Nachts haben unsere Köpfe Freigang

Beobachtet

ÜBER „NACHTPROGRAMME“ IN UNSEREN KÖPFEN …

Abends ins Bett zu gehen, ist ein ziemlich unspektakulärer Vorgang.
Zähne geputzt, Licht aus, Augen zu – und irgendwann schlafen wir.
Nur unsere Köpfe offenbar nicht.
Die scheinen nämlich genau auf diesen Moment gewartet zu haben.

„So. Sie schläft. Jetzt können wir endlich machen, was wir wollen.“

Und los geht’s. 🙂
Plötzlich tauchen Menschen auf, an die wir seit Ewigkeiten nicht gedacht haben. Wir befinden uns an Orten, die wir noch nie gesehen haben, wissen im Traum aber ganz genau, wo wir sind. Häuser haben Zimmer, die es nicht gibt. Menschen sehen anders aus und trotzdem wissen wir selbstverständlich, wer sie sind.

Und das Verrückteste daran?

Im Traum kommt uns das alles völlig normal vor.

Da könnte vermutlich ein Elefant durch unsere Küche spazieren, während wir mit einer ehemaligen Schulfreundin, die wir seit Jahrzehnten nicht gesehen haben, über unseren nächsten Urlaub auf dem Mond diskutieren.
Alles kein Problem.
Erst morgens öffnen wir die Augen und denken:

Was zur Hölle war DAS denn?

Und dann versuchen wir vielleicht noch, die Handlung zusammenzubekommen.
„Also zuerst war ich irgendwo … und dann war da plötzlich … nein, vorher war doch …“
Vergiss es.

Unsere nächtlichen Drehbuchautoren halten offenbar nicht besonders viel von einer nachvollziehbaren Handlung.
Dafür lieben sie wilde Besetzungen. Ein bisschen gestern.
Eine Person von früher. Eine Sorge von heute.
Ein Ort aus unserer Kindheit. Irgendein Mensch, den wir vor drei Tagen vielleicht zwei Sekunden lang irgendwo gesehen haben.

Alles einmal kräftig durchschütteln.
Fertig ist unser Nachtprogramm.

Und dann gibt es diese anderen Träume.
Die, über die wir morgens nicht einfach lachen können.
Manche verschwinden innerhalb weniger Minuten. Wir wissen noch, dass wir geträumt haben, bekommen aber beim besten Willen nicht mehr zusammen, worum es eigentlich ging.
Andere bleiben.

Nicht unbedingt als Geschichte. Sondern als Gefühl.
Wir wachen traurig auf. Oder aufgewühlt.
Erleichtert. Sehnsüchtig. Ängstlich.

Manchmal sogar sauer auf einen Menschen, der friedlich neben uns liegt und nachweislich überhaupt nichts getan hat.
Was ihn allerdings nicht automatisch davor schützt, morgens kurz skeptisch angesehen zu werden. 🙂
Eigentlich verrückt!

Da passiert nachts etwas, das nie passiert ist – und trotzdem hinterlässt es ein echtes Gefühl.
Unser Kopf weiß längst: Es war nur ein Traum. Nur der Rest von uns braucht offenbar manchmal ein bisschen länger.
Und genau das finde ich an Träumen so faszinierend.

Tagsüber versuchen wir, unsere Gedanken einigermaßen zu sortieren. Wir schieben Dinge beiseite, beschäftigen uns, denken vernünftig, funktionieren, vergessen.
Und nachts übernimmt offenbar jemand die Ablage, der unser Ordnungssystem nicht kennt.

Dann landet eine Erinnerung von vor zwanzig Jahren neben einem Gespräch von gestern. Eine alte Angst bekommt einen neuen Schauplatz. Menschen, die längst aus unserem Leben verschwunden sind, bekommen plötzlich wieder eine Hauptrolle.

Ob das alles immer etwas bedeuten muss?
Keine Ahnung.

Vielleicht wartet auch gar nicht hinter jedem schrägen Traum eine große Botschaft darauf, von uns entschlüsselt zu werden.
Manchmal läuft in unseren Köpfen nachts möglicherweise einfach ein ziemlich eigenwilliges Programm.
Und manchmal berührt ein Traum trotzdem etwas in uns, von dem wir gar nicht wussten, dass es gerade noch da ist.

Vielleicht müssen wir deshalb auch gar nicht jeden Traum verstehen.
Manche dürfen verschwinden, sobald wir die Augen öffnen. Andere begleiten uns noch ein Stück durch den Tag.
Und manche erzählen wir beim Frühstück und merken schon währenddessen, wie vollkommen bescheuert das Ganze eigentlich klingt. 🙂

Nur eines würde mich wirklich interessieren:
WER schreibt nachts eigentlich all diese Drehbücher? 😂

Xo Sandra

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