Geschichtenliebe #32
Lesezeit: 2 Minuten

Die bunten Farben eines Sommertages sind immer wieder etwas ganz Besonderes. Manchmal kommen sogar Erinnerungen an früher hoch. Jedenfalls bei mir, wenn ich mit unseren Hunden über bunte Wiesen laufen kann.

Passend zu meiner Lieblings-Jahreszeit, habe ich eine Sommergeschichte ausgegraben. <3
Viel Freude beim Lesen …

BLÜTEN DER ERINNERUNG

Einmal legte ein kleines Mädchen eine himbeerfarbene Kleeblüte, eine sonnengelbe Habichtskraut Blüte und ein himmelblaues Glockenblümchen in ein Buch. Die alte Marga, die einst Lehrerin im Dorf gewesen war und jeden Mittag zu Schulschluss vor dem Schulhaus auf der verschlissenen Holzbank saß, hatte es dem Mädchen am letzten Schultag vor den großen Ferien geschenkt.

Ein Buch über Worte und Sätze und deren Aufbau. Ein Buch für die Ferien. Es sollte dem Mädchen, dem manchmal die Worte fehlten, das Wissen über die Sprache und deren Regeln vermitteln. „Worte sind ein kostbares Gut“, hatte die Marga gesagt. „Vergiss das nie!“

Das Mädchen hatte genickt und gelächelt und an die Farben des Sommertages gedacht. Farben und Düfte, so kostbar und wertvoll, wie Worte. Nach Lesen und Lernen war ihr wenig zu mute. Und während es höflich den Worten der alten Frau lauschte, ließ es seine Blicke schweifen in das Blau des Sommerhimmels, in die Kronen der Linden, deren Blätter mit dem Licht der Sonnenstrahlen spielten, und in Stauden der purpurfarbenen Levkojen, der roten Stockrosen und der cremeweißen Pfeffernelken.

Von den Farben dieses Sommertages hätte es der alten Lehrerin gerne erzählen wollen, doch es fand die Worte nicht. So, wie die alte Marga die Farben nicht zu sehen vermochte. „Lerne die Worte und ihre Bedeutung! Nutze das Buch!“
Mit diesen Worten hatte die alte Frau das Mädchen schließlich in die Freiheit des Sommers entlassen. Mit Ermahnungen und dem Buch, einer alten Grammatik.

Auf dem Heimweg, pflückte das Mädchen auf einer Wiese die Kleeblüte, das Habichtskraut und die Glockenblume, und legte sie in das langweilige, graue Buch. Drei Blümchen mit dem Duft und den Farben des warmen Sommertages. Sie sollten das Buch heller, die Wörter fröhlicher machen.

So dachte das kleine Mädchen, als es das Buch zu Hause auf das Regal in seinem Zimmer legte … und dort vergaß. Da waren jene anderen aufregenden Dinge in diesem Sommer, die interessanter und wichtiger waren als ein Buch mit staubtrockenen Worten! Und als die Familie wenig später das Haus und das Dorf verlassen und auf die Flucht vor dem Krieg gehen musste, landete das Buch mit den Farben des Sommers neben anderen Büchern, Bildern und Fotografien nach langer Reise in einer Truhe auf einem Dachboden.

Es dauert viele Jahrzehnte, bis das Mädchen das Buch der alten Marga wieder in den Händen hielt. Es lächelte, als es die alte Grammatik entdeckte. Die Farben und Düfte jenes sorgenlosen Sommertages wurden lebendig und die stummen Worte setzten sich zu einer Melodie zusammen. Eine bunte Melodie der Erinnerungen.

Viele Worte fielen dem Mädchen, das nun selbst eine alte Frau war, dazu ein. Doch es schwieg. Die Worte die der alten Marga damals so wichtig gewesen waren, interessierten auch jetzt nicht. Was zählte, waren die Erinnerungen an jenen Sommer, den die welken Blüten der Kleeblume, des Habichtskrauts und der Glockenblume nach so langer Zeit noch einmal zurückbrachten.

Elke Bräunling Geschichtensammlung

Vielleicht hast auch Du eine oder mehrere Erinnerungen an frühere Sommertage? Ich wünsche Dir auf jeden Fall eine bunte restliche Sommerwoche, pass auf auf Dich und wenn Du magst, lesen wir uns ganz bald wieder :D

Ciao, Deine Sandra

XOXO Sandra FrauenPunk

Jetzt bist Du gefragt!

Hast Du Anregungen, Ergänzungen oder weitere Tipps für mich und andere Leserinnen? Dann freue ich mich auf Deinen Kommentar.

Ich möchte mit FrauenPunk viele Frauen erreichen und freue mich wenn Du diesen Artikel teilst und weiter empfiehlst. Ich bin Dir für jede Unterstützung dankbar!

Teile diesen Artikel mit Deinen Freundinnen ...

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.