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Hierzulande wird es leider noch immer von vielen Menschen sehr negativ gesehen wenn man sich in Psychotherapie begibt. Es fühlt sich tatsächlich so an, als würde die Gesellschaft noch immer mit dem Finger auf Menschen zeigen die dieses Angebot nützen. Warum? Es gibt nichts Falsches daran, es gilt sogar das genaue Gegenteil – es braucht viel Mut diesen Schritt zu gehen. Immerhin sind es fremde Menschen, die uns bei der Entwirrung unserer Knoten im Kopf unterstützen!

Ja ich gehe zum Psychologen. Doch deshalb bin ich noch lange nicht verrückt, ich besuche auch regelmäßig meinen Frauenarzt und leide nicht an Gebärmutterkrebs (nicht mehr). Außerdem „verrückt „, ist ein Etikett dass man nie und nimmer an Menschen tackern sollte/darf, die an psychischen Problemen leiden. Ich gehe zum Psychologen, weil ich mich dazu von alleine entschieden habe, er hilft mir meine Gedanken zu organisieren und mit meinen Gefühlen besser umzugehen. Ich fühle mich gut aufgehoben, da ich dort die Ressourcen finde, die ich brauche um mich dem Leben zu stellen und dadurch auch ein Stück Glück finde.

Ich kenne das Gefühl und den Schmerz, den ich empfinde, wenn ich den Sinn meines Lebens verliere, wenn ich für meine Gefühle keine Worte habe und wenn ich nicht aufhören kann zu denken … den Ausgang nicht finde der mich wieder zurück führt …

Das Stigma der psychischen Gesundheit

Sich in Therapie zu begeben, wird immer noch als etwas Negatives angesehen. Menschen rümpfen die Nase wenn das Thema“ psychische Probleme“ angesprochen wird. Solchen Problemen wird auch heute in unserer Gesellschaft noch nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt. Emotionale Schwierigkeiten erscheinen uns zweitrangig. Es passt nicht in unsere Gesellschaft und deshalb erlauben wir es nicht, sich eingehend mit ihnen zu befassen. Es ist auch nicht so einfach, bestimmte Probleme einfach über den Rand zu scheren, sie zu überwinden. Einfacher wäre es ein Antibiotikum zu schlucken …

Es liegt bestimmt auch daran, dass wir in einer Gesellschaft leben in der man zu funktionieren hat, in der Probleme schnell wieder in Ordnung gebracht werdenden müssen. Alles muss sofort repariert werden oder anderenfalls ersetzt und ausgetauscht werden, jedoch kann man Menschen nun mal nicht immer und sofort „reparieren“! Geschweige denn austauschen! Probleme, die sich still und über Jahre hindurch in uns eingeschlichen haben, wird man nicht über Nacht wegradieren können! Alles braucht seine Zeit und es braucht den Mut sich dafür zu entscheiden, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Betroffene Menschen müssen sich durch einen Schmerz ohne Namen durcharbeiten. Darüber hinaus scheint das für die Gesellschaft ein Zeichen von Schwäche zu sein, denn so etwas darf nicht sein, es passt nicht und wenn es dennoch so ist – spricht man nicht darüber.

Könnte man die Psyche in Gips legen – es wäre einfacher

Es fällt mir immer wieder der Vergleich mit einem gebrochenen Arm ein. Man braucht nicht viel erklären. Der Gips oder die Schiene verrät weshalb man nicht am Sport teilhaben kann, welche Verletzung dahinter steckt – es wird stillschweigend hingenommen. Kein Gerede, keine blöden Bemerkungen, möglicherweise wird sogar etwas Mitleid darüber gestreut … fertig. Man gehört trotz verletzter Hand dazu.

Aber wie sieht es mit der Psyche aus, die verletzt ist? Nach außen hin ist nichts zu erkennen. Die Hülle ist top. Den inneren Schmerz kann keiner hören … Man entwickelt beinahe ein schauspielerisches Talent, um nicht aufzufliegen, niemandem zur Last zu fallen, mit den Gefühlen die sich in der inneren Welt so abspielen. Es braucht einiges an Courage, um zuzugeben, dass es da etwas gibt, das uns so schmerzt und wir das verändern wollen! Das braucht Mut. Darüber zu sprechen, dies zu erkennen und einem selbst die Gelegenheit zu geben, mit seinen eigenen Erwartungen umzugehen. Es ist „eine psychologische Hochleistung“ wurde mir mal dazu gesagt, auf die jeder Einzelne stolz sein darf, hat er sich für diesen Gang zum Psychotherapeuten entschlossen.

Psychologen heilen nicht, sie dienen uns als Werkzeug

Es haben keineswegs alle Menschen, die zur Therapie gehen, eine psychische Störung. Oft sind es Fragen die einen beschäftigen, oder manche brauchen nur eine einfache „Starthilfe“ um ihr ganz persönliches Leck  wieder in Ordnung zu bringen. Was man durch eine Therapie erreichen kann, geht über gewöhnliches Zuhören weit hinaus. Es ist wesentlich mehr als eine intime Unterhaltung. Die Unterstützung eines Psychologen ist essenziell, dazu gehört, dass die schwach gewordene Glühbirne gewechselt wird und das in einem ausgeglichenen, sehr objektiven Kontext.

