Die ungeschminkte Wahrheit
Lesezeit: 4 Minuten

Es ist immer noch so, dass sich viel zu viele Frauen nicht ungeschminkt außer Haus trauen. Obwohl sie es gerne mal sein lassen würden. Warum wir uns auch ohne Make-up schön finden und lieben sollten. Die ungeschminkte Wahrheit kann sehr oft großartig sein.

Ich verrate Dir gerne meine lächerlichen Geheimnisse. Ich steh dazu und schüttle heute darüber wirklich mein Haupt. :-) Es gab sehr lange eine Zeit, da brachte ich ohne vollständiges Make-up nicht mal den Müll vor die Tür. Ich öffnete keinem Paketdienst und ich traf mich mit niemandem bevor ich nicht angemalt war! Zu viele Makel … war meine Ansicht. Da kam es dann schon mal vor das ich mein Paket, worauf ich sehnsüchtig wartete, wegen „ich kann so unmöglich die Türe öffnen“, selbst am nächsten Tag abholte. Bitte sag jetzt nix. Ich weiß es selbst. Irre blöd. ›lach‹ Es war halt so …

Bist Du krank?

Ich glaube diese oder ähnliche Fragen, hat jede Frau schon mal gehört, die sich mal ungeschminkt am Sonntag Morgen die Zeitung geholt hat. „Du schaust echt müde aus, geht es Dir nicht gut? Du bist so blass?“ Kennen wir alle, oder? Die Antworten fallen immer gleich aus: Nein mir gehts gut, ich bin nur schnell so aus dem Haus – ungeschminkt eben.

Müssen wir uns wirklich rechtfertigen frage ich mich, sobald FRAU es wagt nicht rot „belippt“ und gepudert, auf die Straße zu gehen? Mir ist das sehr oft passiert und ich war wütend auf die Menschen da draußen, die meinen einen Freifahrtschein zu ungefragten Kommentaren zu besitzen!

Wie kann es sein, dass ein geschminktes Gesicht gesellschaftlich höher gestellt ist als ein ungeschminktes und unverfälschtes Gesicht, mit dem wir auf die Welt gekommen sind? Gerade von uns Frauen wird erwartet zu glänzen. Egal wie viel aber ein Funke Glitzer wird immer gesucht. Ist das nicht der Fall, wird Frau gerne als unmodern, sich nicht pflegend und sogar unattraktiv deklariert?

Heute bin ich ja richtig entspannt was das angeht. Aber ich kann mich noch an Situationen erinnern, wo ich an Tagen spät dran war und vergessen habe Make-up aufzulegen. Ich bin zurück und habe wenigstens Wimperntusche raufgeklatscht um schockierten Blicken wenigstens ein wenig in die Augen zu blicken. Ich ärgerte mich über mich und fragte mich selbst wann es so weit gekommen ist, dass ich mich gegen meine Natürlichkeit so gewehrt habe? Wann habe ich begonnen mich so hinzumodellieren?

Herdenverhalten …

Die Gesellschaft machts vor. Der Job verlangt es. Die Männer finden es sexy und die Frauen untereinander konkurrieren. Und so rennt ein Schaf dem anderen hinterher. Wie so oft und in vielen anderen Bereichen. Möchten wir als Frau wirklich in so einem Maß formbar sein? Ich nicht mehr, und deshalb hatte ich auch begonnen einen langsamen „Entzug“ zu starten.

Heute frage ich mich allen Ernstes wie ich das so lange ausgehalten habe! Ich die jeden Abend froh ist, in meine Wohlfühl-Klamotten zu schlüpfen und mein Gesicht von der wenigen Farbe zu befreien. Durchatmen und Luft zu holen, einfach ich selbst zu sein! Wir sollen auf unser Äußeres achten, keine Frage. Uns Gutes tun, aber nicht um andere zufriedenzustellen.

Wir sind schön auch ohne Make-up, denn unser Gesicht erzählt spannende Geschichten.

