Gedankengänge #56
Lesezeit: 4 Minuten

Von Schutz, Liebe und innerer Heilung …

In meinen Gedanken geht es heute um mein inneres Kind. Ich habe ja schon mal darüber einen Beitrag geschrieben, falls Du nachlesen möchtest: Das Ding mit dem inneren Kind. Der Begriff „Das innere Kind“, ist ja den meisten Menschen nichts Fremdes. Aber vielleicht ist es auch das erste Mal, dass Du diesen Begriff hörst. Ich halte sehr viel von diesem Thema, weil es ein sehr tiefes und wichtiges ist. Über das alleine könnte ich schon ein Buch schreiben, so viel beschäftige ich mich damit.

Das „Innere Kind“ ist eine Art Metapher für unsere Erfahrungen, die wir in der Kindheit gemacht haben. Es geht quasi darum, unsere Vergangenheit zu betrachten und zu verstehen, warum wir so sind wie wir sind! Aber vor allem auch, warum unsere Reaktionen auch heute als erwachsene Frau/Mann, uns manchmal willkürlich erscheinen und uns verunsichern.

Vieles was früher passiert ist, ist unbewusst geschehen. Ich habe sehr viele prägende Erfahrungen als Verletzungen abgespeichert. Vielleicht kennst Du das ja auch von Dir selbst. Symbolisch geht es darum, einen Kontakt zu diesen inneren Verletzungen herzustellen und sich „liebevoll“ um diese zu kümmern. Dabei nimmt der „Innere Erwachsene“ ganz fürsorglich den Kontakt zu dem inneren Kind auf.

In meinem Fall war die Arbeit mit meinem inneren „kleinen Mädchen“ das Heilsamste und intensivste, was ich gemacht habe. Es war DER Schlüssel zu tiefer und ehrlicher Selbstannahme!

Meine und Deine Persönlichkeit teilt sich in unterschiedlichen Rollen auf. Wir sind Tochter, Schwester, Freundin vielleicht auch Mutter. Wir sind Vorgesetzte oder Angestellte. Wir sind die „laute“ und die „leise“ … wir sind ALLES! Und so sind wir auch Kind und Erwachsener. Dabei bewerten wir auch sehr gerne, anstatt das Potenzial der einzelnen Bereiche zu sehen!

Mein Leben wäre mir viel zu langweilig …

Würde ich mich immer nur von einer Seite zeigen dürfen ›lach‹. Wenn ich immer nur einen einzigen Bereich „bedienen“ dürfte! Wir be- und entwerten uns alle viel zu oft. Ich selbst erwische mich gerne dabei, wenn ich sage: „das bin ich eigentlich gar nicht“… DOCH, bin ich, ich zeige eben nur eine andere Seite von mir. Und es ist ganz wichtig das zu verstehen.

Die Erfahrungen meiner Kindheit, und vielleicht auch Deiner, haben mich stark geprägt und sie beeinflussen mich heute noch im alltäglichen SEIN. Es muss nicht bedeuten, dass unsere Kindheit immer schlecht war. Das kann jeder nur für sich selbst beantworten. In Wahrheit geht es bei der Arbeit mit unserem inneren Kind NICHT darum, Schuldzuweisungen zu machen, es ist eine Hilfestellung.

Diese Arbeit ist ressourcenorientiert und arbeitet hauptsächlich damit, uns nachträglich zu nähren als Schuld zu verteilen. Je verletzter unser inneres Kind ist, umso einsamer und überforderter es sich fühlt, umso stärker ist auch der Einfluss auf das Erwachsenendasein.

Bei mir sind es dann die Momente, wo ich das Gefühl habe, es reißt mich in zwei Teile! Wenn es innerlich laut wird und einfach keine Ruhe aufkommen mag. Körperliche Symptome wie Schmerzen im Bauchraum, Schwindel und Tinnitus sind dabei spürbar. Mein innere „Kleine“ zeigte sich gerne in dieser Form.

Es gab auch ganz viele Situationen, in denen Außenstehende zu mir sagten: „Du bist so eine taffe starke Frau, was Du alles auf die Reihe bekommst, trotz der Umstände“. In mir drinnen kam dabei sofort der Impuls hoch, demjenigen sofort ins Gesicht springen zu wollen und dabei laut zu schreien: „Sag, siehst Du eigentlich nicht, wie scheiße es mir wirklich geht?“

Ein Schutzmechanismus

Wer als Kind nur wenig Liebe und Aufmerksamkeit, dafür viel Schmerz, Zurückweisung oder sogar Missbrauch, erleben musste, kann sein inneres Kind nicht annehmen! Ganz unbewusst allerdings. Das ist eine Art Schutzmechanismus des Körpers, der somit die schmerzhaften Erfahrungen bewusst oder unbewusst zur Seite schiebt, damit man sie nicht noch mal fühlen muss!

