Lesezeit: 3 Minuten

Ich habe ja schon mehrmals darüber geschrieben, weil ich der Meinung bin, dass es wesentlich mehr introvertierte Menschen gibt als wir meinen. Viele von ihnen spielen gezwungen eine Rolle, um ja nicht unangenehm aufzufallen. Ist dieses „Rollenspiel“ vorhanden, wird es für den Betroffenen sehr anstrengend! Introvertierte Menschen sind eher zurückhaltend und ein wenig scheu im Umgang mit anderen Menschen. Sie halten sich lieber im Hintergrund auf, als in der Menge zu glänzen.

Ich kann es ja selbst kaum glauben. Ich habe mich vom extrovertierten zum introvertierten Menschen gewandelt. Ich brauchte die „Masse“, die Bühne und ich orientierte mich stets an anderen! Positives Feedback war mein Lebenselixier … kaum zu glauben aber es war tatsächlich so.

Das Leben verändert einen. Das finde ich ganz gut, denn ich sah mich nicht wirklich als Sympathieträgerin :D, allerdings war mir das damals ziemlich egal. Solche gravierenden Veränderungen an der Persönlichkeit sind für andere Menschen, die einen „anders“ kannten sehr verwirrend. Freundschaften zerbrechen, Bekanntschaften verlaufen sich. Und wenn ich zurückdenke, stand ich ganz schnell alleine am Flur.

Es ist wie es ist

Das ist jetzt schon ein paar Jahre so, und ich will es auch so! Dazu wurde ich nicht gezwungen, ich wurde keiner Gehirnwäsche unterzogen, es hat sich durch verschiedene Umstände einfach so ergeben und ich fühle mich dabei richtig wohl! Das allerdings sehen viele Menschen ganz anders. Und genau aus diesem Grund schreibe ich genau diesen Beitrag!

An manchen Tagen bin ich es einfach leid, mich in einer Welt behaupten zu müssen, in der es scheinbar nur darum geht, möglichst laut „Hallo, hier bin ICH“ zu schreien und sich damit in den Mittelpunkt zu drängen! Liebe Leute, dazu gehöre ich nicht mehr, es gibt genug, die diese Rolle für mich übernommen haben. Und soll ich Dir was verraten? Ich  bin so dankbar darüber. <3

Ich meide Ansammlungen, wenn immer es mir möglich ist und fühle mich oft genug anders als andere. Ich mache mir nicht mal mehr die Mühe, meine Introversion zu verbergen. Es ist mir egal, ob ich damit punkte oder nicht. Natürlich kommt es vor, dass ich als langweilig oder oft auch für arrogant gehalten werde oder ich als Spaßbremse bezeichnet werde. Es ist einfach wie es ist.

Wenn ich aber dann mit den typischen Fragen, die nur ein Extrovertierter stellen kann, konfrontiert werde, möchte ich in der Zwischenzeit, am liebsten schreien. Der Gedanke einer „Gebrauchsanweisung“ für mich und mein Verhalten bei mir zu tragen und einfach weiterzureichen, ist mir dabei schon oft in den Sinn gekommen. ›lach‹

Das würde dann in etwa so zu lesen sein:

Warum bist du so still?
Ich rede lieber, wenn ich auch wirklich etwas zu sagen habe. Im Schweigen bin ich auch sehr gut und ich muss nicht um des Redens willen reden …

Warum erzählst du so wenig über dich?
Ich erzähle das, was ich erzählen möchte. Der Rest gehört mir. Besonders wenn es sich um Menschen handelt, die ich nicht gut kenne …

Findest du es normal, so wenig unter Menschen zu gehen?
Ja. In der Zwischenzeit ist es so. Der Trubel und Menschenansammlungen laugen mich aus und strengen mich an. Denn während andere ihre Akkus beim zusammen sein mit anderen Menschen aufladen, entleeren sich meine viel zu schnell. Deshalb ist es mir sehr wichtig, die nötige Distanz und Ruhe zu haben. Auch wenn es schwer zu verstehen ist – ich ziehe meine Kraft aus der Ruhe. <3

Sag mal, ist dir das nicht viel zu langweilig?
Tatsächlich ein klares NEIN. Ich habe nicht das Bedürfnis, ständig vorne mit der Masse dabei zu sein! Ich bin eine einsame „Wölfin“, die alle Entdeckungen und Neuerungen sehr gerne für sich wahrnimmt. Mir reichen die alltäglichen Reizschwellen des Alltags.

