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Hingesetzt und Rückschau gehalten

„Jeder Mensch hat ein Brett vor dem Kopf, … es kommt nur auf die Entfernung an.“

Heute von MIR zu DIR. Gedanken von Frau zu Frau und über das Leben, das wir jederzeit verändern dürfen.

Ich mag es sehr Frau zu sein … ich liebe es meiner Intuition mehr und mehr zu vertrauen! Und noch mehr liebe ich es zu wissen, WER ich bin und wofür ich stehe. Das war nicht immer so.

Mit 10 wusste ich, dass ich entweder Krankenschwester oder Kindergärtnerin werden würde. Ich wusste immer, dass ich schnell mein eigenes Geld verdienen musste, um so schnell wie möglich auf eigenen Beinen zu stehen. Meine Berufswahl verlief total anders. Nach einer Verletzung bemerkte ich – ich kann kein Blut sehen, also fiel Berufswahl Nummer eins weg. Kinder waren mir plötzlich zu anstrengend und zu laut. Also ging ich in den Handel.

Ein System hat mich gefangen genommen, mit dessen Zahlen, Fakten und Daten ich mich eine Zeit lang sehr gerne auseinandergesetzt habe. Nach meinem Abschluss übernahm ich Verantwortung und Führung. Business-Outfit war Standard geworden. Ich wurde wirklich gut in dem, was ich tat und habe „gelernt“ mich anzupassen. Zu verkaufen. Zu schulen und habe mich auf Zahlen und Umsatz gestürzt, die es zu erfüllen gab. Es wurde viel umgesetzt und ich habe mich fürchterlich angestrengt. Ich wollte „beweisen“ … wie immer. Stress, viel zu wenig Zeit und die Arbeit mit nach Hause genommen – so war’s.

Ich funktionierte (fast) immer fehlerfrei in diesem System, das irgendwie gar nicht meines gewesen war. All das konnte nicht so weitergehen, das wurde mir klar, als ich mein erstes Burnout hatte, meine Beziehung dadurch zerbrach und ich jeden Tag unglücklicher wurde und in ein tiefes schwarzes Loch gefallen bin.

Es MUSSTE etwas anders werden …

Ich wusste damals, dass es in mir einen Anteil gab, der begraben ganz tief in mir schlummerte. Den ich aus meinen Augen verloren hatte und dem ich nie Platz und Raum gegeben hatte. Mit wunderbarer Hilfe von Außen machte ich mich auf den Weg um einen NEUEN Zugang zu mir zu finden.

Ich machte mich auf den Weg und probierte eine Unmenge an Sachen aus:
Jede kreative Tätigkeit wurde erkundet. Ich begann wieder sehr viel zu lesen und beschäftigte mich mit der Tiefe meiner Seele, meinem inneren Kind, meiner Psyche und meiner Vergangenheit. Immer auf der Suche „Wer bin ich?“ und „Wozu bin ich eigentlich hier?“

Und dann kam ein ganz besonderer Moment. Ich nahm an einem Seminar teil. „Raus aus meinen alten Schuhen“, war das Motto, das mich total ansprach. Und ich weiß es noch als wäre es gestern gewesen … ich lag da auf dem Boden inmitten einiger Menschen, die alle auf eine gewisse Weise auf der „Suche“ waren. Ich lauschte der Vortragenden und folgte den Anweisungen. Ich wartete schon gespannt auf meine unangenehmen Gefühle, die jedes Mal hochkamen, wenn es still wurde und wenn ich mich ganz auf mich konzentrieren sollte. Es kam aber nix. Plötzlich war es da ganz ruhig und friedlich in mir! Es gab nichts zu tun … ein so unglaubliches und schönes Gefühl, das ich nicht kannte.

Von da an wusste ich, was ich wollte, wo ich hin wollte und was zu tun war! Nämlich NICHTS MEHR von dem, was ich bisher getan habe …

Natürlich wäre das jetzt ein schönes Ende und ein noch besserer und leichter Beginn für ein neues Leben – doch leider war das nicht so. Ich wurde ein weiteres Mal auf die Knie gezwungen. Denn schon klar, ich wusste jetzt, wo ich hin wollte, aber dazu musste ich erstmal (in meinem Fall) alle Zelte abbrechen … umsiedeln … Verbindungen cuten … Klartext reden und vor allem NEIN sagen!

