Rauslassen oder runterschlucken?
Lesezeit: 4 Minuten

Das Ärgerliche am Ärger ist, dass wir uns selbst schaden, ohne etwas an dem zu verändern, worüber wir uns ärgern. So stellt sich die Frage, soll man seinem Ärger Luft machen oder besser runterschlucken? Wenn der Partner oder Freunde überkochen, man selbst aber still und leise dahin brodelt, ist die Luft zum Schneiden dick. Wie viel sollten oder können wir in einer Beziehung runterschlucken? Heute mal mit einer Beziehungsanalyse.

Also bei  mir ist es ja so. Ich neige dazu relativ schnell zu sagen was ich nicht will. Mit was ich nicht einverstanden und was mir gegen den Strich geht, herauszulassen. Das mit dem „Schlucken“ hab´ ich also definitiv nicht erfunden. ›lach‹ Seit vier Jahren sind wir nun ein Paar. Wir arbeiten zusammen, wohnen zusammen und sind uns in vielen Dingen sehr ähnlich.

Mein Herzmensch und ich haben den gleichen Geschmack, ob es um Klamotten, Einrichtung oder Bücher geht. Wir lieben denselben Lebensstil, sind uns immer einig, wenn es ums Essen geht. Kurz gesagt wir sind uns im alltäglichen Dingen meistens einig. Kommt es aber trotzdem mal zu Unstimmigkeiten, bewältigen wir diese grundverschieden.

Da es aber nicht um mich geht, sondern ich dieses Thema allgemein beschreiben möchte, war’s das auch schon wieder mit dem über die Schulter blicken! :D

Was bringt uns aus der Ruhe?

Ich glaube der kleine Einblick in meinen Beziehungsalltag, das kennen sicherlich sehr viele. Es passt alles wunderbar nur das Anpacken oder auflösen mancher Unstimmigkeiten wird manchmal zur Geduldsprobe. Wird ein für uns wichtiger Termin vergessen oder er kommt zu einer Verabredung zu spät, können wir Frauen uns ausgiebig darüber ärgern! Frauen möchten das Thema bis zum Ende durchdiskutieren. Männer dagegen strengt das an.

Selbstverständlich kenne ich Paare, wo die ganze Sache umgekehrt läuft. Die Frau total gelassen und alles ist gut. Und der Mann mutiert zur Drama-Queen. Ja, das gibt es tatsächlich.

Ich bin ja, wenn ich so darüber nachdenke, ein komisches Wesen. Ich würde von mir behaupten, dass mich nicht oft etwas aus der Ruhe bringt. Manchmal wird mir sogar gesagt, mir sei alles egal, was aber überhaupt nicht stimmt! Oft habe ich einfach nur einen anderen Blick auf gewisse Dinge und wenn mal etwas wirklich schiefläuft oder mich ärgert, würde mich das innerlich zerreißen, wenn ich es nicht herauslassen könnte! Es gibt also für mich wieder mal nix dazwischen. ›lach‹. Entweder bin ich im Gelassenheitsmodus oder ein Tornado!

Aber zurück zum Thema: Wer muss jetzt Rücksicht auf wen nehmen und kann man überhaupt verlangen, dass Ärger einfach runtergespült wird?

Dauerhaft verdrängen ist ungesund

Man sagt ja, Wut und Ärger darf man nicht schlucken – das gibt Magengeschwüre! Ich habe mich in meinem Leben schon sehr viel geärgert, das Ergebnis waren so einige Symptome aber ein Magengeschwür war noch nicht dabei. Deshalb kann ich dem Volksmund da nicht unbedingt zustimmen.

Doch ich weiß, ständiges Verdrängen von Dingen, die einem stören, bringen verdammt schlechte Laune. Wir sind gereizt, angespannt und im schlimmsten Fall kann ein „Tobsuchtsanfall“ daraus werden (mein Tornado). ›lach‹ Dauerhaft verdrängen ist in meinen Augen auf jeden Fall ungesund. Ständiges diskutieren und aufregen aber auch!

