Neulich bei der Therapie

Beobachtet, Persönliches

„Eine Wunde heilt nicht, wenn man sie immer wieder öffnet.“

Klingt logisch. Und sogar ziemlich vernünftig!
Nur dachte ich mir: Was machen wir dann überhaupt hier?

In einer Therapie geht man ja ziemlich OFT genau dorthin, wo es wehgetan hat.
Man spricht darüber, erinnert sich, schaut hin, holt Dinge hervor, die man irgendwann schon ziemlich sorgfältig weggepackt hat!
Und danach sitze ich da und denke mir:

Toll, jetzt waren die Dinge alle halbwegs zu – und gerade haben wir wieder darin „herumgestochert“. Danke auch.

Nur ist Öffnen offenbar nicht gleich Öffnen.

Es gibt dieses Öffnen, bei dem wir eine alte Geschichte immer wieder durchleben.
Dieselben Gespräche im Kopf führen. Uns wieder ärgern, wieder hoffen, wieder fragen, warum etwas so war, wie es war.
Wir drehen dieselben Runden – und wundern uns, warum es an denselben Stellen immer noch so viele offene Fragen stehen?
Es weh tut … Das hält eine Wunde offen.

Und dann gibt es dieses andere Öffnen.

Hinsehen. Reinigen. Verstehen. Versorgen.
Auch etwas sehr unangenehmes. Manchmal sogar verdammt schmerzhaft. Nur mit einem anderen Zweck.
Und da wird es für mich  jedesmal schwierig:

Denn woher weiß ich eigentlich, ob ich gerade etwas aufarbeite – oder nur wieder aufreiße?
Manchmal nennen wir etwas „Aufarbeitung“, obwohl wir seit Jahren dieselbe Runde drehen.
Und manchmal glauben wir, wir sollten etwas endlich RUHEN lassen, obwohl es unter der schön zugewachsenen Oberfläche noch ordentlich arbeitet!

Und dann kommt die Therapie daher und sagt sinngemäß:
„Da schauen wir noch einmal hin.“
Und da denke ich:

Müssen wir? Wirklich?
Da war doch gerade so schön „Gras“ drüber?

Meine jahrelange Erfahrung sagt mir – manche Wunden müssen tatsächlich noch einmal geöffnet werden, damit sie richtig heilen können!
Dazu braucht es viel Feingefühl.
Man sollte nur irgendwann aufhören, ständig nachzusehen, ob sie noch weh tun.

Schon eigenartig: Um etwas endlich in Ruhe lassen zu können, muss man es vorher offenbar noch einmal ziemlich gründlich beunruhigen.

Neulich bei der Therapie eben … 🙂

Xo Sandra

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