Über Distanz und Nähe, der Grundkonflikt der Liebe
Lesezeit: 5 Minuten

Für uns Menschen, die in einer Beziehung leben, ist das ein zentrales Thema. Die Frage: Wie viel Nähe brauche ich und wie viel Freiraum, damit es mir gut geht und ich mich wohl dabei fühle. Der/die eine fühlt sich schnell mal eingeengt und der andere schnell vernachlässigt. Individuell … so wie das Leben und jede Beziehung.

DISTANZ. Wenn ich zurückdenke, wie es in meinen Leben abgelaufen war, stimmt es. Hinter jeder Trennung stehen viele unterschiedliche Gründe, gehe ich aber zum Ursprung zurück, ist in Wahrheit immer die Distanz der „Anzünder“ und Grund des Auseinanderlebens.

Wenn man sich nicht mehr viel zu sagen hat …

Das Schweigen in einer Partnerschaft bedeutet selten etwas Gutes. Es deutet darauf hin, dass jeder sein Leben lebt und die Beziehung zu einer Zweckbeziehung „verkommen“ ist. Aus gemeinsam wurde einsam und alleine. Die anfangs anregenden Gespräche sind verstummt. Alltägliche Probleme werden nur noch nebenher durchgekaut. Der Rest ist nur noch Schweigen. Die Gleichgültigkeit ersetzt das Interesse. Gelacht wird oft nur noch außerhalb der Beziehung. Spätestens zu diesem Zeitpunkt zweifelt man an seiner Beziehung.

Fühlt man sich der Person, die man liebt, nicht mehr nahe, tauscht man sich auch nur noch oberflächlich aus. Das „Auseinanderleben“ nimmt seinen Lauf …, wenn wir nicht dagegen steuern!

Ich habe es so erlebt … mehrmals und mit mir viele andere Frauen/Männer ebenso. Es ist kein Geheimnis, es sind traurige Tatsachen. Irgendwann wird nur noch gestritten, schöne gemeinsame Erlebnisse gehören leider der Vergangenheit an. Masken werden aufgesetzt um im Außen perfekt und glücklich zu wirken. Manche Paare bleiben zusammen … viele trennen sich … irgendwann.

Ein privater Einblick aus meinem Leben: Meine Ehe, meine Beziehungen, waren zu Beginn immer eine Wucht. Im Laufe der Zeit stellte sich schlechte Laune, Unzufriedenheit, Leere, Traurigkeit und Kummer ein. Mit all diesen Gefühlen war die Distanz DAS Thema. Wir lebten uns auseinander, die Interessen spalteten sich. Es gab letztendlich nicht mehr viel zu sagen außer „Was nimmst du und was bleibt bei mir?“

In jungen Jahren ging ich schnell in eine Beziehung. Ich traf oberflächliche Entscheidungen und prüfte nicht das „Wahre“, was für eine Beziehung wertvoll scheint. Für mich war immer das Thema, ja nicht alleine sein und so schnell ich in eine Beziehung einstieg, so schnell war sie dann auch wieder zu Ende.

Die meisten die mich lesen, wissen das ich nach all meinen lebenslangen Desastern, was Beziehungen betrifft, erst jetzt und noch nicht allzu lange, in einer guten Beziehung lebe. Ein „frisches“ Glück bedeutet aber keinesfalls, dass bei uns 24 Stunden am Tag, 12 Monate im Jahr überglückliche Schmetterlinge durch die Gegend flattern! Absolut nicht. :D Sollte auch mal gesagt sein. Beziehung ist kein Freifahrtschein ins rosa Liebesland, wo man gemeinsam alt und verliebt stirbt! Ich/wir versuchen aber den einschleichenden Beziehungsproblemen gefolgt von der logischen Distanz, keine Chance zu geben. Sorry … aber diese Plätze sind nämlich alle belegt! :-)

Die Distanz verzerrt das Bild der Realität …

Eine schon ziemliche traurige Angelegenheit nicht wahr? Und deshalb werde ich jetzt auch aufhören, weiter in eine „Beziehungskrise“ einzusteigen. Es gibt dazu nur zwei Dinge zu sagen: GEHEN oder BLEIBEN. Wenn die Distanz das Bild unserer Realität vernebelt, ist es ganz klar: Wir müssen gut darauf achten, dass es in der Beziehung zu unserem Partner nicht noch mehr klafft. Klingt sinnvoll? Aber wie und vor allem WAS müssen wir dafür tun?

Frage an Dich, Dich und Dich …

Fühlst Du Dich Deinem Partner nahe? Nicht nur körperlich, sondern auch seelisch und physisch? Meiner Meinung nach ist das der Schlüssel, um einer Trennung den Weg schwer zu machen. DAS sollten wir niemals aus den Augen verlieren! Dazu gehört:

  • Zeit zusammen verbringen,
  • Zeit gemeinsam planen,
  • sich dem ständigen Austausch hingeben,
  • Pläne schmieden und auch wieder fallen lassen :-) ,
  • neue Wege gemeinsam durchwandern,
  • in ein Abenteuer stürzen,
  • zum größten Fan unseres eigenen Partners werden!
  • Bleiben …, auch wenn’s mal schwer ist und wird.

