Mach mal langsam(er)

Mach mal langsam(er)
Lesezeit: 4 Minuten

Bist Du gerade im Stress und hast keine Zeit mehr als die Überschrift zu lesen? Du stehst dauernd unter Strom und Geduld ist nicht unbedingt eine Deiner Stärken? Generell könntest Du Dich als „Wirbelwind“ einordnen und langsame Menschen nerven Dich? Dann würde ich mal sagen, mach doch mal etwas langsamer und schenke mir 4 Minuten Deiner kostbaren Zeit – wenn Du schnell liest, schaffst Du es auch in 2 Minuten. ›lach‹

Ich war auch mal jemand, bei dem der Staub hochgewirbelt ist, wenn ich durch meinen Alltag geflogen bin. Mein innerer Antreiber sorgte gut dafür, ja keine Pausen aufkommen zu lassen. Meine Aufgaben möglichst schnell zu erledigen und an mehreren Projekten gleichzeitig zu arbeiten! Ja, ich war mit ziemlicher Energie gesegnet, was richtig cool war. Gleichzeitig aber auch uncool, denn durch dieses triebige SEIN, schlichen sich auch manchmal gravierende Fehler mit ein. Außerdem war ich immer eine Herausforderung für mein Umfeld. Und auch wenn meine Arbeitsweise mehr Vorteile hatte in der sogenannten Leistungsgesellschaft, bin ich mit genau diesem Tempo irgendwann gegen die Wand gefahren.

Ist langsam unsexy?

Langsamkeit ist, glaube ich, das Lieblingswort der Italiener, wo ich ja die meiste Zeit des Jahres lebe. Zudem habe ich erst hier gelernt, meinen Stresslevel und meine Geschwindigkeit runterzuschrauben. Der Trend für Slowness, wird ja ohnehin GROSSgeschrieben und dennoch laufen wir im Alltag noch hektisch von A nach B und weg von der Langsamkeit!

Das Wort selbst klingt ja auch irgendwie negativ, oder? Es bringt ein negatives Gefühl mit. Wie träge, schleppend, lahm, schwerfällig oder sogar faul. Und damit, möchten wir beim besten Willen nicht in Verbindung gebracht werden! Jedenfalls war das bei mir der Fall. Die alten Glaubenssätze, die ich „inhaliert“ und gut konserviert habe, sorgten immer dafür, ja nicht in einen Ruhemodus zu fallen.
Aber jetzt sag´mal DU … warum wollen wir, dass alles so schnell läuft und was ist so verdammt negativ an der Langsamkeit?

Ich denke, wir haben alle Angst vor Stillstand. Wir haben Angst, zu erfahren, wenn wir die Kontrolle mal ein Stück abgeben. Und wir haben Angst vor dem Nichts … vor der Ruhe und der Stille. Warum? Weil es dann erst so richtig laut wird. Laut und hektisch in uns selbst. Plötzlich können wir unsere Gedanken HÖREN! Unsere Ängste, unsere Zweifel und natürlich die unangenehmen Glaubenssätze, die uns ja sehr oft das Leben verbauen. Wir müssen uns sputen, sonst …

  • sind wir nicht gut genug …
  • denken die anderen schlecht von uns …
  • werden wir nicht fertig …
  • sind wir die Letzten …
  • verpassen wir „Wichtiges“ …
  • verlieren wir vielleicht sogar unsere Arbeit …

Es würde 100 Gründe geben. Ich persönlich wollte immer „liefern“ und das gelang mir nicht in einem langsamen Tempo. Diese Erfahrung hatte ich gemacht. Nicht nur im Job, sondern schon im Kindergarten, Schule und unter Freunden. Wer langsam ist, verliert. Die Konsequenz dieser Erfahrungen war, mich immer zu beeilen. Ich habe Schnelligkeit mit Bestätigung und Liebe verbunden. Natürlich habe ich (zwar erst reichlich spät) erkannt, dass all das völliger Bullshit ist! Wir haben die Wahl, ob und wie „schnell“ wir etwas erledigen. Das Leben schickt immer eine Rechnung, aus der wir lernen dürfen und so habe ich mich entschieden, meinen inneren „Gas-Geber“ zu drosseln. Ich schenkte mir die Erlaubnis für „mach mal langsamer.“

Denn was wir bei der ganzen Hektik verlieren, ist der Blick für das wirklich Wesentliche. Ein Ziel zu haben, ist toll und etwas sehr Wichtiges. Der Weg dahin aber auch! Rennen wir blind darauf los, übersehen wir so viel Wichtiges und Schönes! Denn das Wertvolle an unseren Zielen ist der Weg dahin und den sollten wir mit weit offenen Augen genießen!

Wohin Dein Fokus geht …

Wenn ich an einen meiner zahllosen hektischen Tage zurückdenke, an dem hundert Dinge erledigt wurden. Ich von A nach B rannte und wieder retour – woran habe ich mich erinnert? Was blieb übrig von diesem Tag? Mein Fokus lag NUR auf den zu erledigenden Aufgaben. Auf die Hürden, die dazwischen lagen und den Ärger und die Menschen, die mich echt genervt hatten! Am Ende des Tages, der gefühlt unendlich lange dauerte, war ich nur müde und geschafft.

Denke ich heute an eine oder mehrere Situationen, in der ich etwas sehr bewusst getan habe, mit voller Aufmerksamkeit dabei war, sieht die Sache total anders aus. Egal ob ich mit unseren Hunden in der Natur war, meinem Herzmenschen und mir ein leckeres Essen kochte oder mich mit netten Menschen austauschte … es bleibt jede Menge SCHÖNES übrig.

Erkennst Du den Unterschied? Verstehst Du, was ich sagen möchte? Langsamkeit bedeutet für mich Ankommen.

Wir können ganz bewusst wahrnehmen, was um uns herum geschieht. Kleinigkeiten werden plötzlich sichtbar!
Produktivität ist nicht wegzudenken, klar. Aber wir dürfen die besonderen und kleinen Momente nicht übersehen.
Wir sind viel zu schnell bei unseren Vorstellungen und automatisch schon wieder bei den nächsten Aufgaben, die auf uns „warten“. Anders gesagt: Wir sind quasi gedanklich schon am Ziel, während unser Körper noch am Rennen ist!

Erlaube auch Du Dir, in die Welt der Langsamkeit zu tauchen.
WO stehst DU gerade? „Mach schneller, mach besser, mach mehr, mach schöner, mach individueller?“
Ich rate Dir, mach es nicht. Mach hingegen langsamer und bewusster.
Mach es mal anders und mach so auf Dich aufmerksam!
Alles liegt in Deinen Händen. ›lächel‹

Die Langsamkeit bietet die Chance, das, was wir tun, auch zu erleben.

Henriette Hanke

Vielleicht konnte ich Dich heute etwas animieren, l a n g s a m e r Deinen Tag zu beginnen. Es wird Dir guttun.

Xo Sandra

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