Vor ein paar Jahren kam bei mir der Punkt, an dem ich dieses Thema aufgreifen wollte. Ich wollte, bzw. musste mich damit auseinandersetzten. Ich wollte mir selbst DAS geben, was mir als Kind so gefehlt hat. Ich wollte mir selbst eine liebevolle gute große Schwester sein. Eine Freundin, die immer für mich da ist und gut für mich sorgt. <3

Mein in die Ecke gepacktes innere kleine Mädchen entwickelte nämlich ein heftiges und zerstörerisches Eigenleben! Ich habe sie zu lange ignoriert. Deshalb ist es so wichtig, sich damit zu beschäftigen!

In meiner Geschichte gab es sogar zwei Mädchen, die sich immer wieder bemerkbar machten. Die eine, sie war die „Laute“ und wesentlich älter als die andere. Immer auf der Suche nach Anerkennung, Liebe und auf der Suche nach einer großen Bühne, auf der sie sich präsentieren konnte! War das nicht der Fall, rastete sie aus. Sie flippte förmlich aus und tat Dinge die sie anschließend immer bereute …

In der dunkelsten Ecke in mir saß da noch jemand. Ein kleines zartes Mädchen. Ihr Gesicht zwischen den Beinen geklemmt. Sie war die, die keinen Kontakt zu anderen wollte. Sich niemandem anvertrauen konnte. Sie saß wie versteinert da. Still und stumm. Aus einem ganz einfachen Grund: Sie hatte Angst das Falsche zu sagen, falsch zu sein und wieder verletzt zu werden …

Es war ein Teufelskreis.

Mir hat das SEHR geholfen, mir das ganze bildlich vorzustellen. Es fiel mir leichter dem Ganzen einen inneren Platz zu geben. Vielleicht findest Du auch ein inneres Bild, dass Dir verdeutlicht, wie DEIN inneres Mädchen oder vielleicht sind es auch wie bei mir mehrere, leben?

Nachdem ich mir über meine beiden verletzten Kinder im Klaren war, begann ich mich um sie zu kümmern. Ein Teil dieser Arbeit war einen Brief zu schreiben an meine zwei Mädchen in mir. Und weil ich mir sehr gut vorstellen kann, dass Dich dieser Brief unterstützen kann, wenn Du vielleicht selbst im Konflikt mit Deinem inneren Kind sein solltest, werde ich ihn hier veröffentlichen. <3

An meine Mädchen …
Hallo meine Kleinen,
ich danke euch, dass ihr jeden Morgen aufgestanden seid.
Danke, dass ihr jeden Tag gemeistert habt.
Danke, dass ihr nie aufgehört habt zu träumen. Ich verstehe euch so gut. Ich kann eure Not sehen.
Ich verstehe, wie es ist, sich selbst so zu hassen. Ich sehe eure Wunden, eure Narben, eure Ängste.
Ich sehe, eure schlaflosen Nächte. Aber ich bin da!
Ich war es nicht immer, aber jetzt kann ich euch beschützen!
Danke, dass ihr solche Kämpferinnen wart und nie aufgehört habt, an euer großes Herz zu glauben.
Ich bin wahnsinnig stolz auf euch und ich verspreche, euch nie wieder alleine  zulassen!
Es ist vorbei, … es ist endlich vorbei. Ihr seid bei mir sicher.
Niemand hat euch diese Schmerzen mit Absicht zugefügt.
Ab jetzt könnt ihr euch bei mir fallen lassen  … <3

Das war mein Beginn einer sehr wichtigen und notwendigen Beziehung zu meinen inneren Kindern.
Die intensivste aber schönste Arbeit mit mir selbst, die ich je gemacht habe.

Was möchtest DU Deinem inneren Kind sagen?

Ein sehr persönlicher Gedankengang mit positivem Ausgang. Ich würde mir wünschen, dass ich Dich damit abholen kann.
Pass gut auf, auf „EUCH“.

Xo Sandra

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2 Kommentare
  1. Maike
    Maike sagte:

    Es ist so toll geschrieben und formuliert…
    Danke dass du deine Gedanken und Erfahrungen teilst.
    Mir kamen beim Lesen die Tränen…
    Ich fand mich direkt 1zu1 wieder…
    Der Tipp mit dem Brief ist genial, …
    Danke nochmals…

    Antworten
    • Sandra
      Sandra sagte:

      Ciao Maike,
      sehr sehr gerne!Tränen reinigen unser Herz und un sere Seele! Deshalb sei Dankbar für Dein „Nass“:D
      Schreiben hat so wahnsinnig viel Macht! Wir unterschätzen es leider viel zu sehr.
      Schön wenn Du Dich inspiriert fühlst <3

      Eine schöne Zeit und alles liebe,
      XO Sandra

      Antworten

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