Und was passiert, wenn wir endlich wieder anfangen, einander wirklich zuzuhören.
Ich mag diesen Satz: „Erzähl doch mal …“
Vorausgesetzt, er kommt ehrlich, neugierig und ohne Druck!
Für mich steckt in diesem kleinen Satz so viel Menschlichkeit. Er schafft Nähe, öffnet Türen und verbindet uns miteinander auf eine Weise, die heute etwas verloren gegangen ist. Und genau deshalb höre ich ihn auch viel zu selten.
Geschichten erzählen gehört zu unserem Menschsein – seit jeher. Früher saß man am Lagerfeuer, lauschte gespannt den Älteren und nahm jedes Wort wie ein kleines Geheimnis in sich auf. Oder man traf sich am Küchentisch, wo Jung und Alt über alles philosophierten: Gott, die Welt, das Leben, das Glück, den letzten Stadtklatsch. Es wurde gelacht, gestaunt, zugehört. Und aus diesen Gesprächen entstand etwas, das ich heute sehr vermisse: echte Verbundenheit. Wärme, Respekt und Wertschätzung.
Auch heute erzählen Menschen einander Geschichten – nur anders. Über Podcasts, Serien, Dokus, Social Media. Wir konsumieren viel mehr Erzählungen als früher, aber wir teilen weniger. Wir hören zu, aber wir hören einander kaum noch. Und das ist schade, denn nichts bringt uns so schnell zueinander wie eine echte, persönliche Erzählung aus dem Leben eines anderen. (Damit meine ich aber nicht Alltagsstress, Krankheitsverläufe oder das Wetter ).
Ich liebe Erzählungen, die etwas in mir bewegen. Die informieren, unterhalten, überraschen. Alles, was nach purem Alltag klingt, langweilt mich oft – nicht weil es unwichtig wäre, sondern weil ich spüre, wie viel tiefer wir eigentlich erzählen könnten, wenn wir wollten! Mich faszinieren Alltagsgeschichten, die zu Anekdoten werden. Kleine Begebenheiten, die zu inneren Reisen führen. Momente, die man fast wie eine moderne Heldenreise weitererzählt.
Und ich bin überzeugt: Etwas erzählen zu können, bedeutet auch, etwas erlebt zu haben.
Ich habe viel erlebt und dementsprechend viel zu erzählen. Und sollte mir eines Tages wirklich nichts mehr einfallen – dann weiß ich, dass ich dringend etwas in meinem Leben verändern muss. Dann wird es Zeit für Neues. Für Begegnungen. Für Abenteuer, die wieder eine Geschichte wert sind.
Erzählungen haben noch einen weiteren Effekt: Sie machen uns wacher. Wenn wir mit offenen Augen durch die Welt gehen, sammeln wir viel mehr kleine Momente ein, die uns inspirieren können. Wir entdecken Besonderes im scheinbar Banalen, speichern Szenen, Gefühle, Begegnungen – weil wir sie irgendwann teilen wollen. Und in diesem Teilen liegt so viel Kraft.
Vielleicht brauchen wir heute wieder mehr davon: mehr echte Gespräche, mehr Zuhören, mehr „Erzähl doch mal“. Denn jede Geschichte, die wir miteinander teilen, schafft Verbindung. Und in Zeiten, in denen so vieles unsicher wirkt, ist genau das ein Wert, den wir nicht verlieren sollten!
Mir wird bei diesem Thema bewusst, wie sehr persönliche Erzählungen uns prägen. Sie verbinden uns, sie erinnern uns, sie begleiten uns durchs Leben. Vielleicht sollten wir viel öfter innehalten und uns fragen, welche Geschichten wir selbst noch in uns tragen – und welche wir längst erzählen sollten. 🙂
Gibt es eine Erzählung aus früheren Zeiten, die dir bis heute nicht aus dem Kopf geht?
Eine Geschichte, die du vielleicht selbst immer wieder weitererzählst?
Dann erzähl sie uns … solche Momente bedeuten mir unglaublich viel.
Ich freue mich, von dir (hoffentlich) zu lesen, und wenn du magst – bis bald … 🙂



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