Gesprochene "Misshandlungen"
Lesezeit: 4 Minuten

Wenn Menschen eine andere Person mit Worten demütigen, bloßstellen, sich über diesen Menschen lächerlich machen und mit Worten demütigen … dann spricht man von verbaler Gewalt. Oder so wie ich es sehe und auch nenne – dieser Mensch benutzt seine Sprache und Ausdrucksform um andere damit zu misshandeln. 

Warum schreibe ich heute darüber?

Es ist einfach ein präsentes Thema. Das war es auch schon immer, nur wurde es meist hinter vorgehaltener Hand diskutiert. Stattgefunden haben solche „Misshandlungen“ meistens hinter verschlossenen Türen. Ging man raus, … war alles wunderbar normal.

Was mich immer mehr schockiert ist, heute ist man nicht mehr so peinlich berührt, wenn man Menschen, Paare, Eltern mit Kindern oder auch fremde Menschen dabei zuhören, wie sie miteinander umgehen! Es scheint normal geworden zu sein. Wenn ich Zeugin solcher Kommunikation werde, macht sich als Erstes mein „Fremdschämen“ bemerkbar, gefolgt von unfassbarer Traurigkeit. Hier ein zynischer Spruch, da ein böses Wort. Menschen, die sich nicht mal wirklich kennen, haben keine Hemmungen mit Worten zu verletzen!

Viele Frauen leiden in ihren Beziehungen darunter

„Du bist einfach zu blöd, um zu kapieren, was ich sagen will!“ oder „Kannst du einmal was richtig machen …?“
Es sind die harmlosesten Sätze, die ich hier verwendet habe, aber laute Worte begleitet von bösen abwertenden Blicken und Ignoranz, sind das, was ich in einer meiner Beziehungen, aber auch in der Kindheit gehört habe. „Natürlich“ hinter verschlossenen Türen.

Wenn es sich um den eigenen Partner handelt, sind diese Momente und Situationen besonders schmerzhaft. Gerade Frauen werden in Beziehungen Opfer sprachlicher Misshandlungen. Meist wird das Ganze durch ein passiv-aggressives Verhalten begleitet. Für viele mag das harmlos wirken, aber für Betroffene ist es alles andere als das!

Sprachliche Grausamkeit richtet emotional großen Schaden an

Verbale Verletzungen dieser Art finden wir überall:

  • Im Beruf unter den Kollegen.
  • Zwischen Eltern und Kindern
  • Leider auch in der Pflege!
  • Und natürlich in der Beziehung.

Als es mich selbst betraf, speziell in der Phase, in der ich in einer ungesunden Beziehung mit einem Narzissten stand, fragte ich mich oft, ob ich nicht zu empfindlich reagiere – schließlich gibt es in jeder Beziehung Konflikte! Es tat ihm ja auch hinterher immer leid und wir versöhnten uns wieder. Also kein Problem … dachte ich! Sehr schnell wurde mir aber klar das all diese verbalen Verletzungen zu seinem „Spiel“ gehörten!

Zum Problem wird es generell, wenn all das zum Normalzustand wird. Kein Tag ohne Beleidigungen. Kritik an Aussehen, das Arbeiten an sich und die Art wie wir denken. Das endlose Vorhalten geschehener Fehler, die jeder Mensch im Laufe seines Lebens mal macht, und die Demütigungen vor anderen! Wenn das so ist, ist das der Beweis sprachlicher „Misshandlungen“.

Wenn ein Mensch den Partner, Elternteil oder im Beruf andere Menschen, ganz bewusst mit Worten erniedrigt, verletzt und klein macht, wäre es an der Zeit die Leinen zu cutten. In meinen Gesprächen mit betroffene Frauen, höre ich immer wieder, dass der Lebenspartner in der Öffentlichkeit völlig normal, offen und kommunikativ charmant auftrat. Kein Mensch hielt es für möglich, was sich in den eigenen viel Wänden abspielte!

