Gedankengänge #50
Lesezeit: 4 Minuten

Wau … mein fünfzigster „Gedankenbeitrag“. In Wahrheit würde ich ausschließlich Gedankengänge schreiben aber das kann ich euch nicht antun. Sie zeigen mich immer von einer sehr persönlichen Seite. Manchmal sind es auch Geheimnisse wozu ich mich entschließe, sie zu „lüften“ … so wie heute :D. Ich würde mich freuen, wenn Du mich liest.

ICH, die ängstliche Denkerin

Schon als Kind habe ich mir über alles Gedanken gemacht. Ich wollte die ganze Welt verstehen und meinen Platz darin finden. Klingt jetzt, wenn ich es schreibe, sehr philosophisch, aber es hat mir mein Leben immer schwer gemacht. Die Gedankenmacherei führt zum Grübeln und das ständige Grübeln, nahm mir meine Leichtigkeit und Unbeschwertheit. Wenn diese Eigenschaften schon als Kind fehlen, ist das Leben nicht sehr bunt.

Während meine Freunde einfach machten, dachte ich schon wieder weiter und sorgte mich. Gerade in der Nacht war diese Sorge sehr stark vorhanden. Ich sorgte mich um meine Eltern, später um das Leben, die Liebe und meinen Job. Jetzt sorge ich mich um mich, meinen Körper … Menschen die mir nahestehen …

Die Gedanken waren immer dieselben. Was, wenn ich einfach nicht genüge? Was, wenn es kein positives Ende nimmt? Was, wenn ich plötzlich keinen Job mehr hätte? Was, wenn meine Ehe nicht funktioniert? Was, wenn die Welt keinen Platz für mich bereithält? Ich hatte so unendlich viele „WAS“ auf Lager, dass ich sie gar nicht aufzählen konnte. Ich weiß nur, es war ein unerträgliches Gefühl. Ich wollte einfach immer auf Nummer sicher gehen.

Ich wurde zum Kontroller und eine echte Perfektionistin. Ich machte Sport … sehr viel Sport. Und ich war gut und diszipliniert. Ich arbeitete an meinen Projekten und ich stieg die Sprossen empor. Ich konnte Beruf, Familie und Partner perfekt integrieren. Alles war wunderbar und kein Problem für mich. Es gelang mir, weil ein „Nicht-Gelingen“ keine Option für mich war.

Irgendwann begriff ich aber schon, dass ich all das aus einer falschen Motivation heraus tat. Trotzdem konnte ich es einfach nicht sein lassen. Damals fehlte mir das Gefühl dafür, dass es auch andere Optionen geben würde. Der große Knall kam erst sehr viel später und so lief alles unauffällig weiter. Der daraus entstandene Leidensdruck dümpelte also vor sich hin. Da sieht „Frau“ nicht, dass sie ihr Leben neu ausrichten könnte. Und so bleiben wir eine Gefangene unseres eigenen Glaubensgerüsts!
Vielleicht fragst Du Dich weshalb ich den letzten Satz mit WIR formuliert habe? Ich bin mir sehr sicher, dass meine Vorlage kein Einzelfall ist. ›zwinker‹

Ciao Köpfchen, hallo Bauch!

Mein Perfektionismus und meine Grübeleien haben mir vermeintliche Sicherheit gegeben. Sie hatten eine richtige Funktion in meinem Leben, das wusste ich und war mir klar. Aber vielleicht weißt Du, wie ermüdend es sein kann, wenn wir etwas machen, obwohl wir es doch besser sein lassen sollten?

Irgendwann saß ich geistesabwesend am Sofa und hörte nebenbei den Stimmen im Fernsehen zu. Es ging um Wölfe. Herdentiere und ihr Verhalten. Sie handeln alle aus dem Bauch heraus. Ihr Instinkt sagt ihnen was zu tun ist. Dieser eigentlich triviale Film berührte mich plötzlich sehr. Ich fühlte seit langer Zeit wieder was mein Körper ohnehin schon längst wusste.

Wir Menschen haben diesen ehrlichen und unerschütterlichen Kompass genauso in uns! Manchmal können wir einfach nur nicht darauf zugreifen, weil er so zu gebuddelt ist … von anderen Dingen verschüttet ist.