Jeder Psychologe arbeitet anders. Das Wissen und die Techniken basieren jedoch auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Das ist der Wert der Psychologie – eine Unterstützung bei der Suche nach Antworten unserer Fragen. Das Hilfreiche unter die Arme greifen, geht es um alte Denkmuster, um Gefühle die man nicht zuordnen kann und auch Gedanken die dich nicht loslassen.

Es werden vergrabene Ressourcen wieder frei geschaufelt und die mögliche Qualität in unserem Leben wieder entdeckt! Ja … und genau deshalb ist die Psychologie ein genialer und schöner Weg für alle die, die den Mut haben, ihn zu gehen! Nach jahrelanger Erfahrung kann ich sagen dieser Weg war für mich anfangs ein sehr unangenehmer, aber letztendlich lebensrettender Weg. Und eines durfte ich lernen, Menschen die nur mit „sichtbaren“ Verletzungen umgehen können … gehören nicht in MEIN Leben! 🙂

„Mein Weg ist nicht einfach das zu sagen, was alle sagen, das zu tun, was alle tun. Schwieriger ist es, zu sich zu stehen, zu sagen was einem wichtig ist. Zu tun was einem selbst entspricht – seinen Weg zu gehen … auch wenn man belächelt wird.“

Eine gute Zeit wünsche ich DIR, bis bald.

Angst ist normal und dient dem Menschen als Schutzmechanismus und als lebensnotwendiges Gefühl. Sie hilft dir Gefahren zu erkennen und richtig zu handeln … allerdings rede ich hier von der  „normalen „Angst. Wenn jedoch dein Herz hämmert, dir der kalte Schweiss am Körper entlang läuft und du meinst keine Luft mehr zu bekommen, hat DAS mit normaler Angst nichts mehr zu tun. Panikattacken können ein /dein Leben bestimmen! Die Angst vor dieser Angst beginnt.

Meine erste Begegnung damit liegt 7 Jahre zurück

Eine Zeit voller Stress und ein einschneidendes Erlebnis stellte mein Leben auf den Kopf. Wieder einmal habe ich Sonderdienst geschoben, es waren bereits jetzt schon mehrere Wochen, die ich so arbeitete. Ich flüchtete in die Ablenkung, wollte zwar gern mal wieder ausspannen aber ich hielt es in der grossen Wohnung ganz alleine einfach nicht aus.

Ich kam nach Hause und freute mich nach Essen und Duschen einfach nur auf mein Bett! Schlafen … lange schlafen… sehr lange … Es dauerte nicht sehr lange und ich kippte in einen tiefen Schlaf. Den Moment als und wodurch ich wach wurde werde ich nie vergessen. Ich riss meine Augen auf und merkte das ich nass geschwitzt war, mein Herz pochte so stark das ich meinte es platzt! Ich bekam fasst keine Luft und der Druck und das ziehende Stechen in meiner Brust machten mich total panisch. Ich riss die Schlafzimmertüre auf und schnappte nach Luft. Mein ganzer Körper zitterte und ich wusste nicht was los war. Gedanken wie Herzinfarkt und ich müsste jetzt  sterben überkamen mich.

Nach ungefähr 30 Minuten war dieses Spektakel vorbei. Nass geschwitzt und vollkommen erledigt als wär ich einen Marathon gelaufen, saß ich bei 0 Grad halb nackig auf der Terrasse. Ich traute mich trotz enormer Müdigkeit nicht mehr meine Augen zu schliessen, die Angst das so etwas nochmal passieren könnte war einfach zu gross!

Ich war noch nie so glücklich darüber Menschen zu hören und zu begegnen, als ich am Weg zum Arzt war! Ich sagte mir auch ständig, wenn etwas ist, die können mir wenigstens sofort helfen. Im Wartezimmer dachte ich über die letzte Nacht und die Tage zuvor nach. Was ist los mit mir? Wie kann es sein, dass mich so ein Extremzustand mitten in der Nacht so plötzlich aus dem Schlaf holt? Hab ich schlecht geträumt? Oder bin ich krank …

Alleine diese Gedankengänge und das langsame Füllen des Wartebereiches versetzten mich allerdings schon wieder in eine Art Vakuum – Gefühl! So als würde ich gleich ohnmächtig werden. Die Stimmen klangen wie ein Echo und ich begann schon wieder zu zittern, Hände und Füsse wurden taub. DAS war mir in der Nacht nicht aufgefallen …

Mir kann nichts passieren, hier sehen es alle wenn ich plötzlich weg drifte, das dachte ich mir und irgendwie dauerte dieser Zustand nur kurz. Aber er war ein weiteres Mal da. Innerhalb von 5 Stunden!

