Wenn Gedanken gesehen werden möchten
Ein Gedanke ist mir heute hartnäckig hängen geblieben. Wahrscheinlich, weil ich selbst immer wieder an diesen Punkt komme: Ich wünsche mir etwas von einem Menschen. Eine Reaktion, ein Gespräch, Interesse, Nähe, Verständnis oder einfach das Gefühl, dass jemand merkt, was gerade guttun würde. Und mit diesem Wunsch kommt die Hoffnung. Oft ziemlich „laut“.
Aber dann kommt nichts. Oder etwas anderes als das, was ich gebraucht hätte.
Hoffnung und Enttäuschung gleichzeitig macht sich dann breit.
Ich glaube, genau deshalb wollte ich darüber schreiben. Weil ich diese Mischung aus Hoffnung und Enttäuschung gut kenne. Man hofft, obwohl man sich vorgenommen hat, nichts zu erwarten. Man wartet auf eine Reaktion, obwohl man weiß, dass Menschen unterschiedlich sind. Und wenn sie ausbleibt, trifft es einen trotzdem.
Bei all dem, vergesse ich – vielleicht auch du, schnell etwas Wesentliches: Nicht jeder Mensch kann uns wahrscheinlich das geben, was wir gerade brauchen!
Wenn wir Verhalten persönlich nehmen
Das klingt im ersten Moment nüchtern. Für mich steckt darin aber eine Erkenntnis, die vieles verändern kann. Denn wir verbinden das Verhalten anderer sehr schnell mit unserem eigenen Wert oder mit der Bedeutung, die wir für diesen Menschen haben. Wenn jemand nicht nachfragt, scheint es, als würde es ihn NICHT interessieren. Wenn Nähe fehlt, fühlen wir uns NICHT wichtig genug. Wenn wir Trost suchen und stattdessen einen gut gemeinten Ratschlag bekommen, fühlen wir uns NICHT verstanden.
Dabei muss das eine mit dem anderen gar nicht immer zusammenhängen.
Was Menschen geben können – und was nicht
Menschen geben das, was ihnen selbst möglich ist. Der eine kann wunderbar zuhören, findet aber keine passenden Worte. Ein anderer findet die richtigen Worte und kann trotzdem keine wirkliche Nähe zulassen. Manche Menschen zeigen Zuneigung durch Taten, andere durch Aufmerksamkeit oder Berührung. Und manches, wonach wir uns sehnen, gehört schlicht nicht zu dem, was unser Gegenüber geben kann.
Das Schwierige daran ist: Unser Bedürfnis verschwindet dadurch nicht!
Verstehen ersetzt kein Bedürfnis
Nur weil ich verstehe, warum jemand mir etwas nicht geben kann, brauche ich es nicht plötzlich weniger. Verständnis ersetzt keine Nähe. Eine Erklärung ersetzt kein Gespräch. Und die Erkenntnis, dass jemand eben „so ist“, füllt nicht automatisch die Stelle, an der mir etwas fehlt!
Genau da treffen Hoffnung und Realität aufeinander. Das innere „Diesmal vielleicht“.
Ich kenne dieses innere „Diesmal kommt es bestimmt“. Diesmal merkt es jemand von selbst. Diesmal fragt jemand nach. Diesmal wird die Reaktion eine andere sein. Und ich kenne auch den Moment danach, wenn ich merke: NEIN. Wieder nicht.
Menschen sehen, wie sie wirklich sind
Ein Teil des Erwachsenwerdens liegt auch darin, Menschen irgendwann dort zu sehen, wo sie tatsächlich stehen – und nicht dort, wo wir sie so gerne hätten.
Nicht aus Härte. Nicht, um weniger zu fühlen oder nichts mehr zu erwarten. Sondern um genauer hinzusehen: Was kann dieser Mensch mir geben? Was kann er nicht? Und was davon brauche ich wirklich?
Nicht jeder muss alles sein. Denn auch das gehört dazu: Nicht jeder Mensch muss alles für uns sein.
Es gibt Menschen, mit denen wir lachen können, aber keine tiefen Gespräche führen. Menschen, die sofort da sind, wenn etwas zu tun ist, aber mit Gefühlen wenig anfangen können. Menschen, die uns sehr nahestehen und trotzdem einen Teil von uns nie ganz erreichen.
Wenn sich Muster wiederholen
Schwierig wird es glaube ich dort, wo wir immer wieder an derselben Stelle hoffen und immer wieder an derselben Stelle enttäuscht werden!
Dann lohnt es sich, nicht nur auf den anderen zu schauen, sondern auch auf die eigene Hoffnung. Warum erwarte ich genau von diesem Menschen etwas, das er mir bisher kaum geben konnte? Und warum halte ich trotzdem daran fest, dass es beim nächsten Mal anders sein wird?
Diese Fragen sind unangenehm. Aber sie können etwas beenden, das unglaublich viel Kraft kostet: nämlich das ständige Warten und aushalten.
Verantwortung für sich selbst übernehmen
Darin liegt der nächste Schritt: nicht länger darauf zu warten, dass ein Mensch sich verändert, sondern ehrlich hinzusehen, wo ich/du/wir mir selbst oder an anderer Stelle das geben kann, was mir fehlt. Nicht als Ersatz, sondern als Verantwortung für mich/uns selbst. Denn am Ende geht es nicht nur darum, wer mir etwas geben kann – sondern auch darum, dass ich mir erlaube, das, was ich brauche, sehr ernst zu nehmen.
Pass gut auf dich auf und bis bald …



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