Es geht vielen Menschen so

Ich dachte natürlich wieder mal genauer darüber nach und ich merkte, dass so viele Menschen genauso ticken wie ich. Es fällt den meisten schwer sich auf ihr Bauchgefühl zu besinnen. Das motivierte mich und machte mir Mut. Schließlich musste es doch auch für ängstliche Denkerinnen wie mich, Spontanität, Leichtigkeit und eine extra Portion „was solls“ geben!

Ich stellte mir die Frage: Was hält mich davon ab, meine Intuition ernst zu nehmen? Weshalb vertraue ich meinem Verstand mehr als meinem Bauch? Vielleicht fragst Du Dich das ja auch ab und zu? Mir war klar: Es gab noch sehr viel mehr als nur meine Ängstlichkeit in mir, die mich immer wieder in alte steife Gedankenmuster zog!

In mir tanzten viele Tänzerinnen und genau DIE, musste ich genauer unter die Lupe nehmen um sie „aufzulösen“. Soviel kann ich Dir jetzt schon sagen – Du glaubst gar nicht wie viel leichter das Leben sein kann, wenn man diese „Dauertänzer“, die man in sich hat, erstmal durchschaut hat und ihnen verbieten kann zu tanzen!

Nun meine Tänzer hatten klare Namen.

Der Tyrann

Dieser tanzte die Hauptrolle. Er gab mir Glaubenssätze vor und bestimmte, wie ich mich in der Welt zu verhalten habe. Er sagte mir nur selten direkt seine Meinung, sondern seine Stimme schwingt unterschwellig überall mit.

Meine innere Kritikerin

Dieses Luder. Wer kennt sie nicht? Für mich ist sie die Schlimmste unter all den Tänzern! Sie versteht sich natürlich blendend mit der Hauptrolle – dem Tyrannen. Sie wollte verhindern, dass ich an mein wahres Potenzial gelange. Sie ließ mich also immer peinlichst genau wissen, wenn ich mich NICHT an die Regeln des Tyrannen gehalten habe. Eine Aussage von ihm war ja ständig:

„Sei immer perfekt, sei freundlich, lieb und nett und am besten rede erst dann, wenn du gefragt wirst und das sehr leise. Dann wirst du auch geliebt …“

Und der Letzte im Bunde
Der Angsthase

Ohne ihn wäre das Trio nicht komplett gewesen und hätte wahrscheinlich auch nicht funktioniert. Natürlich wollte auch er mir den Weg zu meinem wahren Potenzial verbauen. Er wollte mich ganz klein und angepasst halten! Es gab nur einen Unterschied: während die anderen die „Sprachpeitsche“ schlugen, kam er ständig positiv und sogar freundlich und besorgt zu mir.

In ruhiger freundlicher Stimme erzählte er mir, dass ich die anderen beiden verstehen solle. Es wäre besser das zu tun was sie mir raten, denn plötzlich dagegen zu agieren, sich vielleicht sogar trauen aus der Reihe zu tanzen, ist schließlich sehr kraftintensiv!
„Halte dich zurück, so vermeidest du Streit. Lass alles beim Alten so steigst du niemandem auf die Füße. Sicherheit ist schließlich besser als jedes Risiko …“

So war das immer. Diese drei haben mir mein Leben ganz schön lange richtig schwer gemacht. Aber ich habe gelernt, mich und meine inneren Anteile genau kennenzulernen. Zuzuhören, ohne ihnen direkt folgen zu müssen. Dadurch hat sich das (mein) Leben verändert. Ich habe dadurch meinen Mut wiederentdeckt. Die Vielfältigkeit meiner Seele kennengelernt! Diese „Tänzer“ in mir habe ich in die Wüste geschickt. Seit sie fort sind, fühle ich mich wesentlich wohler in meinem Körper. Meine negativen Grübeleien bestimmen nicht mehr über mein Leben!

Ich kann Dir wirklich versichern, wir alle haben so viel mehr Macht als wir denken! Es geht immer nur darum, ins TUN zu kommen und zu verändern ›lächel‹. Zum Schluss fällt mir nur noch eines ein.

Auf uns … auf unser Leben! Es lebt sich besser ohne Tänzer!

Xo Sandra

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