Beziehungsangst

Man ist Feuer und Granate für den einen Menschen, den man gerade erst kennengelernt hat. Gleich in die lockere Beziehung hineinhülpen und die magischen, überwältigenden Gefühle der anfänglichen Magie in vollen Zügen genießen wollen. Ständiger Kontakt auf allen Ebenen, am besten rund um die Uhr. Die angenehme Nähe des anderen spüren, der tolle Sex, das Gefühl einer ganz besonderen Verbindung und die tiefgründigen Gespräche die man gemeinsam erlebt … bis der Alltag kommt und Du feststellst, Verbindung und Verbundenheit beinhaltet das Wort BUND und erinnerst Dich an Gefangenensein und Pflicht statt an Geborgenheit, Vertrauen, Freude und Miteinander. Und das macht Dir Angst. Ein Beitrag der mir wichtig scheint … über die Liebe, das schönste und gleichzeitig „schlimmste“ Gefühl aller Zeiten.

Angst vor Gefühlen kann eine Beziehung verhindern

Heute haben mehr Menschen denn je Probleme ihre wahren Gefühle zuzulassen. Es sind sowohl Männer als auch Frauen, die sich dann gerne als beziehungsunfähig bezeichnen. Sie leiden an Bindungsangst. Ich darf mich in diesem Beitrag „ausleben“, weil ich selbst eine von ihnen war. Ich war vorerst passiv ängstlich, akzeptierte meine Ängste danach und heilte sie therapeutisch und mit jeder Menge Selbsthilfe über mehrere jähre hinweg. Da ich genauso gut die passive Seite kenne, sind mir die Schmerzen, die passiv-ängstliche Frauen und auch Männer, erleiden durchaus bekannt. Mit passiv-ängstlich meine ich, sich dieser „Angst“ nicht bewusst zu sein.

Sehr oft kam mir der Satz über meine Lippen: „Ich hab´ Panik … vor Dir (Mann), vor der Liebe (zu dem Zeitpunkt hatte ich den Glauben an die Liebe verloren) und ich habe Angst vor Beziehungen. Und so war es, dass ich genauso schnell wieder weg war, als ich gekommen bin. Ich machte mich einfach aus dem Staub. Ich war nicht mehr verfügbar. Ich erschien zu keiner Verabredung, und ich antwortete auf keine Nachrichten … aus Angst und aus Schutz, wie ein Geist. Für die „Verlassenen“ blieb jedes mal das Gefühl, sich falsch verhalten zu haben, nicht gut oder zu viel gewesen zu sein. Zu wenig liebenswürdig oder attraktiv genug. Dabei traf sie keine Schuld. Ich war einfach emotional nicht verfügbar und hatte Riesenangst.

Gebundenheit statt Freude …

Dieses plötzliche „Miteinander“ macht vielen Frauen/Männer Angst. Alte Ängste, aus alten Beziehungen, werden plötzlich wieder wach gerüttelt. Frühere negative Erfahrungen und Verletzungen kommen wieder hoch und es fühlt sich an, als wäre es gestern gewesen. Aus dem Miteinander wird die ewig alte Wunde, die daran erinnert, dass sie noch nicht heil ist oder verarbeitet wurde, noch immer weh tut! Um diesen Schmerz, oder der daraus entstehen könnte, zu vermeiden, unterbrechen solche Menschen dieses Miteinander schnell wieder und vergessen die Möglichkeit dass es auch besser, positiv, laufen könnte als in der Vergangenheit.

So wird aus der Nähe und den anfänglichen innigen und schönen Momenten plötzlich eine Distanz. Sogar Panik. Wie ein Orkan der sich plötzlich in Luft auflöst. So geht es einem Menschen, dem Beziehung und zu viel Gefühl und Liebe Angst machen. 

Die Bereitschaft daran zu arbeiten muss da sein

Definitiv kontraproduktiv ist dem beziehungsängstlichen Menschen zu drängen, zu zwingen oder zu überrennen … Auflagen zu erstellen in Form von „Liebe mich so, wie ich es brauche“. Diese Manipulationen sind eine Garantie für Unfrieden und baldigste Trennung! Zeit ist das Zauberwort hierfür. Zeit und Geduld und die Bereitschaft, daran zu arbeiten um eine Besserung zu erzielen. Eine ehrliche willige Absicht an sich und seiner Angst zu arbeiten, vor allem gemeinsam, muss dahinter stehen!

