen so gut, weil ich mein Bindungsmuster verändert habe. Beziehungen sind wie ein Tennisspiel. Man spielt sich die Bälle zu und schaut, wie oft der andere zurückspielt. ›lächel‹. Mein Herzmensch hat sehr oft den Ball getroffen und ich habe ihn sogar freiwillig geholt und wieder zurückgespielt ›grins‹.

Das Wichtigste dabei ist, dass es für alle Parteien passt und eine gemeinsame Ebene gefunden wird. Ob Freundschaft oder Beziehung. Ich habe oft den Fehler gemacht, wenn ich jemanden getroffen habe den ich mochte, dass ich ihn durch meine Sehnsucht nach mehr Kontakt, total überfordert habe! Die Bereitschaft mich näher kennenzulernen, löste sich schnell in Luft auf.

Deshalb sollten wir uns nicht wie eine Löwin auf das „Opfer“ stürzen, sondern langsam und mit Gefühl auf das Gegenüber zugehen. Sich nur Stück für Stück zeigen. Dabei ist zuhören ein wichtiger Schritt. Nach und nach können wir beginnen, mit unseren eigenen Geschichten anzukoppeln. Die Zeit, die wir dabei investieren, schenkt Vertrauen und bietet Raum um vertrauensvolle Themen zu bereden und sich damit weiter näherzukommen.

Es funktioniert. Auch traumatisierte Frauen sind in der Lage, eine gute und beständige Bindung einzugehen. Gesunde Kontakte zu knüpfen, auch wenn es nicht immer ganz leicht fällt. Was zählt, ist das Muster zu ändern, das wir gewohnt waren zu gehen. Und wie gesagt, Frau muss nicht unbedingt traumatisiert sein. Bindungsmuster hat jeder seine ganz eigenen.

Und alle Männer verzeihen mir bitte, dass ich nur über uns Frauen geschrieben habe … aber ich schreibe nun mal für uns Mädels. ›zwinker‹

Sich nicht mehr zu verlieben, weil man Angst hat verletzt zu werden, ist, als ob man aufhört zu leben, weil man Angst hat zu sterben.

Pass auf Dich auf.