Ich habe mich hingesetzt und Rückschau gehalten …

Was hat immer gut funktioniert?
Was eher nicht …
Was hat mir bislang wirklich Spaß gemacht?
Was liegt da in mir tief verborgen?
Welche Prioritäten setze ich für mein Leben in der Zukunft?
Was lässt mich immer wieder in alte Muster und Glaubenssätze fallen?
Was schafft mir innere Balance und Wohlgefühl?
Schaffe und will ich wirklich so viel verändern?

JA. Ich wollte, ich musste es tun, wenn ich wieder glücklich und vor allem gesund sein wollte. Es war genau diese Zeit, als ich die Tür zu meinem Innersten öffnete, alles Alte und Ungesunde, Schritt für Schritt hinter mir gelassen habe – ab da konnte ich mich selbst entdecken. ›lächel‹

Mein Körper war mein Guide … er versorgte mich relativ rasch mit Informationen darüber, was gut für mich ist und was ich besser sein lassen soll. Zuvor habe ich dieses Signal immer überhört. Ich hatte keine Zeit dafür und es war mir lästig. Ich wollte diese „Signale“ nicht spüren, denn sie bedeuteten für mich pure Schwäche. Heute ist es mir ganz wichtig geworden auf meine Intuition zu hören und „hinzuspüren“, was da in mir so abgeht. :D

Meine Emotionen bekommen endlich genügend Platz …, wenn ich zurückdenke, ich glaube ich konnte gar nicht weinen. Bei mir kam nichts an die Oberfläche. Es war mir wichtig immer die Kontrolle in allen Situationen zu wahren. Gefühle waren da fehl am Platz! Schließlich war ich eine starke Frau. Aber all die unausgesprochenen Worte, die Wut, die Trauer und Angst, hatten sich in meinem Körper abgesetzt und „überdeckelten“ somit auch die schönen Gefühle und Emotionen. :-(
Heute weiß ich es besser. Emotionen sind fließende Energie und brauchen genügend Platz in unserem Leben.

„DU bist so typisch Mädchen“ … ›lach‹. Früher hätte mich diese Aussage geärgert, denn ich und „Mädchen“? Wirklich nicht. Heute ist es ein wunderschönes Kompliment für mich.  Wenn ich mich mit meinem Herz-Mensch vergleiche:

ER: Immer konzentriert, ständig fokussiert, er ist absoluter Realist, wenn er etwas anpackt, sitzt es, ER ist mein Anker …
ICH: Ich dagegen bin emotional (geworden), ich gehe nach meiner Intuition, bin umsorgend, kreativ und spirituell.

Ich war vor Jahren so wie mein Mann … also sehr ähnlich. Männer waren immer mein Vorbild! Männer verkörperten Stärke, Kraft und richtigen Mut. Das dass, alles totaler Bullshit ist weiß ich heute. Ich weiß, dass die weiblichen Qualitäten sehr wertvoll sind und dass FRAU auch all diese männlichen Anteile in sich trägt. Ich bin heute so dankbar über meine spürbaren „Superkräfte“, denn ich kannte sie alle nicht. Ich wusste nicht wie es sich anfühlt, im Flow zu sein, Gefühle und Weichheit zu zeigen … Wärme auszustrahlen und empathisch zu sein. Alles Dinge, die die Welt so dringend braucht. #dankbarbin

Es war das Wertvollste, was mir passieren konnte …

Es muss im Leben immer etwas geschehen, das einem die Füße vom Boden reißt, um dann sagen zu können: „Nein, so kann es nicht weiter gehen …“. Bestimmt hast auch Du schon so eine Erfahrung machen müssen. WAS wir aus diesen Momenten dann letztendlich erschaffen, liegt an uns. An unserem Mut, die Türe zu unserem Innersten aufzumachen UND auch hineinzugehen.

