Laut gedacht – Über später

Persönliches

Gleich zu Beginn: Ich habe mich NICHT aus philosophischer Neugier mit diesem Thema beschäftigt.
Es hat mich erwischt, wie schon ewig nicht mehr. Ich lag mit einer Lungenentzündung flach.
Kaum wieder halbwegs auf den Beinen, kam schon die nächste Herausforderung.
Es war viel – zu viel auf einmal – und es hat Substanz gekostet! In solchen Momenten denkt man anders.
Nicht weiter. Sondern wesentlich tiefer!
Wenn der Körper an seine Grenzen stößt und der Kopf nicht mehr „elegant“ ausweichen kann, tauchen Gedanken auf, die sonst kaum Platz bekommen.

Gedanken über Abhängigkeit.
Über Hilfe.
Über später.

Und plötzlich geht es nicht mehr um Urlaubsziele oder Jahrespläne,
sondern um Fragen, die man sich selten erlaubt, solange alles funktioniert.

WER ist da, wenn ich es alleine nicht schaffe?
WAS passiert, wenn stark sein keine Option ist?
Und WIE fühlt sich das an, wenn man merkt, dass Unabhängigkeit kein Selbstläufer ist?

Ich möchte euch heute in diese meine Gedanken mit eintauchen lassen.
Es sind keine angenehmen Gedanken, geb ich zu. Aber sie sind ehrlich und sehr bewusst.
Und weil sie genauso zum Leben gehören wie die Frage, wohin im Urlaub diesen Sommer.

Mir fällt auf, dass ich in letzter Zeit oft an SPÄTER denke.
Es passiert einfach.

An Tage, an denen mein Körper mehr Aufmerksamkeit braucht, als mir lieb ist.
An Zeiten, in denen Hilfe kein Ausnahmezustand mehr ist, sondern Alltag.
Und daran, wie sich das anfühlen könnte.

Wer dann da sein wird.
WER bleibt, wenn es nicht nur um ein paar Wochen geht?
Wenn Stärke keine Phase ist, sondern die Vergangenheit?

Es sind Gedanken, die mir keine Panik bereiten, sondern mich eher still und nachdenklich dasitzen lassen.
Und vorsichtig, eventuell und manchmal einsam? Obwohl sich niemand „verabschiedet“ hat.

Es ist eine seltsame Art von Verlassensangst.
Nicht bezogen auf einen Menschen, sondern auf eine Richtung.
Auf alle Möglichkeiten und auf das Gefühl, irgendwann zu anstrengend und unbequem zu sein.

Dabei denke ich an meine Kinder. An ihre „Liebe“ zu mir – stelle ich sie infrage? NEIN. Oder doch?
Ich denke an ihr Leben. An das, was sie alles aufbauen, auf die Beine stellen. Die Sorgen, die auch sie begleiten.
Auch an das, was sie vielleicht nicht tragen können – wollen und müssen!

Ich frage mich, wie viel Platz ICH dann darin haben werde, wenn ich nicht mehr so funktioniere.
Wenn ich nicht mehr die bin, die organisiert, auffängt, da sein kann und stark genug ist.

Und ganz ehrlich:
Ich möchte nie als Mutter erleben müssen, dass meine Anwesenheit zur Belastung wird!
Fürsorge sich wie Pflicht anfühlt oder Zusammensein wie ein lästiger Punkt am Tagesplan.

Das ist kein Vorwurf! Es ist eine Angst. Eine, über die man selten spricht – weil Mütter stark sein sollen.
Und immer dankbar.
Und still.

Ich frage mich, warum diese Gedanken gerade jetzt kommen? Weil die Gesundheit öfter „hinkt“?
Ob es das Alter ist? Oder einfach der Punkt im Leben, an dem man merkt, dass Zeit nicht nur vor einem liegt?

Und ja – ich denke auch an das Ende. 🙂
Keinesfalls düster oder dramatisch in diesem Fall. Sondern sehr nüchtern … beinahe sachlich.
Wie es sein wird, wenn die Zeit abgelaufen ist.
Ob man dann bereit ist oder einfach müde.

Schon klar, dass man solche Gedanken gern wegschiebt.
„Denk doch nicht über so etwas nach!“
„Leb im Jetzt und genieße die Momente …“

Aber was soll ich tun, mein JETZT denkt eben manchmal weiter. 🙂

Nicht aus Pessimismus, sondern aus dem Wunsch nach Sicherheit, Würde & Verbundenheit.
Ich habe auf all das keine Antworten und ich mag diese Fragen nicht verdrängen.
Weil sie etwas über mich erzählen. Über meine Bedürfnisse. Über die „Angst“, irgendwann so anzukommen, wie es in meinen eigenen Reihen passiert ist.
Alleine im Alter und in der Krankheit stark zu sein.

Das ist kein großes Erzählen.
Das ist Wachheit! Ich lasse diese Gedanken so stehen.
Ein/mein ehrlicher Blick nach vorne.

LAUT gedacht … über SPÄTER …

Xo Sandra

Jetzt bist Du gefragt!

Hast Du Anregungen, Ergänzungen oder weitere Tipps für mich und andere Leserinnen? Dann freue ich mich auf Deinen Kommentar.

Ich möchte mit FrauenPunk viele Frauen erreichen und freue mich wenn Du diesen Artikel teilst und weiterempfiehlst. Ich bin Dir für jede Unterstützung dankbar!

Teile diesen Artikel mit Deinen Freundinnen …

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert