Mein anderes Leben als Frauchen

Inspiration, Persönliches

Es gibt Orte, die bringen etwas in uns zum Klingen. Für mich gehört Italien dazu. Vielleicht liegt es am Meer, vielleicht an diesem etwas langsameren Rhythmus, den die Menschen hier zu beherrschen scheinen. Vielleicht liegt es auch daran, dass zwischen Espresso, Spaziergängen und salziger Luft plötzlich Gedanken auftauchen, die im Alltag oft verloren gehen.

Und so sitze ich hier, schaue aufs Wasser und denke über mein Leben nach. Über die großen Dinge. Über die kleinen Dinge. Und manchmal auch über eine Rolle, die mich seit inzwischen 10 Jahren begleitet und die vermutlich mehr über mich aussagt, als mir lange bewusst war. 🙂

 

MEINE ROLLE ALS FRAUCHEN …

Es gibt nämlich Sandra. Und es gibt „Frauchen“. SANDRA schreibt Texte, liebt Venedig, philosophiert über das Leben und versucht gelegentlich, halbwegs erwachsen zu wirken. FRAUCHEN hingegen führt ausführliche Gespräche mit ihrem Hund, kommentiert Fressverhalten wie andere Menschen Börsenkurse und freut sich ehrlich darüber, wenn die Verdauung ihrer vierbeinigen Mitbewohnerin genau so funktioniert, wie sie soll!

Wer keinen Hund hat, wird jetzt vermutlich schmunzeln. Wer einen hat, nickt gerade wissend.

Das Leben als Frauchen folgt seinen eigenen Gesetzen. Wetter spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Ob Sonne, Regen, Wind oder Temperaturen, bei denen vernünftige Menschen freiwillig das Haus nicht verlassen würden – Spaziergänge stehen trotzdem auf dem Programm. Hundemenschen entwickeln dabei eine erstaunliche Leidensfähigkeit. Sie marschieren geschniegelt  (oder auch nicht) durch Pfützen, diskutieren über Leckerli-Sorten und besitzen mehr Fotos ihres Hundes als von den meisten Familienmitgliedern!

Und ehrlich? Ich bilde da keine Ausnahme.

Monja begleitet mich inzwischen seit bald 10 Jahren. Meine kleine große Hundedame. Eine treue Seele, die mein Leben auf eine Weise bereichert hat, die sich schwer in Worte fassen lässt. Hunde haben eine ganz besondere Gabe. Sie stellen keine Fragen, die man gerade nicht beantworten möchte. Sie analysieren nichts. Sie geben keine ungefragten Ratschläge. Sie sitzen einfach da. Bleiben. Schauen einen an. Und schaffen es oft, genau in den Momenten Trost zu spenden, in denen menschliche Worte längst an ihre Grenzen stoßen.

Wenn ich auf die vergangenen Jahre zurückblicke, dann waren da unzählige Spaziergänge, Kuschelstunden, Tierarztbesuche, Sorgen, Erleichterungen und jede Menge Geschichten. Viele Jahre bestand mein Alltag aus Monja & Amon, meinem Mann und mir. Zwei Hunde. Zwei völlig unterschiedliche Persönlichkeiten. Zwei treue Wegbegleiter auf meinem Lebensweg.

Heute läuft nur noch Monja neben mir.

Eine ältere Hunde-Lady inzwischen. Etwas gemütlicher. Mit immer heller werdender Schnauze und mit deutlich mehr Schlafbedarf als früher und einer beeindruckenden Fähigkeit, jeden noch so unbequemen Platz innerhalb weniger Sekunden zum persönlichen Lieblingsplatz zu erklären! 🙂

Ich ertappe mich oft dabei, sie anzusehen und mich zu fragen, wo die Zeit nur geblieben ist.

Gestern noch tobten beide durch das Gras, das Wasser, den Sand. Heute genieße ich JEDEN gemeinsamen Spaziergang bewusster. Nicht aus Traurigkeit, sondern aus Dankbarkeit. Das Älterwerden hat mich gelehrt, dass vieles im Leben nicht selbstverständlich ist. Auch nicht die Zeit, die wir mit den Wesen verbringen dürfen, die wir so lieben.

Manchmal glaube ich sogar, dass Hunde uns mehr über das Leben beibringen als so mancher kluge Ratgeber. Sie leben im Jetzt. Sie freuen sich über die einfachsten Dinge. Sie tragen nichts nach. Sie verschwenden keine Energie an Gestern oder Morgen. Ein warmer Sonnenstrahl am Bauch, ein vertrauter Mensch, ein gemütliches Plätzchen und gutes Futter – mehr braucht es oft gar nicht.

Während wir Menschen kompliziert denken, leben Hunde erstaunlich einfach.

Und genau darin steckt eine Weisheit, die ich mir gerne mehr aneignen würde!

Mein anderes Leben als Frauchen hat mich Geduld gelehrt. Es hat mich zum Lachen gebracht, wenn mir gar nicht danach war. Es hat mich in schweren Zeiten begleitet und mich daran erinnert, dass Nähe nicht mit Worten gefüllt werden muss. Es hat meine Kleidung zuverlässig mit Hundehaaren dekoriert, meine Urlaubsplanung beeinflusst und meine Fähigkeit gefördert, mitten auf einem Spaziergang begeistert über völlig unspektakuläre Dinge zu sprechen!

Und wenn mich heute jemand fragen würde, ob ich dieses Leben noch einmal wählen würde?
Mit all den Sorgen. Mit jedem Tierarztbesuch. Mit jedem Abschied der einfach immer kommen wird. Mit jedem Haar auf dem Sofa und jedem nassen Pfotenabdruck auf frisch gewischten Böden.
Dann lautet die Antwort, OHNE nachdenken zu müssen: JA.
Jede einzelne Minute.
Denn zwischen Leine, Futternapf und Gassirunden habe ich etwas gefunden, das weit über das Leben als Frauchen hinausgeht.

Nämlich eine ganz besondere Form von LIEBE …

Diesen Beitrag widme ich heute allen „Frauchens“ und natürlich auch Amon, der jeden Tag gedanklich bei uns ist …

Xo Sandra

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