Dieser Weg hat mich auf ganz liebevolle Weise entdecken lassen, WER ich bin. Es hat mir geholfen, meinen Weg zu mir zu finden … meine Ruhe zu finden … mir Klarheit geschenkt und meine weibliche „Weisheit“ zu nutzen. :D
Ich weiß, diese Möglichkeit ruht in jeder von uns.

Und ich verneige mich vor jeder Frau, die sich vielleicht genauso wie ich, erst spät den Mut aufbringt, diesen Weg zu gehen und sich dabei auf dem Weg zu sich selbst macht und dabei ganz viele wunderbare Seiten entdecken wird!

Ich würde mich freuen, von Dir dazu zu hören.
Pass gut auf Dich auf.

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Es gibt manchmal kurze und sehr einfache Gespräche, die mich lange danach noch beschäftigen und berühren. Worte, über die ich dann gerne schreibe, weil sie einfach beeindruckend sind. Ich möchte Dich heute gerne zum Strand mitnehmen … sagen wir so, auf den Weg dahin.

Es ist bereits September und ich habe in diesem Sommer, den ich wie jedes Jahr in unserer Zweitheimat Italien verbringe, viele bekannte Gesichter und Nachbarn vermisst. Die COVID-Situation hat gerade viele ältere Wohnungsbesitzer veranlasst daheim zu bleiben. Generell war es ein sehr kurzer Sommer mit sehr vielen Neuerungen und Einschränkungen. Ein Sommer, der sicher in Erinnerung bleiben wird, wenn nicht sogar die neue Normalität werden wird.

Ein freudiges Wiedersehen …

Umso mehr habe ich mich gefreut, als genau eines dieser „vermissten“ Ehepaare vor ein paar Tagen angekommen ist. Am Weg zum Strand richtete sich der kleine alte Herr, dem mit seinen 80 Jahren noch immer der „Lausbub“ aus den blauen Augen blitzt, auf. Er schlägt die Hände zusammen und begrüßt mich mit seinen Tiroler Dialekt und einem herzlich strahlenden Lächeln.

„Jo do isch jo unser Negerlein …“, sagte er grinsend.

Er nennt mich immer so, seit wir uns vor ein paar Jahren kennengelernt haben. Das Negerlein … meiner Hautfarbe im Sommer sein Dank. ›lach‹. Ich habe ihm erzählt, dass ich sehr oft an ihn und seine Frau gedacht habe und ich mir wünschte, dass es ihnen auch gut geht! Der quirlige alte Herr erinnert mich jedes Mal an einen kleinen Jungen, der nur Quatsch im Kopf hat. Er ist trotz seiner stolzen Jahre und seiner schweren Krankheit die ihm letztes Jahr offengelegt wurde, immer gut drauf. Er ist total aktiv und er erzählt mir jedes Mal, welche Berge er wieder hochgestiegen ist, sofern es seine Krankheit zulässt. <3

Zu Hause gibt es immer jede Menge Arbeit. Einen Hof, Stallungen belegt mit Turnierpferden. Menschen, die er unterrichtet und Kinder, dessen Talent er fördert. Er ist ein Mensch der mit ganz viel Kraft und Energie gesegnet ist, der ohne Arbeit wahrscheinlich gar nicht existieren könnte, dennoch keine Hektik lebt, sondern ganz viel Ruhe ausstrahlt. Genauso wie seine liebe Frau.

Es sind kluge alte Menschen, die mit der Zeit gehen. Informiert und offen für Neues. Einfach positiv auf alles was auf sie zukommt. Leider hat auch seine Frau, die er liebevoll „Herzstück“ nennt, eine seltene Immunkrankheit für die es noch immer keine hilfreiche Behandlung gibt. „Herzstück“ ist 76 und trotz ihrem Leiden eine sehr charismatische schöne Frau geblieben.

