Wenn Worte nichts mehr wert sind …

Inspiration, Persönliches

Manchmal habe ich das Gefühl, Worte sind heute schneller da als die Bereitschaft, sie auch zu leben!
Es wird viel gesagt, viel versprochen, viel angedeutet – und im ersten Moment klingt das oft gut und interessant. Offen. Verbindlich. Nah. Doch gehalten wird davon erstaunlich wenig. Und irgendwann merkt man: Man hört genauer hin. Und lässt nicht mehr alles so nah heran.

Besonders auffällig ist es bei neuen Begegnungen. Menschen, die man kennenlernt, die neugierig wirken, interessiert, präsent. Man öffnet sich ein Stück – was für mich ohnehin Zeit braucht – und freut sich über dieses frische Gefühl von Austausch. Über Gespräche, die Tiefe versprechen. Über Worte, die Nähe andeuten. Und dann verblasst alles. Es fühlt sich wie das „Ausschleichen“ eines Medikamentes an. Nachrichten bleiben unbeantwortet. Versprochenes wird vergessen. Interesse löst sich auf. Als wäre nichts gewesen.

Ich frage mich oft, wie schnell wir heute Dinge sagen. Große Begriffe benutzen. Nähe benennen, ohne sie wirklich zu meinen. Freundschaft erwähnen, ohne zu wissen, was sie eigentlich braucht. Wenn jemand sehr früh von Freundschaft spricht, werde ich inzwischen vorsichtig. Nicht aus Zynismus, sondern aus Erfahrung. Das Wort wird irgendwie missbraucht. Freundschaft, Verbindung entsteht NICHT aus schönen Sätzen oder spontanen Bekenntnissen. Sie wächst aus Verlässlichkeit. Aus Präsenz. Aus dem, was bleibt, wenn der erste Enthusiasmus vorbei ist.

Was mich daran müde macht, ist nicht die Enttäuschung an sich. Enttäuschungen gehören zum Leben. Es ist diese Oberflächlichkeit, die sich eingeschlichen hat. Dieses schnelle Versprechen ohne Substanz. Dieses „Ich freu mich so“, dem keine Handlung folgt! Dieses Interesse, das groß klingt und klein endet. Wie kategorisiert man solche Menschen? Wahrscheinlich gar nicht. Man nimmt zur Kenntnis, was da ist – oder eben nicht.

Handschlagqualität ist selten geworden. Privat wie beruflich. Worte haben ihr Gewicht verloren, weil sie nichts mehr kosten. Man kann sie leicht sagen. Man kann sie ebenso leicht zurücknehmen. Oder vergessen. Und ja, vielleicht hat das auch mit unserer Zeit zu tun. Mit Geschwindigkeit. Mit der Art, wie wir kommunizieren. Mit dem ständigen Online-Sein und dem gleichzeitigen Nicht-ganz-da-Sein.

Ich weiß nicht, ob es am Älterwerden liegt. An der eigenen Reife. An klareren Grenzen. Vielleicht auch daran, dass man mit den Jahren besser spürt, was einem guttut – und was nicht. Fakt ist: Das Zusammensein mit anderen ist für mich anspruchsvoller geworden. Nicht schwieriger, aber bewusster. Ich mag Menschen um mich, die bereichern. Die ehrlich sind. Die sagen, was sie meinen – und es auch leben. Keine Plauderer. Keine Nähe auf Probe.

Gleichzeitig erschöpft mich diese Entwicklung. Sie macht mich vorsichtiger. Und oft auch traurig. Nicht, weil ich Menschen grundsätzlich misstraue, sondern weil ich merke, wie sehr Verbindlichkeit fehlt. Wie schnell wir weiterziehen. Wie wenig wir bereit sind, etwas zu halten, wenn es nicht sofort leicht bleibt.

Vielleicht passiert mit der Welt gerade etwas Spektakuläres. Vielleicht verschiebt sich etwas im Kleinen. In der Art, wie wir miteinander umgehen. Wie wir Worte benutzen. Wie ernst wir sie nehmen. Und bestimmt ist meine Reaktion darauf keine Härte, sondern eine Entscheidung. Für Klarheit. Für weniger, aber Echtes. Für Beziehungen, die nicht von großen Worten leben, sondern von dem, was zwischen ihnen tatsächlich geschieht.

Ich habe mir angeeignet, nicht mehr jedes Wort gleich zu glauben. Ich lese die stillen Zeilen und Zeichen dazwischen. Versuche, sie zu erkennen. Die Antworten. Die Taten. Und ich ziehe meine Schlüsse. Es gibt „Konsequenzen“, die keinen Spielraum mehr lassen. Und genau dort entsteht für mich Nähe. Langsam, nicht zu schnell und auch seltener. Aber wahr!

Frage an dich:
Was zählt für dich mehr: Worte oder das, was ihnen folgt?

Xo Sandra

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