Und warum  bist du so oft online, statt dich mit „echten Menschen“ zu unterhalten?
Weil es ein Teil meiner Arbeit ist und ich diese Netzwerk-Arbeit liebe. Abgesehen davon kommuniziere ich online mit „echten“ Menschen. Ich kann Kontakt aufnehmen, wenn ich das möchte. Immer mit einer Distanz,  die mich nicht überfordert. Und sehr oft sind dabei Menschen, die genauso ticken wie ich.

Ich bin introvertiert. Und JA, ich stehe dazu.
So würde es zu lesen sein … meine Gebrauchsanleitung. ›lach‹

Ich kann sehr gut verstehen, dass das Verhalten von introvertierten Menschen, die Extrovertierten unter uns sehr oft vor ein Rätsel stellt. Sie können vieles nicht nachvollziehen, weil sie eben genau das Gegenteil sind!

Versuche Dich nicht anzupassen

Aus Beobachtungen heraus weiß ich es gibt weit mehr Intros als wir meinen. Es liegt daran, dass viele Intros versuchen, sich der Welt anzupassen. ICH tat ja nix anderes. Ich zwang mich eine Zeit lang meine Eigenschaft zu überspielen. Mehr als ich es tatsächlich wollte! Ich nahm Einladungen an, sprach Einladungen aus, pflegte „Zwangsfreundschaften“ und ganz viel mehr. Ich wollte eben, dass niemand enttäuscht war und sich ausgegrenzt oder nicht „gemocht“ fühlte.

Doch was brachte es? Es belastete mich sehr. Es war höchst anstrengend und ermüdend. Seit ich mich dazu entschlossen habe Klartext zu reden, ein klares „JA, lieb von dir, aber NEIN danke“, auszusprechen, geht es mir gut. Es scheint akzeptabel zu werden. :D

Und eines muss ich noch loswerden: Es entspricht definitiv NICHT der Wahrheit, dass Intros langweilig sind! Wir sind so einiges, aber DAS sicher NICHT!

Falls Du dazu etwas sagen möchtest, lass es mich gerne wissen, es könnte interessant werden.

Xo Sandra

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2 Kommentare
  1. Christine
    Christine sagte:

    Hallo Sandra,
    ich habe intensiv deine Ausführungen gelesen und muss sagen…da finde ich mich voll wieder.
    Und ..ja..ich bin auch introvertiert und das ist gut so. Diese Sätze, ich sei ja langweilig, hörte ich auch…nur , ich bin nicht langweilig, die …die mich wirklich kennen, wissen wie lustig es mit mir ist.
    Neuen Menschen gegenüber bin ich erstmal zurückhaltend..bin im Schweigemodus…schaue / höre mir alles erst einmal an..
    In meiner Ehe habe ich alles gemacht…Arbeit, Haushalt, Garten ,Kinder ….weil ich dachte es muss so sein…das erwartet man von mir.
    Nur das kostete meine Kraft und meine Gesundheit.
    Jetzt weiß ich, das ich.. ICH..sein muss und nichts anderes.
    Ich denke nicht mehr darüber nach was andere über mich denken…diese Zeit ist vorbei…
    Ja….manchmal falle ich kurz in mein
    altes Muster zurück, ich erkenne es wenn es mir wieder geistig und körperlich schlecht geht….kann dann das Ruder wieder rum ziehen…
    Ja…das Leben ist kein Zuckerschlecken….aber es ist schön.
    Ich sende dir liebe Grüße aus der Blütenstadt Werder Havel

    Antworten
    • Sandra
      Sandra sagte:

      Hallo Christine :-)
      Dazu fällt mir nur ein Satz ein: Ich gratuliere Dir zu Deiner Selbsterkenntnis und Deinem authentischen Leben <3!
      Und nochmal von mir schriftlich:
      Wir sind NICHT langweilig! Diesen Satz überhöre einfach beim nächsten mal mit einem "zwinkern" :D

      Herzlichst Sandra <3

      Antworten

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