Es gibt Sätze, die man als Kind nie laut hört, aber die man trotzdem sein Leben lang in sich trägt. Bei mir ist es dieser: „Du bist zwar da – aber du bist nicht wichtig.“ Nicht ausgesprochen, nie direkt gesagt, aber auf tausend kleine Weisen vermittelt. Ein Blick. Kein Blick. Ein Schweigen. Ein Vergleichen. Dieses Gefühl, dass man unsichtbar ist, auch wenn man direkt im Raum steht.
Unsichtbare Töchter – so habe ich mich oft gefühlt. Und ich weiß, ich bin damit nicht alleine.
Warum reagieren Eltern so? Warum schaffen es manche nicht, ihr Kind wirklich zu sehen – nicht nur als „funktionierend“, brav oder erfolgreich, sondern einfach als fühlenden Menschen?
Die Gründe sind vielschichtig. Manchmal sind es eigene Verletzungen, die Eltern weitergeben, ohne es zu merken. Manchmal sind es auch starre Rollenbilder: „Ein Kind soll nicht auffallen.“ Manchmal ist es pure Überforderung. Aber das Ergebnis ist immer dasselbe: Ein Kind wächst mit dem Gefühl auf, dass es nicht und nie genügt.
Was das mit einem macht? Es nagt. Ein Leben lang. Am Selbstwert, an der Freude, am Vertrauen in die eigene Bedeutung. Wenn du nie gespürt hast, dass deine Gefühle zählen, fragst du dich auch als Erwachsene: Darf ich überhaupt Raum einnehmen? „Darf“ ich denn wichtig sein?
Ich habe dieses Muster sehr lange mitgeschleppt. Und es hat Jahre gebraucht, bis ich verstanden habe: Das, was mir fehlte, war nicht meine Schuld. Ich war weder „zu viel“ noch „zu wenig“. Ich war einfach ein Kind, das gesehen und gehört werden wollte. Was Aufmerksamkeit und Liebe haben wollte. Und das ist das Natürlichste auf der Welt, finde ich.
Vielleicht erkennst du dich in meinen Erzählungen wieder? Vielleicht kennst du dieses unsichtbare Gefühl auch. Dann darf ich dir sagen: Du bist nicht alleine. Und du bist NICHT unsichtbar.
Es stimmt: „Unsichtbare“ Töchter tragen ihre Wunden oft sehr tief in sich. Aber sie beherbergen auch eine enorme Kraft in sich – nämlich die, dieses Muster zu durchbrechen!
Wir können lernen, uns selbst zu sehen. Uns selbst die Bedeutung zu geben, die wir verdient haben. Und wir können die Menschen in unser Leben lassen, die uns nicht übersehen, sondern wirklich wahrnehmen.
Am Ende ist es vielleicht genau das, was Heilung bedeutet:
Nicht mehr auf das „Gesehenwerden“ von den falschen Menschen zu warten, sondern uns selbst ins Licht zu stellen!
Heute weiß ich es genau: Ich habe mein Bestes gegeben. Ich war ehrlich, ich war aufrichtig und bereit für alles. Aber ich war ich. Dass es nicht gesehen oder angenommen wurde, sagt nichts über meinen/unseren Wert aus – sondern nur etwas über die Grenzen anderer.
Und genau deshalb kann ich – kannst DU jetzt nach vorn schauen. Dorthin, wo ich, DU, wir NICHT unsichtbar sind.
Wir sind NICHT unsichtbar. Wir waren es auch NIE. Wir haben nur ZU LANGE daran geglaubt.



0 Kommentare