Wenn es dennoch zu einer Trennung aus Angst vor Beziehung und Liebe kommt, ist Rückzug das einzig Richtige das der verlassene Partner machen kann. Aufdringliches Hinterherlaufen, und das hoffen auf „alles wird gut“, trifft den Beziehungskranken direkt in die Magengegend wie ein harter Schlag in die offene alte Wunde. Es gibt leider keine einfache Art, eine beziehungsängstliche Frau/Mann dazu zu bekommen, einen zu lieben und sich auf eine bereitwillige und vertrauensvolle Liebesbeziehung einzulassen. DAS ist die alleinige Aufgabe der betroffenen Person.

Ist jedoch diese Bereitschaft gegeben, stehen alle Türen auf grün.

Erfahrungswert und Beobachtung

Da auch ich einer dieser Menschen war, weiß ich auch, dass gefühlsängstliche Menschen Schwierigkeiten mit dem „Normalen“, dem Alltag, dem Langweiligen und dem Monotonen haben. Ebenso mit Fehlern an sich selbst und am Partner. Sie ertragen das dazwischen nur schwer. Sie haben Angst sich selbst zu verlieren oder aber auch aus Angst den anderen zu verabschieden. Das Erkennen, dass niemand perfekt ist und jeder Mensch Fehler machen darf, ist ein schweres, teilweise inakzeptables Unterfangen.

Unsicherheit ist allgegenwärtig. Es ist Last und Qual zugleich. Ich litt zum Beispiel sehr darunter, weniger gesehen zu werden als mein Partner. Ich litt wenn ich geben musste ohne nehmen zu dürfen. Den Grund meinte ich in meinen Unzulänglichkeiten zu erkennen. Alles Gefühle die mich überforderten und die ich ohne Partner nie verspürte.

Aber es zahlt sich aus, wenn man die Bereitschaft und den Mut mitbringt, an seinen eigenen Schrauben zu drehen und sich selbst damit wieder repariert! Ich kenne sehr viele die es genauso erlebt haben – es ist machbar.

Wie verhalten sich Menschen, die Angst vor Bindung und Gefühlen haben?

  • Sie versuchen viel, um die auserwählte Person für sich zu gewinnen, auch wenn das Interesse zu Beginn sehr spärlich scheint. Wenn sie erfolgreich waren, die Spannung nachlässt, lassen sie los. Wie ein Nebel der sich in Luft auflöst.
  • Es werden sehr gerne On-Off-Beziehungen geführt. Sie beenden, stoßen weg um danach wieder anzukommen um den Moment des Anfangs zu genießen … ein Spiel das nur Erwachsene spielen.
  • Sie verlangen meistens mehr, als sie selbst geben. Sicherheitsdenken.
  • Sie bestimmen gerne den „Rahmen“ oder die Art und Dauer des Kontakts.
  • Sie haben Angst vor „echtem“ Kontakt, vor herzlicher, ehrlicher Auseinandersetzung auch auf seelischer Ebene. Die Angst vor Berührung ist ebenso keine Seltenheit.
  • Sie wirken kühl und verbieten sich selbst und dem anderen öffentlich Gefühle zu zeigen. Wenn doch, ziehen sie sich sehr schnell aus dieser Situation wieder heraus. Zu viel Nähe.
  • Sie geben einem Menschen aus der Vergangenheit die Schuld für ihr Verhaltens. Dadurch vermeiden sie, sich selbst anzusehen und an sich zu arbeiten, die Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen und die negativen Erfahrungen zu verringern.
  • Sie bleiben gerne unnahbar. Aus einem Grund: um nicht wieder verletzt zu werden oder die Kontrolle zu verlieren. Sie vermeiden so ihre eigenen Schuld und Schamgefühle.
  • Sie fokussieren sich gern auf eine Sache. Sex, Geld, Beruf, etc. So kanalisieren sie ihre Gefühle und geben sich den inneren Halt den sie brauchen.
  • Sie nutzen den Partner um sich nicht mit sich selbst auseinandersetzen zu müssen. In Zeiten der Einsamkeit, die schwer auf ihr Gemüt drückt, sind Treffen willkommen.
  • Freiraum ist ihnen das Allerwichtigste. Jede ungewollte gemeinsame Zeit wird diskutiert. Umgekehrt fühlen sie sich nicht wichtig genug, wenn sie den Partner nicht erreichen können oder er mal keine Zeit hat.
  • Fehler einzugestehen fällt ihnen schwer. Entschuldigungen ebenso. Sie sagen von sich selbst schlechte Partner zu sein und bevor sie an der Beziehung arbeiten – gehen sie. Einfach … leise … unspektakulär. Der leichte Weg.
  • Sie vermitteln Innigkeit und tiefe Verbundenheit beim Sex. doch im normalen sozialen Kontakt sind sie introvertiert oder sogar abweisend.

