Ständige Angst? Wir sollten reden …
Lesezeit: 4 Minuten

Wir reden viel zu wenig über die Themen, die uns gerade auf der Zunge brennen. Es gibt so viele Dinge, die wir einfach immer schön flach halten, obwohl sie uns so beschäftigen! Gesprochen wird über so vieles. Manchmal reicht schon ein Kopfschütteln. Gerüchte über Menschen, die wir nicht mal persönlich kennen. Über Dinge, die uns bewegen oder nerven. Warum also nicht über ANGST reden?

Angetrieben, dass ich diesen Artikel hier schreibe, hat mich wiedermal eine treue Leserin. Ein Wort ergab das andere und stehen geblieben sind wir bei dem Thema Angst. Ich fühlte mich sofort wieder in eine andere Zeit versetzt, wo Angst mein Leben dominierte. Ich hatte vor 100 Dingen Angst. Heute sind es nur mehr eine Handvoll Sachen, die mir Angst machen.

Ich hatte zum Beispiel ständig Angst, die Kontrolle über mein Leben zu verlieren. Angst das ich die Kurve nicht mehr kriege, in die ich ständig viel zu schnell hinein raste! Ich hatte Angst vor Halteschleifen in der U-Bahn, vor öffentlichen Toiletten, vor zu engen Räumen, vor zu lauten Menschen. Und vor Krankheit. Ich hatte Angst, plötzlich auf der Straße zu sitzen und ich hatte Angst, dass Menschen meine Witze nicht verstehen und vor der Stille danach …

Angst ist ein abscheuliches Gefühl

Ich denke, das brauche ich niemandem erzählen. In jedem Lebensratgeber steht geschrieben: Lass Dich von Deiner Angst nicht dominieren. Sei stark und mutig und tu all die Dinge, vor denen Du Angst hast …

In den ersten Versuchen meine Angst irgendwie in den Griff zu bekommen, sah das dann so aus: Ich stieg in die U-Bahn und hielt mich an diesen ekelhaften Schlaufen fest. In meinen Gedanken sah ich Menschen, die Ihre Erreger an den Griffen platzierten. Schmutzige schmierige Leute …, wenn ich den Ratgeber gefolgt wäre, hatte ich auch das Händewaschen danach vermeiden müssen – das habe ich aber NIE geschafft. In Wahrheit hätte ich das Bedürfnis verspürt, mich total unter eine Dusche zu stellen!

Es ist nur ein Beispiel von sehr vielen gewesen, mit denen ich zu kämpfen hatte. Lebensratgeber sind okay. Ich möchte sie nicht schlecht reden, schließlich habe ich eine ganze Bibliothek leer gelesen. Geholfen haben mir nur ganz wenige Bücher. In kleinen Schritten sollen sie uns anleiten, aus jeder negativen Situation, eine positive zu machen. Sie wollen uns beruhigen und uns sagen, dass alles gar nicht so schlimm ist und die ANGST nur aus fünf Buchstaben besteht, jawohl!

Ja, und so richtet „man“ sich ein. Versucht sich selbst zu beruhigen und geht täglich irgendwelchen „Mutproben“ nach. Und mit „man“ bin ich natürlich selbst gemeint. Oder kennst Du das auch?

Angst ist anstrengend und sie nervt

Ängste und Katastrophengedanken, sind für Menschen, die nicht betroffen sind, kaum vorstellbar. Ich habe nicht nur einmal erlebt, dass ich deswegen ausgelacht wurde. „Ach komm, stell Dich doch nicht so an, ist ja nur ein Aufzug, ein Griff von einem Einkaufswagen.“ Und vieles mehr.

Aber die Wahrheit ist, die richtige, die schlimme, nicht beschreibbare Angst, interessiert sich nicht für das Gerede anderer Leute! Sie pfeift auf richtiges Atmen und Yoga samt Meditation! (Jedenfalls am Anfang) Sie interessiert sich nur für eine einzige Person, einen selbst.

In der Zwischenzeit weiß ich jede Menge über diese fünf Buchstaben und ich weiß eine ganze Menge über mich selbst.

Ein wenig von allem, war mir noch nie genug

Dieses „wenig“ wird gerne in den Ratgeber be- und umschrieben. Es reicht aber nicht aus, um die Angst in den Griff zu bekommen. „Hin und wieder mutig sein“ reicht nicht aus um das Leben wirklich unter Kontrolle zu haben!

