Seit über einem Jahr sitze ich wieder sehr regelmäßig auf meinem Therapiestuhl. Nicht, weil ich ein bisschen „reden möchte“, sondern weil ich wieder in eine depressive und angstvolle Phase gerutscht bin, aus der ich ohne Hilfe nicht mehr herausgekommen wäre. Und wie immer kam auch die begleiterscheinende Fibromyalgie wieder dazu, als hätte sie nur darauf gewartet, wieder aufzutauchen. Ich kenne all DAS seit mehr als fünfzehn Jahren – die Symptome, die Abstürze, die Muster. Ich weiß, was hilft, aber ich weiß auch, dass ich es nicht immer alleine schaffe. Genau deshalb nutze ich wieder dieses Angebot.

Mir ist wichtig zu sagen: Ich erzähle das bestimmt nicht, um Mitleid zu bekommen. Das brauche ich nicht. Ich erzähle es, weil es mein Leben ist. Weil das Schreiben für mich selbst eine Form der Verarbeitung ist. Und weil ich glaube, dass viele Menschen kämpfen – oft ganz alleine und selten darüber sprechen. Wenn ich meine Erfahrungen teile, dann immer aus meiner eigenen Sicht. Mit den Brüchen, Erfolgen, Zweifelstagen und den kaum spürbaren Momenten, in denen man merkt: Da geht wieder etwas! 🙂

WAS THERAPIE FÜR MICH BEDEUTET …

Therapie ist für viele ein schweres Wort. Für manche noch immer ein Tabu. Für andere ein unerreichbarer Schritt.
Für mich ist Therapie ein Raum, den ich nicht mehr missen möchte – ein sicherer Ort, an dem ich Belastungen sortiere, Muster erkenne, Strategien entwickle und meine inneren Kräfte wiederfinde, wenn sie im Alltag untergehen.

Und jedes Mal, wenn ich die Tür öffne, entweicht mir ein tiefer Seufzer. Und automatisch sage ich:
„Ich liebe diese Stunde. Das hier ist mein geschützter Platz.“
Hier darf ich alles aussprechen! Ganz ohne Bewertung, ohne Druck.
Für mich ist das Wellness – nur eben für die Seele.

Die Scham von früher

Als ich das erste Mal eine Therapie begann, fühlte es sich an, als würde ich eine rote Linie überschreiten. Die Vorurteile waren laut:
„Wer Therapie braucht, ist schwach.“
„Wer Hilfe annimmt, hat versagt.“
„Wer darüber spricht, macht sich lächerlich.“

Die Scham war riesig. Und natürlich redete man nicht darüber. Man wollte weder auffallen noch zugeben, dass man nicht so funktioniert, wie man glaubt, funktionieren zu müssen. Das Schweigen war der größere Fehler!

Interessant ist, wie unterschiedlich Generationen damit umgehen. Junge Menschen sprechen offen über Therapie. Sie sagen klar: „Ich brauche Unterstützung.“
Die Ü40-Generation schweigt lieber, lächelt tapfer und „schafft das schon“.
Ich komme aus dieser Generation – und genau deshalb möchte ich darüber reden.

Warum gehen Menschen überhaupt in Therapie?

Nicht jeder kämpft mit Depressionen oder Angst. Die Gründe sind so vielfältig wie wir selbst.

Manche erleben Einsamkeit, Krankheit, Tod oder eine Sinnkrise.
Andere ringen mit Beziehungen, Konflikten oder Selbstzweifeln.
Manche spüren einfach nur, dass ihnen der Boden unter den Füßen bröckelt und sie nicht mehr wissen, wo oben und unten ist.

Therapie ist kein Ort nur für „harte Fälle“.
Therapie ist ein Ort für Menschen, die spüren: Ich brauche jemanden, der ein Stück des Weges mit mir geht.
Der Weg ist nicht linear – und schon gar nicht schnell!

Damals dachte ich: Vier Sitzungen, dann ist alles wieder gut.
Das kostet mich heute einen Lacher. 🙂

Therapie ist absolut kein Schnellprogramm. Manche Sitzungen werfen einen zurück. Manche enttäuschen. Manche öffnen Türen zu Dingen, die man nie sehen wollte. Und manche sind so klärend, dass man das Gefühl bekommt, endlich wieder Luft zu bekommen!
Themen brauchen Zeit. Manche lösen sich schnell, andere kleben wie Kaugummi. Immer da, immer präsent.
Bei mir hat sich auch in der Therapie einiges verändert: Für einige Veränderungen braucht es innere Reife.

Vor fünfzehn Jahren stand mein eigenes ICH stark im Mittelpunkt. Heute erkenne ich die Ganzheit. Die Bedeutung meiner Erfahrungen. Die Stabilität, die daraus entsteht. Ich reagiere anders, verstehe mehr, halte mehr aus.
Das ist Entwicklung und es ist Wachstum.

Was macht ein guter Therapeut wirklich?

Ein Therapeut ist kein Heiler. Ein Therapeut ist ein Begleiter.

Er holt Verdrängtes behutsam zurück ins Bewusstsein.
Hält den Schmerz gemeinsam mit einem aus.
Sortiert mit, aber übernimmt nicht.
Und – ganz wichtig – stärkt die eigene Autonomie, statt neue Abhängigkeiten zu schaffen!
Die wahre Heilung? Für die sind wir SELBST zuständig.

Warum ich gerne offen darüber spreche?

Wenn ich über Therapie schreibe, dann nicht, weil es so ein leichtes, wohltuendes Thema ist – sondern weil ich es für notwendig halte.
Es gibt so viele, die still leiden und denken, sie müssten alles alleine schaffen!
Müssen sie nicht. Niemand muss das.
Und das ist die wichtigste Erkenntnis nach all den vielen Jahren Therapiezeit.

Veränderung beginnt nicht in der Sitzung. Veränderung beginnt in dem Moment, in dem wir sagen: „Ich brauche Unterstützung.“ Und wir uns erlauben, sie anzunehmen.

Puh, ziemlich lang geworden. Aber manche Themen brauchen eben ihren Platz. 🙂
Falls du Fragen haben solltest – ich bin da.
Schöne Zeit wünsche ich DIR!

Xo Sandra

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