Das macht es besonders schwer sich jemanden anzuvertrauen

Ich selbst hatte immer die Angst, dass mir niemand glauben wird, würde ich mich jemandem anvertrauen. Männer oder Menschen allgemein, die solch ein Verhalten in sich tragen, verharmlosen im Allgemeinen ihre verbalen Verletzungen! Aussagen wie: „Hey, das hast du total falsch aufgefasst, dass hab´ ich doch nicht so gemeint … du machst aus allem einen Elefanten u.s.w. …“

Oftmals ist dann auch für kurze Zeit Pause. Bis zur nächsten Beschimpfung und Demütigung. Ich habe es als reinsten Psychoterror erlebt, der mich ganz klein gemacht hat. Die ständige Angst vor dem was als Nächstes kommen wird!

Die Frage: Warum tut man das?

Wenn der Partner sich so verhält, tut er das meistens, um sich selbst aufzuwerten. Es gibt aber auch noch eine andere Form von psychischer Gewalt. Das habe ich nicht nur in einer Beziehung, sondern auch in der Kindheit erfahren. Man hat etwas getan, was dem Partner oder den Eltern nicht gefallen hat und die Strafe dafür ist absolutes Schweigen! Die Kommunikation wird einfach verweigert. Damit ist keine konstruktive Kommunikation mehr möglich.

Ich könnte auch sagen: Partner oder Eltern lassen einen am ausgestreckten Arm „verhungern“.

Aber zu meiner Frage zurück: warum verhalten sich Menschen so, die wir lieben?

Ich habe mich viele Jahre damit auseinandergesetzt. Ich habe sehr viel darüber gelesen, mit anderen Betroffenen gesprochen und diese Frage auch an kompetente Psychologen gestellt. Mit uns selbst, hat es in den wenigsten Fällen zu tun. Uns trifft keine Schuld.

Bei diesen Menschen steckt ein schwaches Selbstwertgefühl dahinter. Oft waren diese Menschen auch selbst Opfer von verbalem „Missbrauch“. Sie haben nie gelernt Konflikte auf normale Art auszutragen.

Psychischer Missbrauch zerstört das Selbstwert- und Bewusstsein Schritt für Schritt

Wenn du unter verbalem Missbrauch leidest, fühlst du dich abgeschnitten von deinen Gefühlen. Dein Partner ersetzt dein Selbstbild durch sein negatives Fremdbild. Das bedeutet irgendwann glauben wir all das, was uns vorgeworfen wird. Wir beginnen an unseren Fähigkeiten zu zweifeln. Wir fühlen uns klein und wertlos. Das Resultat ist Rückzug.

Öffentlich wird dieses Thema selten diskutiert und dieses Thema wird leider immer noch unterschätzt, auch wenn es langsam besser wird! Wichtig ist es dieses gesellschaftliche Tabu zu durchbrechen! Sprich darüber, teile Deine Erfahrungen!

Und ganz wichtig ist es sich zu sagen: Es ist nicht unsere Schuld! Kein Mensch hat das Recht, seine Wut und Frustration an uns auszulassen! In einer zwischenmenschlichen Beziehung sollte Mann und Frau sich liebevoll begegnen. <3
Alles andere ist KEINE Beziehung.

Ich habe mich lange Zeit dafür geschämt, was passiert ist. Ich habe nach Ausreden gesucht und habe diese Menschen auch noch in Schutz genommen. Ein Fehler, den ich bis heute bereue. Schämen sollten sich die Menschen, die mit Worten verletzten, demütigen und Seelen brechen.

Mein Fazit:

Niemand muss in einer unglücklichen Beziehung bleiben. In einer Beziehung in der Worte wie Giftpfeile benutzt werden.
Kein Mensch muss sich verbaler Gewalt hingeben.

Vielleicht kann mein Artikel dazu beigetragen, die Augen nicht mehr zu verschließen, sondern weit zu öffnen.

Ich wünsche Dir nichts von all dem. Pass gut auf Dich auf.

Xo Sandra

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