Emotionale Nähe

Trennungsgedanken haben nur dann Platz in unseren Köpfen, wenn keine lebendige Beziehung besteht! Dazu ist Kommunikation so wichtig und notwendig. Also warum nicht hemmungslos und ehrlich miteinander reden? Bitte, wo sonst können wir uns so offen über all das unterhalten, was uns beschäftigt, als mit unserem Partner? Es lohnt sich so sehr.

Gleichzeitig müssen wir auch zuhören, Gegenfragen stellen und herausfinden, was unser Partner denkt und fühlt. Mir ist aufgefallen, dass es wichtig ist in regelmäßigen Abständen über unsere Wertvorstellungen zu reden. Auch diese verändern sich manchmal. Zusammengefasst: Es ist eine Notwendigkeit, über weitreichende Themen aus unserm Leben zu sprechen. Nur so können wir auf allen Ebenen zusammenwachsen.

Körperlich nahe sein …

Persönlich zähle ich nicht unbedingt zu den „Schmuse-Feen“. ›lach‹. In jungen Jahren war ich wesentlich „anstrengender“ ich glaube, ich kann sagen ich habe ein erdrückendes Ausmaß angenommen. Aus Angst. Angst alleine zu sein. Diese Zeit habe ich abgearbeitet und deshalb habe ich diese Art auch ablegen dürfen. :D

Allerdings sind mir die kleinen Gesten der Liebe im Alltag schon sehr wichtig! Jeder Mensch mag es, körperliche Zuwendung zu spüren. Das kann eine stille Umarmung sein … ein Kuss, ein flüchtiges nettes Wort, ein tiefgehender Blick, usw. Einfach kleine Momente der Zärtlichkeit ohne viel Aufwand. ›lächel‹. Was bitte wäre das Leben ohne diese Momente? Ich denke, ich spreche hier aus dem Herzen jeder Frau?

All diese Momente tragen dazu bei, sich nahe zu sein und auch zu bleiben. Es ist eine sehr wertschätzende Möglichkeit, seine Liebe zu zeigen. Klar gehört zur körperlichen Nähe auch Sex. Viele Paare unterschätzen diese Macht von Intimität. Wenn ich mich nicht täusche, wurde Sex unter anderem dazu geschaffen, um sich körperlich nah zu sein und seine Liebe ohne viele Worte auszudrücken. >zwinker, lächel<.

Dass dies für viele Paare eine Herausforderung sein kann, gerade wenn sie schon viele Jahre gemeinsam leben, ist mir bekannt. Ich weiß aber auch, dass es wichtig ist über Erwartungen und Wünsche diesbezüglich zu reden. In Wahrheit erklärt sich alles von alleine. Dann wenn man sich nicht mehr nahe ist und steht, werden wir sicherlich kein zufriedenstellendes Sexleben mehr genießen können. Alles in allem – Worte alleine werden niemals so eine intime Begegnung ersetzen, umgekehrt braucht die Intimität die Kraft der Worte um aus etwas Gutem und wunderschönen etwas ganz besonderes zu machen!

DESHALB BITTE … NÄHE STATT DISTANZ

Achten wir in unseren bestehenden oder zukünftigen Beziehungen IMMER auf einen aktiven wertschätzenden Austausch. Nur so gelingt es auch „schwierige“ Themen zu etwas leichtem zu machen. Lasst uns zusammenwachsen und Nähe schaffen.
Bist DU dabei?

Noch etwas ganz Wichtiges darf ich heute auf keinen Fall unerwähnt lassen: :-)
Das Titelbild heute hat mir ein ganz liebes und vor allem kreatives „Seelchen“ gemalt! Sie begleitet FrauenPunk schon sehr lange und ist mir, obwohl wir uns noch nie in der „Echt-Welt“ begegnet sind, wirklich ans Herz gewachsen. Ihr Name ist Tanja Hoehlein, 44 Jahre jung. Sie hat einen schwierigen und freiwilligen Weg gewählt und sich wegen ihrer Depression einer sehr langen Reha gestellt. In meiner Gruppe FrauenPunk durften wir sie zwischendurch begleiten. 

Im „Tempel“, wie wir es immer nannten, hat sie das Malen für sich entdeckt. Alle Bilder drücken ihre Gedanken und Gefühle auf den Punkt aus … ohne Worte nur mit Farbe. ›lächel‹. Deshalb ist die Idee entstanden, das heutige Titelbild zu malen, und ich finde es bringt Leben in meinen Beitrag. :D
Wenn jemand mehr von Tanja sehen oder und wissen möchte – schreibt Ihr doch eine Mail? tanja.hoehlein@freenet.de

ICH bedanke mich nochmal herzlich bei Dir liebe Tanja, für den wunderbaren kreativen Einstieg heute und wünsche Dir weiterhin alles Gute auf Deinem sehr guten und vor allem richtigen Weg!

Xo Sandra

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