Die Auslöser

Bei mir ist es ja so, wenn ich reflektiere, weshalb bzw. worüber ich mich die letzten Male so geärgert habe, muss ich feststellen, dass es Situationen waren, die es gar nicht wert waren so übertrieben zu reagieren. Ob nun das Handtuch im Wäschekorb gelandet ist oder immer noch am Hacken hängt, ob das in Ordnung gebrachte Sofa nach fünf Minuten genauso aussieht wie davor oder ob ich im Gang xmal anrufen muss, bis mein Herzmensch endlich mal an sein Telefon geht, … all diese Dinge finde ich am nächsten Tag lächerlich!

Was mich allerdings schon wütend macht ist, wenn ich nicht ernst genommen werde. Wenn ich persönlich angegriffen oder mich respektlos behandelt fühle. Oder man mich sogar verletzt. Auch wenn es solche Situationen in meiner Beziehung heute nicht mehr gibt – ich kenne sie nur allzu gut von früheren. Das Verhalten oder die Wortwahl des anderen, hat mir damals das Gefühl gegeben, unfähig und dumm zu sein.

Fehlendes Selbstwertgefühl

Jeder von uns möchte ein wertvoller Teil der Gesellschaft sein. Wir möchten anerkannt, toleriert und gemocht werden. Der Schlüssel dazu ist unser Selbstwertgefühl. Je weniger wir davon besitzen, umso größer wird unser Wunsch, Teil des „Ganzen“ zu sein und umso leichter fühlen wir uns übergangen, unverstanden und angegriffen! Das spielt auch in unseren Beziehungen eine wichtige Rolle.

Ein weiterer Grund warum wir uns manchmal so sehr ärgern sind unsere Erwartungen und Forderungen in der Beziehung. Grundsätzlich an unsere Mitmenschen und das Leben generell. Ich glaube, es ist sehr wichtig den feinen Unterschied zwischen einem Wunsch und einer Forderung zu erkennen!

Wenn wir uns nämlich nur wünschen das alles nach unseren Vorstellungen laufen würde, dann sind wir nur enttäuscht, wenn das Gewünschte nicht ein und zutrifft. Sind wir wütend und ärgern uns so richtig darüber, ist das ein Zeichen für eine Forderung, auf die wir innerlich bestehen.

Also ist es sehr wichtig unsere Forderungen zu (er)kennen und lernen, sie durch Wünsche zu ersetzen. Dabei wird unser Alltag inklusive der partnerschaftlichen Konfliktsituationen sehr viel gelassener. :D

Wir entscheiden, ob wir schlucken oder an die Decke gehen

Also mit anderen Worten: Wir müssen uns gar nicht über unseren Partner oder irgend eine andere Person aufregen, sondern ausschließlich darüber, dass wir uns überhaupt von ihnen aus der Form bringen lassen! Das bedeutet nämlich das sie eine Schwachstelle (Selbstwert) bei uns gefunden haben.

In den vielen Jahren des zusammen Lebens mit den unterschiedlichsten Menschen ist mir eines immer wieder ganz bewusst geworden: Wir können unsere Mitmenschen und Partner nicht verändern. Wir können Kompromisse eingehen ja, aber wir können und dürfen auch Menschen nicht verformen. Das gelingt nur ganz kurz.

Man muss in einer Beziehung nicht zu allem JA und AMEN sagen. Man muss auch nicht alles gut finden. Ganz bestimmt nicht. Nur eines weiß ich zu 100 %. Wut und Frust ändern meistens gar nichts und sorgen nur dafür, dass unser Partner auch unangemessen reagiert.

Die Antwort auf den Titel meines Artikels wie viel schlucken und wann rauslassen in einer Beziehung ist genauso einfach wie kompliziert:

Ich äußere mich heute öfter zu Themen über die ich in meinen früheren Beziehungen geschwiegen hätte. Ich versuche sachlich zu bleiben. Respekt spielt dabei immer die Hauptrolle. Wir – mein Herzmensch und ich, begegnen uns auf Augenhöhe und wenn es dennoch mal einen Tornado gibt, ist der Himmel danach blauer als zuvor! <3 Es kommt immer auf das WIE an.

In diesem Sinne, das Schönste nach einem Gewitter ist zu beobachten wie die Sonne die Straßen wieder trocknet.
Pass auf Dich auf und lasse Dich nicht aus der Fassung bringen. :-)

XoXo Sandra FrauenPunk

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