Auf meine Frage ob bei ihnen auch alles in Ordnung sei, sagte er zu mir:Kum Negalein, sitz di her do zu mir …“, was mich ein wenig verwunderte, weil das Reden eigentlich immer seine Frau übernommen hatte. ›lach‹ „Herzstück kimmt erscht, es isch ihr no zu woarm, aber i erzähl dir was …“

„Meine Frau hat keine guten Monate hinter sich und die derzeitige Situation macht es für sie und natürlich auch für mich, nicht gerade leichter. Wir dürfen uns nix einfangen, sonst sind wir ganz schnell weg vom Fenster!“ (So seine tatsächlichen Worte) :D
„Die Krankenhausaufenthalte, waren wie ein russisches Roulette für sie! Ich bin zwar einiges älter, aber irgendwie doch noch robuster.“ „Woascht wos i moan?“ Und da blinzelte auch schon wieder der „Lausbub“ aus seinem Gesicht. :D

Weiter meinte er: „Deshalb habe ich nachgedacht und meine ganze Arbeit niedergelegt. Ich hab alle Pferde verkauft und mich um gute Plätze bemüht. Der Hof ist jetzt verpachtet, sodass ich meinem Herzstück nicht zusätzliche Sorgen aufhalse, sollte mit mir plötzlich was sein.“

Ich hab im Außen wie in meinem Inneren Aufgeräumt! Meine Tasche ist ordentlich sortiert und gepackt, sollte meine Zeit da sein. „Ma woasch jo nit!“, meinte er mit einem Lächeln auf den Lippen.

„Weißt du Negerlein, ab jetzt will ich jeden Moment genießen und das gemeinsam mit meinem Herzstück! Da sind wir uns beide ganz einig. Wir hatten bis vor kurzem ein sehr arbeitsames Leben. Ein gutes und schönes Leben, aber richtig Zeit zum Genießen, war nicht da. Ich hab halt immer geglaubt, ohne mich gehts nicht!

„Sicher hat mein Herz geblutet, als ich alle Tiere hergegeben habe und die anderen Sachen losgelassen hab, aber wenn ich ehrlich bin, es ist auch leichter auf meinen alten Schultern geworden. Und meiner Frau geht es dadurch auch viel besser! Ja Herzal“ – und da meinte er tatsächlich mich,  „so ist das Leben … so alt kann man gar nicht werden um nicht bis zum Schluss, alles geradezurücken. Die Taschen aufs Minimum ordentlich einpacken, sodass man jederzeit „abholbereit“ ist …“

„Das Leben meiner Frau und mir war ausgefüllt mit schönen Dingen. Aber was hilft es, wenn man sie nicht genießen kann, weil man zu viele davon erlebt und gar nicht schätzen und genießen kann? Weißt du was ich sagen will?“

JA, ich weiß genau was er mir damit sagen will …

Was danach von meiner Seite noch kam, war nicht sehr viel. Ich war erstaunt und gleichzeitig berührt von soviel Klarheit und den Mut, das loszulassen was man eigentlich über alles liebt! Ein paar Meter weiter auf meinem Platz angekommen, dachte ich über dieses nette „Pläuschchen“ nach. Irgendwie scheint sich bei mir alles gerade zusammenzufügen.

Beispiele und Gedanken. Ein Buch geschrieben von Bronnie Ware, 5 Dinge die Sterbende am meisten bereuen, handelt genau von diesen Themen. Hier geht es zwar nicht um sterbende (Gott sei Dank), aber es ist dieselbe Thematik, die das Buch beschreibt. Lebensaufgaben loslassen. Ballast abgeben.

Ich finde es wirklich erstaunlich und mutig, was die Beiden da auf die Beine gestellt und jetzt im hohen, kranken Alter wieder abgegeben haben. Und warum? Um die, viel zu lange zurückgestellten, Wünsche endlich gemeinsam zu erleben! Es stimmt mich nachdenklich und soll uns auch in Erinnerung rufen, worauf es tatsächlich im Leben ankommt, damit wir das Leben führen, was wir auch führen möchten.

Und da ist es wieder … das Gefühl der Freude und Dankbarkeit das mich seit kurzem so oft besucht! <3

Also mein Tag ist gerettet und vielleicht konnte ich Dir mit meinem kleinen Strand-Pläuschchen auch ein warmes Bauchgefühl vermitteln. Wie Du an diesem Beispiel auch sehen kannst, es ist NIE zu spät und man ist NIE zu alt um Dinge zu verändern und um Dinge freizulassen. :-)

Eine tolle Zeit für Dich.