Ich meide Arztbesuche inzwischen, wann immer es nur geht. Krankenhäuser, Ambulanzen alles, was nach Desinfektionsmittel riecht, oder wo Neonlicht und lange Gänge mich erwarten. Es löst in mir kein gutes oder sicheres Gefühl mehr aus. Es ist nicht aus Angst vor Ärzten, sondern vor dieser besonderen Stimmung, die immer in der Luft liegt.
Manchmal lässt sich ein Besuch dennoch nicht vermeiden. So war es auch diesmal. Während ich wartete, passierte etwas, das ich von mir recht gut kenne: Ich begann die Menschen um mich herum zu beobachten! Nicht neugierig – sondern mit dem Herzen. Ich fragte mich, welche Geschichte die Frau gegenüber wohl mitgebracht hatte. Wovor der ältere Mann Angst haben mochte. Worauf die junge Mutter hoffte. Und plötzlich wurde aus einem gewöhnlichen Wartezimmer ein Ort voller unsichtbarer Geschichten …
WARTEBEREICH UND ANMELDUNG …
Ich sitze im Wartebereich eines Krankenhauses. In meiner Hand halte ich einen kleinen Zettel. Darauf steht kein Name. Nur eine Zahl die ich ziehen musste. Die Zahl 18. So beginnt für viele Menschen der Weg durch unser Gesundheitssystem.
Ich schaue mich genauer um. Eine ältere Dame stützt sich mühsam auf ihren Rollator und blickt immer wieder zur Anzeigetafel. Ein Mann hält einen abgegriffenen Ordner auf dem Schoß, als wäre er längst Stammgast zwischen Wartezimmern und Untersuchungen geworden. Eine junge Mutter telefoniert flüsternd. Die Frau gegenüber sieht im Sekunden Takt auf ihre Uhr. Sie wirkt nervös und genervt zugleich.
Wir sitzen nebeneinander und doch ist jeder von uns allein.
Jeder trägt etwas mit sich, das niemand sehen kann. Sorgen. Angst. Schmerzen. Hoffnungen. Seine eigenen Geschichten eben.
Nach außen sind wir alle nur „NUMMERN“, die darauf warten, aufgerufen zu werden.
Zwischen automatischen Türen, künstlichem Licht und dem gleichmäßigen Piepen der Geräte verliert man leicht das Gefühl, als Mensch wahrgenommen zu werden. Alles funktioniert. Schnell. Strukturiert. Effizient. Automatisch. Und trotzdem fehlt etwas!
Dann erscheint meine Nummer auf dem Bildschirm. Keine freundliche Stimme. Kein beruhigendes Augenpaar das mich empfängt – nur ein nüchternes „die 18 Tür 2″.
In diesem Moment frage ich mich, wie oft Menschen genau hier sitzen und sich nicht nur krank fühlen, sondern auch unsichtbar?
Ob jemand weiß, dass hinter jeder Nummer ein Leben steht?
Ein Mensch, der seit Tagen schmerzen hat?
Eine Frau, die Angst vor der Diagnose hat?
Ein Mann, der stark wirkt und innerlich zusammenbricht.
Eine Mutter, die hofft, bald wieder gesund für ihre Kinder da zu sein.
Wir alle tragen so einiges mit uns herum natürlich. Aber es wird nicht besser, wenn wir nur noch eine „Nummer“ im System sind die zählt.
Datenschutz hin oder her.Ich weiß, dass unser Gesundheitssystem unter Druck steht. Ich weiß, dass Zeit fehlt und Abläufe funktionieren müssen.
Aber ehrlich? Wo bleibt der Mensch hinter der Nummer?
Dieser Text soll nicht unbedingt ein Vorwurf sein – mehr eine Erinnerung!
Denn Heilung beginnt nicht erst mit einer Untersuchung oder Medikamenten.
Sie beginnt schon viel früher. Mit einem Blick, der sagt: Ich sehe Sie. Mit einem Namen und einen freundlichen Lächeln.
Mit einer Stimme, die nicht nur eine Nummer aufruft, sondern einen Menschen willkommen heißt.
Jeder wünscht sich Kompetenz. Aber auch Menschlichkeit und Freundlichkeit!
Denn am Ende erinnern wir uns nicht daran, welche Nummer wir gezogen haben.
Wir erinnern uns daran, wie man uns behandelt hat. 🙂
Danke das du mit mir „gewartet“ hast!
Wenn du dazu etwas loswerden möchtest – ich freue mich darauf in den Kommentaren von dir zu lesen.
Ich wünsche dir eine gesunde Zeit und ganz viel Freundlichkeit, die dich umgibt. 🙂



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