Es gibt Beziehungen, die von Anfang an etwas Unruhiges in sich tragen. Und je wacher wir durchs Leben gehen, desto deutlicher spüren wir das. Gerade wir Frauen, die das Leben schon ein paar Ebenen tiefer gespürt haben, merken schnell, wenn eine Verbindung zwar voller Gefühl ist, aber keinen echten Boden hat!
Der Grund ist nicht, dass wir zu viel verlangen würden. Sondern, weil wir inzwischen wissen, wie Vertrauen sich anfühlt – und wie es sich anfühlt, wenn es fehlt. Wir wissen, wie man sich in einer Beziehung verlieren kann. Und wir wissen, wie wertvoll es ist, das kein zweites Mal zuzulassen!
Es ist diese Mischung aus Sehnsucht und Klarheit, die Beziehungen in einem späteren Lebensabschnitt komplexer macht. Einerseits der Wunsch, sich wieder fallen lassen zu dürfen. Andererseits die Erkenntnis, dass man nicht mehr bereit ist, sich für eine Liebe zu verraten. Früher hat man vieles ausgehalten, weil man dachte, dass Liebe nun mal so funktioniert. Heute spüren wir viel schneller, wenn etwas nicht stimmt – und das ist kein Verlust, sondern Reife.
Manchmal stimmt die Chemie, aber nicht die Basis.
Manchmal passen zwei Herzen zusammen, aber ihre Geschichten nicht.
Und manchmal sind die Gefühle groß, aber der Mensch an unserer Seite ist kein Ort, an dem wir uns sicher fühlen.
Das ist der Punkt, an dem Beziehungen „nicht nach Zuhause klingen“. Kein innerer Anker, kein Boden, kein Raum, in dem man atmen kann. Man ist zwar nicht allein, aber man fühlt sich nicht gehalten. Man hat jemanden neben sich, aber keinen, der wirklich zu einem gehört. Und diese Form von Nähe ist anstrengender als jedes Alleinsein.
Wir sagen uns dann: „Es müsste doch reichen, wenn wir uns lieben.“
Aber das tut es nicht.
Liebe allein trägt keine Beziehung.
Sicherheit schon.
Verlässlichkeit auch.
Vertrauen sowieso.
Ein Gegenüber, das nicht wegläuft, wenn es schwierig wird!
Ein Mensch, der nicht nur Gefühle hat, sondern Verantwortung übernimmt – für sich und für das, was zwischen einem entsteht.
Und genau da trennt sich die Spreu vom Weizen.
Denn viele wollen geliebt werden – aber nicht alle wollen halten.
Besonders wir Frauen, die das Leben schon ernsthaft kennengelernt haben, spüren sofort, wenn jemand emotional „halb“ ist. Wir erkennen Vorsicht, Unklarheit, Unverfügbarkeit. Und wir spüren, wenn wir zu viel geben müssen, um diese Beziehung irgendwie am Laufen zu halten.
Das hat nichts mit Pessimismus zu tun.
Es ist Selbstrespekt.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum manche Verbindungen scheitern, obwohl die Gefühle stark sind:
Weil Liebe ohne Ankommen keine Zukunft hat.
Weil Wärme ohne Vertrauen nicht reicht.
Weil wir gelernt haben, dass das größte Zuhause, das wir brauchen, in uns selbst beginnt – und niemand das Recht hat, dieses Zuhause zu beschädigen!
Liebe darf fordern, aber sie darf nicht erschöpfen.
Sie darf herausfordern, aber sie darf nicht verunsichern.
Sie darf uns berühren, aber sie sollte uns niemals kleinmachen.
Und falls du dich gerade in einer „Fast-Beziehung“ wiederfindest, in der die Gefühle stark, aber die Grundlagen brüchig sind, dann nimm diesen Satz mit:
Manchmal ist das Problem nicht, dass wir nicht lieben können.
Manchmal ist das Problem, dass der andere kein Ort ist, an dem Liebe wachsen kann.
Wir Frauen, die das Leben schon ein paar Runden länger kennen, entscheiden heute bewusster. Wir wünschen uns eine Beziehung – aber nicht zu jedem Preis. Wir sagen Ja – aber nicht mehr zu allem. Wir bleiben – aber nur, wenn wir auch bleiben wollen, nicht weil wir müssen.
Und in genau diesem Bewusstsein liegt die Kraft.
Und der Frieden.
Und vielleicht sogar der Beginn einer Liebe, die sich wirklich wie ein Zuhause anfühlt?
Herzlichst …



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