Panikattacken – sie können dein Leben bestimmen

Körperlich und organisch in Ordnung – es sind Panikattacken, die ohne sich vorher anzukündigen, plötzlich da sind. So ist es jedenfalls bei mir. Aus dem Nichts! Ganz plötzlich! Und von einem Tag auf den anderen … Viel Stress und Erlebnisse, die einem tief im Nacken sitzen, können ausreichen um den psychischen Stress in eine Angstreaktion umzuwandeln. Wurde mir erklärt. Der Körper mobilisiert in solchen Phasen alle Kräfte die er hat. Der Puls schnellt in die Höhe, das Herz rast, die Panik ist da. Und DAS kann aus heiterem Himmel kommen.

Mein Grübeln über die Nacht zuvor war der Auslöser einer weiteren Attacke, sagte mir mein Arzt. Sobald man das Erlebte hinterfragt und nach Ursachen sucht, beginnt eigentlich der Teufelskreis. Es verstärkt die Furcht das irgendetwas nicht in Ordnung sei, es ist die Angst vor der Angst, die dich aus dem Alltag reisst!

Nicht darüber nachdenken funktioniert anfangs überhaupt nicht!

Gut und schön. Ich wurde, mit der Diagnose (auch vom Facharzt bestätigt) unter Panikattacken zu leiden, entlassen. Das wusste ich jetzt. Es half mir aber nix! Sie waren da, jeden Tag, oft 2-3 mal am Tag. Die Dauer war immer unterschiedlich, von 10 min bis zu beinahe einer Stunde beherrschte mich dieses Gefühl! Jedesmal war für mich der Tot so nahe … und da sollte ich nichts hinterfragen? Nicht darüber nachdenken? Es „einfach“ so hinnehmen und akzeptieren? DAS sollte mir mal jemand zeigen wie das gehen soll.

Bei mir wurde es so schlimm, dass Bus oder Bahn fahren, sowie viele Menschen die an einem Ort versammelt waren oder an den Kassen im Einkaufsmarkt anstanden, zu einer richtigen Bedrohung wurden! Ich traute mich nirgends mehr hin. Meine Einkäufe machte ich kurz vor Geschäftsschluss. Meine sozialen Kontakte cancelte ich bis auf 2 oder 3. Immer war die Angst dabei. Was ist wenn ich unterwegs bin und ich bekomme eine Panikattacke? Ich kann nicht weg usw! Um Plätze, die ich früher gerne besuchte, machte ich jetzt einen grossen Bogen!

Ich folgte dem Rat meiner Ärztin

Es dauerte einige Zeit bis ich mich dazu überwinden konnte mir „Hilfe“ zu holen. Da ich es alleine wirklich nicht schaffte und es immer schlimmer wurde suchte ich mir einen Psychologen, ich lies mich auf Medikamente ein und erlernte bestimmte Strategien, um den Alltag leichter zu meistern. Ich begann eine kognitive Verhaltenstherapie – typisch bei Panikstörungen.

Dabei ging es darum sich seiner Angst zu stellen. Also sich genau den Situationen stellen, wovor du am meisten Angst hast! Eine Panikattacke bewusst zu durchleben, um zu erfahren das dir nichts passieren kann … Ich machte diese Behandlung im Zuge einer anderen Behandlung stationär. Viele brachen die Therapie ab, weil sie es nicht aushalten konnten. ICH hielt durch, ich wollte das es mir wieder besser ging und ich wollte wieder ein „normales“ Leben führen! Auch wenn ich wusste das meine Angstzustände nicht verschwinden würden, sondern das ich es lernen würde damit richtig umzugehen. Eine sehr schwere und kräfteraubende Zeit die intensiv in der Klinik durchlebt wurde. Zu Hause aber klarerweise weiter geübt werden musste.

Diese Therapie half mir in mein Leben zurückzufinden

Heute sehe ich eine kommende Panikattacke als Zeichen, dass etwas gerade nicht stimmt. Und noch etwas, was möglicherweise für dich etwas krass klingen wird, aber die Auseinandersetzung mit dem Tod, haben mir dabei geholfen mein Leben etwas mehr zu schätzen! Die Therapie hat mir geholfen mit meiner Angst, die immer wieder mal „hallo“ sagt, richtig umzugehen. Ich reagiere richtig und weiß wie ich mich verhalten muss. Ich komm mir nicht mehr blöd vor, einfach aufzustehen und die Gesellschaft zu verlassen um mich zurück zu ziehen wenn es mir zu viel wird. Es gehört eben zu mir so wie für andere ein Muttermal mehr auf der Haut. So sehe ich das heute. Arbeiten muss ich dennoch immer noch daran, nur hab ich es akzeptiert und dadurch fällt es wesentlich leichter! 🙂

„Wer leise Angst hat, sollte sich laut davon befreien, in dem er unüberhörbar schweigt!“

Kennst du das Gefühl ebenso? Wie gehst du damit um? Was hat DIR geholfen oder woran arbeitest du im Moment damit es dir besser geht? Wovor hast DU Angst? Endlose viele Fragen, deren Antwort mich aber alle sehr interessieren!