Das Ding mit dem ständigen Müssen
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„Das Einzige, was Du musst, ist sterben.“ Oh mein Gott, welch Beginn in einem Artikel könntest Du Dir jetzt denken! Eigentlich denke ich mir dasselbe in diesem Moment. Ich belasse es aber so, weil es stimmt. Diesen Satz pflegen ältere Menschen sehr gerne zu sagen, obwohl ab wann zählt man zu „älter“. ›lach‹ Wir denken viel zu wenig darüber nach, ob denn tatsächlich etwas Gravierendes passieren würde, wenn wir mal etwas NICHT tun würden …

Es wurde uns beigebracht zu müssen

Und wieder mal zurück in unsere kleinen Menschentage. Was brachten uns Eltern, Lehrer und Ausbilder bei? Wir müssen lieb zu anderen sein, wir müssen anderen Kindern helfen, wir müssen teilen, wir müssen folgsam sein und was weiß ich noch alles. In der Schule hieß es dann: Bitte ja nicht auffallen, wir müssen fürs Leben lernen, sonst wird nichts aus uns. Wir müssen uns auf eine schöne Karriere vorbereiten, indem wir ausreichend lernen. Etwas später dann, wir müssen Geld sparen, um ein Haus zu bauen. Wir müssen Kinder kriegen und eine gute Mutter und Ehefrau sein. Wir müssen uns „absichern„.

All die Jahre über wurde uns eingetrichtert, was wir denn nicht alles müssen! Jetzt als Erwachsene, brüllen uns die Medien an und meinen zu glauben, was wir den nicht alles MÜSSEN um zu überleben! Versicherungen rücken in einem Marschtempo vor und weisen uns auf unsere Rente hin … „Zusatzversicherungen“ die unsere Lage bis dahin verbessern sollen.

Die Einzige, die ich vor einem Jahr abgeschlossen habe, war eine Sterbeversicherung. Nicht, weil ich jetzt Panik habe und ständig ans Sterben denke, sondern weil ich es meinen Herzmenschen nicht zumuten kann, mir mein Baumbegräbnis zu ermöglichen. Meine Eltern würden wahrscheinlich jetzt sagen: „Siehst Du, für solche Dinge muss man sich schon Geld zur Seite gelegt haben …“ Sorry, so eine bin ich nicht. Das Geld, das mir zur Verfügung steht, werde ich sicher NICHT unter meiner Matratze verstecken oder für meine noch nicht vorhandenen Enkel horten!

NEIN, ich werde es verleben … kann ich das so schreiben? Gibt es dieses Wort? Wenn nein, dann habe ich gerade ein neues Lieblingswort erfunden. ›lach‹ Jetzt bin ich etwas abgerutscht, aber das Thema Müssen und Geld, steht bei mir in einer sehr engen Verbindung. Fakt ist, wir haben gelernt zu MÜSSEN. Ich habe aber schon länger die Schnauze voll davon. Ich mag kein „DU musst“ mehr hören … von anderen nicht, aber auch von MIR selbst nicht!

Das Ding mit dem selbstgemachten Müssen

Wenn wir darüber genauer nachdenken, sind die selbstgemachten „Ich muss“ häufiger als die medialen Inputs, die uns erreichen. Es sind so viele, dass wir die Meisten davon ignorieren. Das finde ich auch super und „gesünder“! Unsere selbstauferlegten „Du musst“ sind da wesentlich hartnäckiger.

Du kennst bestimmt auch diese Flüsterstimme, die Dir ständig ins Ohr flüstert: „Komm schon, hoch mit Deinem Hinterteil … Fitness ist angesagt! Oder – Du musst doch Deine Arbeit noch zu Ende machen. Du musst den Artikel für das Magazin noch fertig schreiben … Du musst sofort duschen. Du musst noch für Deine ausgesprochene Einladung am Wochenende einkaufen … so aber jetzt, musst Du Dich belohnen! Hallo? Ich bekomme beim Schreiben schon einen Drehwurm. :-(

Wenn es so viele Dinge sind, die wir tun müssen, macht uns das sehr unwucht. Wir geraten in Hektik. Wie sollen wir das alles in unseren Tag integrieren! Natürlich möchten wir es ja wie immer allen recht machen und dabei sollten wir auch auf uns selbst nicht vergessen.

Wenn so viele MÜSSEN in meinem Kopf anklopfen, ist es mit meiner Klarheit und mit meiner Gelassenheit vorbei. Ich habe es endlich gelernt, mich in solchen Situation ernsthaft zu fragen: „Wie viel von all dem müssen wir eigentlich tatsächlich?“ Was würde den zum Beispiel geschehen, wenn ich meinen Abgabetermin mal nicht einhalten kann? Genau – die Welt würde davon nicht untergehen und finanzielle Engpässe würden dadurch auch nicht entstehen. Was wenn ich meine Gäste „auslade“? Würden sie mich nicht mehr ernst nehmen, nicht mehr zu meinen Freunden gehören, beleidigt reagieren?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Katastrophen, die nach einem „Es tut mir leid, ich kann nicht“  nur in unseren Köpfen stattfinden! Jedes Mal, wenn ich mir darüber im Klaren bin, wird es leichter in mir, … der Druck ist wie weggeblasen. :-) Außerdem gibt es für jedes MÜSSEN viele andere Möglichkeiten, darüber sollten wir nachdenken.

Und genau hier beginnt die Freiheit

Wie immer ist es so einfach. In dem Moment, indem uns bewusst wird, dass wir (fasst) rein gar nichts müssen, dass es immer noch andere Wege gibt und dass uns die Luft zum Atmen nicht verwehrt wird, wenn wir uns mal umentscheiden … dann fühlen wir uns frei.  <3

Ruhe kehrt zurück. Die Klarheit setzt sich wieder durch und unsere Kreativität versorgt uns mit der Energie und Kraft um weiter zu tun. Ohne Zwang und Druck. Es ist tatsächlich so, wir haben alle dieselbe Freiheit. Die Zwangsjacke ist nur in unseren Köpfen. Wir können uns entfalten, sobald wir das Wort MUSS aus unseren Sprachschatz streichen. Jedenfalls sollten wir eine kurze Pause machen und darüber nachdenken, wenn das Wort muss, wieder auftaucht …

Wie geht es Dir mit diesem Wort? Steckst Du in einer Zwangsjacke oder fühlst Du Dich frei?
Schreib mir gerne zu diesem Thema, ich freue mich darauf.

XOXO Sandra FrauenPunk

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