In letzter Zeit ertappe ich mich oft dabei, wie ich Gespräche beobachte. Nicht den Inhalt – sondern das, was dazwischen geschieht. Wer wirklich zuhört. Wer nur wartet, bis er wieder sprechen darf. Und wer gedanklich längst abgebogen ist. Genau deshalb rückt dieses Thema erneut in meinen Fokus: Echtes Zuhören ist selten geworden. Und gleichzeitig stärker als jedes gut gemeinte Wort.
Die Welt ist laut geworden. Und manchmal habe ich das Gefühl, sie dreht jeden Tag ein Stück schneller. Zwischen Terminen, Nachrichten, Erwartungen und dieser chronischen Eile geht etwas verloren, das uns eigentlich miteinander verbindet: das Zuhören. Wirkliches Zuhören. Nicht das höfliche Nicken, während der Kopf schon im Supermarkt hängt.
Ich meine das Herz-Zuhören.
Das, was man spürt.
Vielleicht liegt es daran, dass ZEIT zu einer Art Luxusartikel geworden ist. Ich glaube, wir haben verlernt, mit echter Aufmerksamkeit bei einem Menschen zu bleiben! Oft scheuen wir uns davor, uns wirklich auf jemanden einzulassen. Ich weiß es nicht? Ich weiß nur: Zuhören kann sich wie Liebe anfühlen. Und es kann Türen öffnen, die kein Rat und keine schnelle Lösung jemals aufbekommen hätten!
Ich erlebe das oft in meinem eigenen Umfeld. Menschen erzählen, springen von der Gegenwart in die Vergangenheit, verlieren sich in Details, wiederholen Geschichten, verheddern sich und holen erneut aus.
Manchmal fühlt sich das an wie ein verbaler Marathon – und ja, es ist verdammt anstrengend für mich.
Aber genau darin liegt die Kunst: dranzubleiben.
Nicht, weil man muss, sondern weil man dem Menschen gegenüber damit sagt:
Ich bin da. Wirklich da.
Die Formulierung „Ich bin ganz Ohr“ hat für mich eine ganz besondere Bedeutung.
Sie klingt leicht, freundlich, fast flapsig – aber eigentlich steckt da etwas Großes drin.
Wenn ich ganz Ohr bin, bin ich nicht nebenbei noch in zehn anderen Gedanken.
Dann sammelt sich mein Sein in diesem Moment, in diesem Gespräch, in diesem Ohr!
Und das spürt man. Das verändert Gespräche. Und manchmal sogar Beziehungen.
Ich sehe es oft: Menschen blühen auf, wenn sie gehört werden.
Wenn jemand ihre Worte trägt, statt sie abzuwerten.
Wenn jemand sich an frühere Erzählungen erinnert und nachfragt.
Wenn jemand nicht sofort mit Lösungen um die Ecke kommt, sondern mit Präsenz.
Eine meiner Freundinnen zum Beispiel beginnt jedes unserer Treffen mit einer sehr lebhaften Zusammenfassung ihres Alltags – und JA, das ist jedes Mal wieder eine eigene Form von „Drama-Comedy“. Sie springt, erzählt, ärgert sich, lacht und schüttelt den Kopf. Und ich sitze da, höre zu und sage innerlich manchmal: „Puh, Zuhören kann sooo anstrengend sein.“
Aber ich tue es trotzdem.
Weil sie mir wichtig ist.
Weil ich ihr zeigen will, dass ich sie sehe.
Weil man Menschen nicht immer mit Ratschlägen hilft – aber fast immer mit „Raum“ schenken!
Es ist genau das, was wir heute mehr denn je brauchen:
Nicht noch mehr Informationen.
Nicht noch mehr kluge Sätze.
Sondern Präsenz.
Ein offenes Ohr.
Ein offenes Herz.
Manchmal frage ich mich, wie viele Konflikte, Missverständnisse und stille Verletzungen sich auflösen würden, wenn wir uns öfter wirklich zuhören würden. Einfach um zu verstehen! Vielleicht ist echtes Zuhören am Ende nichts anderes als eine Form von Zärtlichkeit – eine, die uns nicht mit den Händen berührt und doch alles in uns bewegen kann. 🙂
Danke, dass DU mir jetzt zugehört hast!
Auf bald …



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