Geschichtenliebe 13 Weihnachten

Ich bin ja dieses Jahr wirklich sehr auf Weihnachten eingestimmt! Wie ich schon mal zitierte: Weihnachten ist für mich keine Jahreszeit … es ist ein Gefühl! Ich hatte dieses Jahr auch richtig Lust Kekse zu backen und die Terrasse mit Mistelzweigen zu schmücken. Ich genieße die Abende mit Tee, Lebkuchen (nicht selbst gebacken *zwinker*) und vorweihnachtlicher Musik. Jürgen schmunzelt nur noch wenn ich sehr oft und sehr lange verschiedenste Weihnachtslieder vor mich hin pfeife, summe und singe, sofern mir der Text einfällt! … so bin ich normal gar nicht, aber dieses Jahr hab ich das richtige Gefühl eben in mir! 🙂

Der Konsumwahn lässt mich kalt, ich sehne mich eher nach der Zeit als die Weihnachtszeit noch etwas Besonderes war. Sich Zeit für die Familie und die Menschen zu nehmen, die man mag. Die Erinnerungen die mir geblieben sind, wenn unser Vater mit uns kniehoch durch den Schnee zu unseren Großeltern gestapft ist, damit unsere Mutter die Ruhe und die Zeit fand, den Baum auf Hochglanz zu bringen. 🙂 Diesen Spirit wünsche ich mir zurück … das alles wird zwar nie mehr so sein, aber ich hab eine schöne Weihnachtsgeschichte für dich, die zum Nachdenken anregen soll, denn Weihnachten sollte niemand alleine sein!

Einsam am Heiligen Abend

Herr Sörensen war mein Lehrer in der ersten Klasse. Es war ein netter Lehrer. Im Winter bröselte er sein ganzes Pausenbrot für die hungrigen Spatzen vor dem Fenster zusammen. Er erzählte uns eine Menge über all die vielen Vögel die es gab. Aber seine Augen blieben immer betrübt. In der Stadt sagte man, Herr Sörensen sei ein sehr wohlhabender Mann! Ich hatte mal meine Mutter gefragt weshalb ein so wohlhabender Mann weinend auf der Bank sitzt? Das hatte ich in meiner Pause mal beobachtet…

„Herr Sörensen ist vielleicht deshalb so betrübt und traurig weil er so alleine ist“, sagte meine Mutter. „Hat er den keine Geschwister und Freunde?“ fragte ich. „Nein – er ist ganz alleine auf der Welt …“ Als dann Weihnachten da war, sandte mich meine Mutter mit Weihnachtsbäckereien zu Herrn Sörensen. Unser Stubenmädchen begleitete mich und wir trugen ein grosses Paket, mit rosa Band gebunden, wie es meine Mutter stets schmückte zu Herrn Sörensen.

Die Treppe zu ihm hinauf war schneeweiß gefegt. Ich getraute mich kaum einen Fuß vor dem anderen zu setzen so rein war der Boden! Wir läuteten und überbrachten die Grüße meiner Mutter. Herr Sörensen zog mich in seine Wohnung und ich sah mich um. Ein schmaler hoher Spiegel schmückte den Raum, im schmalen Rahmen steckten unendlich viele schwarzgeschnittene Profile, wie ich sie noch nie vorher gesehen hatte.

„Freust du dich auf das Weihnachtsfest?“ fragte mich Herr Sörensen. Ich nickte. „Und wo wird ihr Weihnachtsbaum stehen?“ fragte ich neugierig. „Ich? Ich habe keinen, ich bin ganz alleine.“ Mein Herz klopfte bei dem Gedanken an Heilig Abend in diesem Zuhause zu sein. In dieser Stube mit schwarzen kleinen Bildern und dem alten Sofa das wie neu aussah und auf dem noch nie jemand saß – ich fühlte das Trostlose, das Verlassene in dieser einsamen Stube und ich schlug die Hände vors Gesicht und weinte.

Herr Sörensen zog mich zu sich und setzte mich auf seinen Schoß und sagte leise: „Du bist ein gutes kleines Mädchen.“ Ich drückte mich noch fester an ihn und weinte herzzerbrechend. Als wir heimkamen, erzählte das Stubenmädchen meiner Mutter, ich hätte „gebrüllt“. Ich schüttelte den Kopf und erzählte meiner Mutter das ich geweint hatte weil ich so traurig darüber war, dass nie jemand zu Herrn Sörensen kommt. Nicht einmal am Heiligen Abend …!

Später als wir in eine andere Stadt zogen, verschwand Herr Sörensen aus meinem Leben. Ich hörte nie wieder etwas von ihm. Aber an jenem Tag, als ich herzzerreißend an seiner Schulter weinte, fühlte ich, ohne es damals richtig zu verstehen, das es so nicht sein durfte. Es gibt unzählige Menschen die am Heiligen Abend einsam sind und niemanden bei sich haben. Es machte mich so sehr traurig, dass ich, als ich älter wurde, mich um diese Menschen bemühte. Zu sehen wie einsame Menschen sich darüber freuen können, wenn man sich ein wenig Zeit für sie nimmt, ist jedes Jahr mein schönstes Geschenk!

H. Bang

Ich weiß es nicht weshalb gerade an Heilig Abend es besonders traurig ist, Menschen zu wissen die einsam zu Hause sind! Es sollte nicht so sein … nicht zu Weihnachten und auch nicht an den anderen Tagen des Jahres. Alles Liebe und glückliche Weihnachten.

XOXO Sandra FrauenPunk

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