Und das jeden Tag aufs Neue. Wie sollen wir uns wirklich begegnen, wenn wir nicht all unsere Masken abgelegt haben? Alle Mogelpackungen? Uns so zeigen, wie wir sind. Narben, Altersflecken, Sommersprossen und Augenringe eingeschlossen? Die Wahrheit kommt ohnehin ans Licht, gerade wenn es um eine neue Beziehung geht. Irgendwann wirst Du neben Deiner neuen Liebe aufwachen und das kaum voll geschminkt. ›lach‹ Aber erst dann können wir sagen: „Du bist schön, denn Dein Gesicht erzählt mir so unendlich viele aufregende Dinge!“ <3

Der Pinselstrich als Routine

Ich möchte in diesem Artikel auf keinen Fall gegen Make-up und all die Möglichkeiten sein, die uns helfen das Beste aus uns hervorzuholen. Das ist mir sehr wichtig. Meine Botschaft geht in eine andere Richtung. Einfach den Mut zu haben zu unserer Natürlichkeit zu stehen. Auch wenn wir uns an manchen Tagen aufhübschen. Manche Berufszweige setzen das als Voraussetzung. Ganz legitim.

Ungeschminkt zu sein bedeutet für mich auch unabhängig zu sein. Unabhängig von den gesellschaftlichen Normvorstellungen. Diese Entscheidung schenkte mir eine andere Haltung. Ich bewege mich mit einem Gefühl der Selbstbestimmtheit und Unabhängigkeit durch die Menschenmengen, wenn ich das möchte. Ein Gefühl, dass ich „aufgepudert“ nie so empfunden hatte!

Manchmal hinterfrage ich die Funktion des Make-ups bei uns Frauen. Ist die Schminkerei nicht nur ein Instrument der Unterdrückung der Frau, die sich „schön“ pinseln muss, um den Ansprüchen der Gesellschaft zu genügen? Muss ich mich dem hingeben, um akzeptiert zu werden?

Ich bin ein Alicia Keys Fan und sie hat vor einigen Jahren beschlossen sich nicht mehr zu schminken und völlig unbemalt Ihr Business weiterzuführen. Die Medien reagierten geschockt und fragten sich wie man sich als „Star“ so ins Rampenlicht stellen kann. Ihr Statement dazu hat mir sehr gut gefallen. Ihre Antwort auf alle Fragen war eine klare ehrliche Botschaft: Durch die Schminke fühlte sie sich nicht echt. Nicht nur Ihr Gesicht, sondern auch Ihr Geist und Ihre Gedanken waren wie ein Chamäleon, dass sich den Gegebenheiten anpasste und das war nicht sie selbst …

Wir Frauen dürfen, sollen uns um unser Aussehen kümmern. Selbstliebe. Aber ich vertrete die Ansicht, dass auch Frauen die kein oder wenig Make-up tragen, ernstzunehmen sind und ernste Sachen in Ihrem Leben auf die Beine stellen können!

Beinahe glitzerfrei

Und ich? Ich trage in der Zwischenzeit meinen Müll schon in Pyjama Hosen raus. Ungeschminkt versteht sich und mit wildem Dutt. Eigentlich bin ich die meiste Zeit ungeschminkt, außer mein Herzmensch macht Bilder von mir.  Dafür lege ich Wert auf gute Hautpflege. Einfach, weil ich’s mir wert bin.

Wenn ich heute in Drogeriemärkten an den Regalen vorbeigehe, muss ich manchmal lachen. Denn früher hätte ich einen halben Vormittag vor all der verlockenden Kosmetik gestanden und jede Menge Geld verblasen! Heute investiere ich dieses Geld lieber in andere Dinge. Und da ich mich kaum noch „pinsle“, macht es mir umso mehr Spaß, wenn es heißt: „Schatz, wir gehen shooten“.

GLÜCKLICH SEIN IST DAS SCHÖNSTE MAKE-UP DAS WIR TRAGEN KÖNNEN UND JEDEM VON UNS HERVORRAGEND STEHT.

Das war’s … meine ungeschminkte Wahrheit. Eine strahlende Zeit für Dich!

Xo Sandra

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