Meine Angst – mein unbequemster, aber treuester Begleiter

Inspiration, Persönliches, Seelenleben

Warum ich aufgehört habe, vor ihr wegzulaufen …

Ich habe lange Zeit geglaubt, die Angst sei mein größter Feind. Sie kam und (kommt) immer dann, wenn ich sie am wenigsten gebrauchen konnte – mitten in der Nacht, auf dem Weg zur Arbeit, beim Einkaufen, im Gespräch mit anderen. Sie nahm mir Luft, sie nahm mir Kraft, sie nahm mir Zuversicht. Und trotzdem: je mehr ich versucht habe, sie zu bekämpfen, desto stärker wurde sie. Heute weiß ich, dass ich nicht gegen sie gewinnen muss. Im Gegenteil. Ich durfte lernen, dass Angst auch eine Funktion hat – dass sie mir etwas zeigen will, mich aufmerksam macht, mich schützt. Und genau deshalb schreibe ich heute darüber: Weil Angst nicht nur lähmen kann, sondern uns auch wachsen lässt, wenn wir sie endlich annehmen.

Natürlich spreche ich nicht von der gesunden Angst, die uns schützt, wenn wir über eine rote Ampel laufen wollen. Ich spreche von den Ängsten, die das Leben schwer machen. Die diffuse Angst, dass etwas passieren könnte. Die Sorgen, die uns schon beim Aufwachen lähmen. Die Angst, nicht zu genügen, nicht richtig zu sein und einfach zu versagen.

Ich glaube sagen zu können, dass mein Leben schon von Kindheit an, von Angst ummantelt war. Meine Ängste reichten von – bis. Ich kenne die Angst nicht nur vom Hörensagen – sie war und ist Teil meines Lebens. In den Jahren danach habe ich dann sehr gerne meine Komfortzone verlassen. Manchmal freiwillig, oft unfreiwillig. Und doch hat sie mir im Nachhinein auch immer wieder etwas gezeigt: Wer ich bin. Wo meine Grenzen liegen. Welche Verletzungen noch heilen dürfen.

Ja, Angst nervt. Aber Angst ist auch ehrlich.
Sie deckt gnadenlos auf, was in uns los ist. Sie lässt sich nicht mit Smalltalk besänftigen und nicht mit einer schicken Maske verstecken. Wenn sie kommt, will sie sagen: „Da gibt es etwas, das du dir ansehen musst.“

Immer habe ich alles versucht, um sie loszuwerden. Arbeit bis zum Umfallen. Ablenkung. Menschen um mich herum, die ich gar nicht so nah an mich heranlassen wollte. Hauptsache, ich musste nicht still werden. Doch irgendwann kam der Knall, und ich hatte keine Wahl mehr. In der Klinik – ohne Handy, ohne Lärm, ohne Flucht – saß ich da. Nur ich und meine Angst. Und zum ersten Mal habe ich ihr zugehört.

Das war unbequem. Schmerzhaft. Aber auch befreiend. Ich habe verstanden: Angst ist nicht mein Feind. Angst ist meine Lehrerin. Sie zeigt mir, wo es hakt, wo alte Wunden sitzen, wo ich noch wachsen darf. Sie zwingt mich, langsamer zu werden, genauer hinzusehen und mir selbst ehrlicher zu begegnen.

Bis Heute taucht sie immer noch auf. Manchmal ruhig und „aushaltbar“,  manchmal heftig. Aber ich renne nicht mehr weg. Ich sage mir: „Hallo, DU schon wieder, willkommen, Angst. Was willst du mir diesmal zeigen?“ Und schon in diesem Moment verliert sie schon ein kleines Stück ihrer Macht!

Abschließend:
Ich weiß, dass es Mut kostet, der eigenen Angst nicht mehr davonzulaufen. Aber genau darin steckt die Chance: Sie wird kleiner, wenn wir ihr Raum geben. Angst kann uns stärker machen, wenn wir sie annehmen. Vielleicht ist sie nicht die angenehmste Begleiterin – aber sie ist ehrlich. Und manchmal brauchen wir genau das.

Also: Wenn dir die Angst das nächste Mal ins Herz rutscht, probier es aus. Atme tief ein. Sag: „Hallo.“ Und hör ihr zu. Vielleicht steckt darin genau die Lektion, die dich weiterbringt.

Xo Sandra

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