Das Einzige, das mir wirklich geholfen hat, war fremde Hilfe von Außen und zwei ausschlaggebende Worte: „TU ES“.
Und nicht, mach es ab und zu oder ein wenig … Ich meine jetzt die wirklich großen Dinge die Angst machen, egal wie schwer sie sind.

In meinem Fall bedeutete das, ich packte meine Taschen neu. Ich kümmerte mich um MICH und meine Ängste durch professioneller Hilfestellung. Ich zog aus und um. Andere Menschen. Es war ein großes Date mit 80 % meiner Ängste! Und ich trainierte mir an, zu sagen, was ich will und brauche. Das ist gar nicht so leicht, schließlich könnte „man“ ja nicht gehört werden, oder jemand sagt: „Nein, bekommst Du nicht.“

Die Ängste wurden durch all diese Veränderungen kleiner. Sie sind keinesfalls weg, sie schreien mich sogar oft ziemlich an und nerven wie früher. Aber sie sind weniger geworden. Die Art der Angst hat sich verändert und ich habe gelernt damit umzugehen.

Die Angst ist ein Richtungszeiger

Sie sagen entweder lauf weg, verkrieche Dich, bleib wo Du bist, lass es sein. Aber jede Tafel kann man umdrehen! Und so kann aus jedem: „Bleib wo Du bist“ ein: „Suche nach Neuem“ werden. Aus jedem „Lauf weg“ ein „Bleib stehen und schau was passiert“ werden … es gibt immer eine andere Sicht auf die Dinge, die wir fürchten!

Ich glaube das zu verstehen ist Gold wert. Es führte mich zu einem entspannteren Leben. Folge ganz beharrlich DEINEM inneren Richtungszeiger. Du wirst sehen, die Welt wird weiter, die Luft klarer, die Sonne heller und DU freier. Und irgendwann stehen dann nur noch rote STOP Schilder an den wirklich gefährlichen Orten!

Und dazwischen? Dazwischen ist Dein Horizont und Deine Neugier … ›lächel‹

Ich habe gelernt, dass Mut nicht die Abwesenheit von Angst ist, sondern der Sieg über sie. Der Mutige ist nicht der, der keine Angst hat, sondern der, der seine Angst besiegt.

Nelson Mandela

XOXO Sandra FrauenPunk

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3 Kommentare
  1. Ela
    Ela sagte:

    Liebe Sandra,

    was für ein toller und wertvoller Beitrag. Leider habe ich mich, bei vielen deiner Punkte, selbst wieder gefunden. Es ist zwar lange nicht mehr so schlimm, wie zu Zeiten, als ich noch ein Teenager war. Denn da habe ich stets mir selbst die Antworten auf Frage an andere gegeben und die waren stets nicht gerade positiv. Heute habe ich, mit über fünfzig, gelernt, dass man das nicht machen sollte. Es fällt mir zwar immer wieder mal schwer einfach loszulassen und die Dinge so zu nehmen, wie sie sind (da ist die Angst), aber es wird und ich fange an besser zu leben.

    Danke also für deine tollen Beiträge und bitte noch mehr davon.

    Grüßle Ela

    Antworten
    • Sandra
      Sandra sagte:

      Liebe Ela,

      Und wieder ist es doch so, dass wir erst manchmal eine lange „Vorlaufzeit“ benötigen, bis wir wissen, wie wir mit diversen Gefühlen umgehen können. Angst hat jeder Mensch. Die Angst hat rettet uns auch ständig das leben! In den Alltäglichen Situationen des Lebens.
      Anders ist es mit Existenzängsten, Ängsten die aus Krankheit entstehen oder Panik usw.

      Angst kann ein reiner Energiezieher sein und dabei unser Leben blockieren. Und das darf nicht sein. Das zu erkennen und richtig damit umzugehen, sollten wir lernen – und es ist möglich, da ich selber unter vielen Ängstzusänden leide. Würden wir uns der Angst „hinstrecken“ … wäre das Leben ein sehr mühsames und einsames!

      Danke für Deine Gedanken dazu, und ich wünsche Dir ALLES bloß keine Angst die Dich blockiert :D
      Hab’s gut und pass auf auf Dich

      Sandra

      Antworten
      • Ela
        Ela sagte:

        Liebe Sandra,

        vielen Dank für deine lieben Worte. Ja wenn ich doch so einfach die aufkeimende Angst bewältigt bekäme. Aber ich arbeite daran.

        Grüßle Ela

        Antworten

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