Gedankengänge #76

Gedankengänge #76
Lesezeit: 4 Minuten

Warum ich lieber schreibe als rede …

Mein Urlaub ist vorüber und der September läutet eine ruhigere Zeit ein. Die Urlaubszeit ist großteils vorbei und die Fragen: „Na, wie war’s denn so bei dir? Was hast du getrieben? Wo warst du diesmal“ gehen zwangsläufig wieder los. Und vielleicht auch gleich zu Beginn und zum besseren Verständnis: Ich möchte meine Gedanken heute als introvertierte Frau auf – und beschreiben. Einfach, weil mir danach ist und ich mir sehr sicher bin, dass ich damit nicht alleine dastehe. :D

In einem meiner Kurzposts auf meiner Facebook Seite habe ich ja schon öfter erwähnt, dass mir die Ruhe unwahrscheinlich wichtig ist. Ja, immer wichtiger wird, je älter ich werde. Auch dürfte sich der introvertierte Part in mir immer „breiter“ machen. Mein extrovertierter Anteil schrumpft, glaube ich, jedenfalls merke ich Veränderung. Und so kommt es, dass mir normale Fragen wie „Wie war dein Urlaub?“ und alles Übliche, was man eben so fragt, hat man sich viele Monate nicht gesehen, ziemlich überfordern. Ich würde meine Gedanken lieber aufschreiben, anstatt darüber zu sprechen!

Schon in meinem Berufsleben habe ich lieber eine Mail geschrieben, als zu telefonieren. Auf die geplanten Meetings hätte ich gerne verzichten können und stattdessen lieber ein Rundschreiben verschickt. ›lach‹. Ja und privat … ich schreibe lieber eine WhatsApp, anstatt schnell zu telefonieren. Ich glaube, so geht es vielen STILLEREN Menschen …

Für mich hat das einige Gründe. Gespräche bedeuten immer, dass ich den Verlauf niemals planen kann. Ich kann infolgedessen auf unvorhergesehene Fragen oder Aussagen unter Umständen nicht gleich eine Antwort finden. Außerdem empfinde ich einen unerwarteten Anruf oder einen plötzlichen Besuch als „Störung“. Ich telefoniere so gut wie nie, einfach nur so. Genauso wenig, wie ich unangemeldet vor der Tür einer Freundin stehen würde. Das gabs noch nie, sofern ich mich erinnern kann.

Dann kommt auch noch dazu, dass ich nicht gerne über immer die gleichen Dinge rede. Mich wiederhole. Wer aber viel redet, wiederholt sich automatisch … die meisten jedenfalls. Irgendwo auch verständlich, denn gesprochenes ist vergänglich. Nicht dass es nicht Dinge geben würde, die ich gerne zweimal erzählen wollte, aber ich möchte Menschen nicht mit meinem „Doppelerzählungen“ ihre Zeit stehlen.

Beim Schreiben ist das etwas ganz anderes. Es wird einmal festgehalten und anders wahrgenommen. „Wer schreibt, der bleibt“. Diesen Satz gibt es nicht umsonst, oder? Mit Geschriebenen kann ich mir ein ganz anderes Gehör verschaffen, das mir sonst versagt bleibt. Beim Schreiben kann ich mich anders ausdrücken … die richtigen Worte finden sich leichter und wie von selbst. Ich kann „steuern“, wie mich andere Menschen wahrnehmen. In Gesprächen finde ich es HEUTE (das war nicht immer so) schwieriger für mich! Extrovertierte Menschen haben damit null Problem.

Diese meine bisher genannten Gründe, tragen zu meiner Schreib-Vorliebe bei. Etwas aufzuschreiben, hilft mir immer meine eigenen Gedanken besser zu sortieren und zu verstehen. Sind sie nur in meinem Kopf, fehlt es oft an Klarheit. Sie auszusprechen hilft ein wenig. Weil ich auch nicht gerne über und von Dingen spreche, die ich nicht zu Ende gedacht habe! Das Schreiben hilft, meine Ideen besser auszudrücken.

Die meisten meiner unvollständigen Gedanken kommen zuerst auf Papier. Sie werden sortiert, ich fasse ähnliches zusammen und lösche nebenbei unwichtiges. Danach formuliere ich meine Gedanken neu, bringe auf den Punkt, was ich sagen will. So entstehen eigentlich auch alle meine Beiträge. ›lächel‹

Wenn ich etwas niedergeschrieben habe, kann ich selbst auch viel leichter über die verschiedensten Themen reden. Das Schreiben ist eine Art Vorbereitung und es zwingt mich dazu, es wirklich „durchzudenken“. Einer der Gründe, weshalb ich FrauenPunk überhaupt gegründet habe. Ich glaube, im ersten Jahr schrieb ich hier NUR für mich, ohne viele Leser. Es war meine eigene „Zusatz-Therapie“. Bis irgendwann meine eigenen Themen und Erfahrungen auch die Themen vieler anderer wurden.

Was mir beim Schreiben noch sehr gut gefällt, ist: Ich lege mich öffentlich fest und es bleibt für immer.

Leider genügt schreiben alleine nicht. So gerne ich es auch manchmal mir wünschen würde. In vielen Situationen ist ein noch so genau beschriebenes Schriftstück einem persönlichen Gespräch unterlegen. So mancher E-Mail-Verkehr ist schon mal außer Kontrolle geraten, weil der Mensch HINTER dem Geschrieben nicht sichtbar ist. Die Gemüter kochen schneller über, wenn nur schriftlich kommuniziert wird. Denn schließlich tickt nicht jeder so wie ich. Die Mehrheit braucht das Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Auch wenn es mich in den meisten Fällen wahnsinnig anstrengt.

Heute kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, wie ich das vor noch ungefähr acht Jahren gemacht und vor allem geschafft habe! Mein Leben war gepflastert von Menschen, mit denen ich mein täglich Brot verdiente. Das war Kommunikation mindestens acht Stunden lang. Manchmal unglaublich für mich, wie sich ein Mensch verändern kann, wenn er mal die „stillen“ Seiten kennengelernt und Geschmack daran gefunden hat. Ob es so immer leichter ist, bezweifle ich. Schnell wird man als Sonderling dargestellt. Eigenartig und eingebildet, unnahbar … so sehen mich viele.

Mein Fazit also lautet: Schreiben tut mir gut. Es ist ein ausgezeichnetes Mittel, meine ständigen Gedanken zu sortieren. Ich kann sie dadurch gut ausformulieren und sie mit anderen Menschen teilen. Es bereichert auch meine Gespräche mit anderen Menschen.

Wenn es um persönliche Beziehungen geht, bin ich allerdings schon mehrmals an meine Grenzen gestoßen. Es wird nur gesehen, was gelesen werden will. Auf Dauer hat das dann keinen Wert. Kurzfristig, setze ich aber auch hier mein weißes Blatt Papier ein. ›lächel‹ Manche reden eben gerne und viel … andere wieder, kommen mit wenigen Worten in Gesprächen aus. Schon etwas schwierig, aber immer möglich.

Und um meine Frage am Ende noch zu beantworten: „WIE war mein Urlaubsmonat?“ … Er war laut und die Menschen waren mir eindeutig zu viel und zu nah! Auch das hat sich verändert. Letztes Jahr war das noch egal … dieses Jahr einfach  too much. Aber so ist es eben, wenn man da lebt, wo andere Urlaub machen.

Ich freu`mich auf dich, SEPTEMBER!

Kannst Du mich ein wenig verstehen?
Schreibst Du auch gerne?
Wenn Du Lust hast, lass mir Deine Gedanken einfach hier.

Xo Sandra

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