Menschen, die mit Bindungsangst leben sind nicht „gestört“, auch wenn wir das immer wieder hören oder sogar selbst von sich behaupten. Dahinter steht die reine Angst. Sie sind (noch immer) verletzt und panisch. Wer aber bereit ist, sich diese Verletzungen aus alten Partnerschaften anzusehen und mit Überzeugung an seiner Angst zu arbeiten, der kann und wird in der Zukunft innige, liebevolle und angstfreie Beziehungen eingehen können! ICH bin eine lebendes Beispiel. <3

Stelle Dir also die Frage: Warum flüchte ich?

Der erste Schritt liegt wie immer bei Dir selbst. Beschäftige Dich damit weshalb Du immer wieder die selben Verhaltensmuster eingehst, wovor Du flüchtest und warum Du Angst hast! Ich konnte sehr viel darüber in einer jahrelangen Therapie lernen. Gefühle adäquat zu äußern, Grenzen zu setzen und mich selbst anzunehmen MIT meinen Fehlern und Schwächen!

Heute bin ich in der Lage zu lieben … zu geben ohne zu nehmen oder zu erwarten. Gefühle auszudrücken, positive wie auch negative. Ich halte Nähe aus und glaube wieder an die Liebe. :-) An sich zu arbeiten macht Spaß wenn man am Ende der Arbeit erkennen kann, dass man damit ein großes Stück Lebensqualität erworben hat.

Und genau DAS wünsche ich mir für Dich … falls Du Dich mit diesem Beitrag identifizieren kannst.
Falls Du Fragen hast, schreibe mir, ich freu mich immer über Nachrichten.

XOXO Sandra FrauenPunk

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Ich möchte mit FrauenPunk viele Frauen erreichen und freue mich wenn Du diesen Artikel teilst und weiter empfiehlst. Ich bin Dir für jede Unterstützung dankbar!

2 Kommentare
  1. Alfred
    Alfred sagte:

    Hallo Sandra,
    ich wollte nur mal anmerken, dass nicht nur Frauen betroffen sind!
    Nach einer gescheiterten Ehe und anschließender Beziehung wird mir das bescheinigt und langsam frage ich mich, ob es stimmt.
    Dein Link wurde mir von einer ganz lieben Frau geschickt, die mich über alles liebt, ich sie aber abgewiesen habe. Was sie sagt und du schreibst, gibt mir zu denken.
    Du hast geschrieben, du würdest gerne helfen. Ich weiche oft aus, so wie du es geschrieben hast. Darüber zu reden und der Sache auf den Grund zu gehen, wäre vielleicht in betracht zu ziehen.
    MfG Alfred

    Antworten
    • Sandra
      Sandra sagte:

      Hallo Alfred!
      Erstmals möchte ich ich Dir danken, dass Du Dich entschlossen hast, auf einer
      Frauenseite einen Kommentar zu setzen!

      Das diese Thematik nicht nur Frauen betrifft, ist selbstverständlich richtig und
      ist mir gut bekannt. Selber kenne ich einige Männer die damit Probleme haben!

      Nun schreibe ich aber hauptsächlich für Frauen und das ist der Grund, weshalb Männer
      nicht sehr oft angesprochen werden. Du bist auch nicht der erste Mann, der mir schreibt
      und der sich mit mir über manche Themen austauschen möchte.

      Darüber zu sprechen wird in der Gruppe schwer werden, da auch diese NUR für Frauen offen
      steht. In Wahrheit fehlt für Männer solch Nische?!

      Du hast jedenfalls eine tolle „Freundin“ wenn sie Dich auf diesen Beitrag aufmerksam macht
      der für Dich scheinbar sehr passend scheint!

      Schreibe mir doch gerne eine Mail mit Deinen Bedenken, und ich werde versuchen Dir eine andere
      Sichtweise samt Hilfestellungen zu geben … ist ja auch mein Thema über ganz viele Jahre gewesen.

      Bis dahin wünsche ich Dir erstmal alles gute und vielleicht lesen wir uns ja bald :D
      Glg Sandra

      Antworten

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