Warum wir lernen sollten, das Schweigen auszuhalten …
Ich weiß nicht, wie es dir geht – aber ich habe mich lange Zeit vor der Stille gedrückt. Denn Stille bedeutet auch, dass du dir selbst begegnest. Deinen Gedanken, deinen ungelösten Konflikten, deinen Ängsten. Kein Fernseher, keine Musik, kein Handy, kein hektisches „Ich muss noch schnell …“. Nur du – und das, was du so gerne verdrängen würdest. Klingt unbequem? Ist es auch. Aber genau darin liegt die Chance.
Vielleicht erkennst du dich wieder: Immer dann, wenn es in mir zu laut wurde, habe ich die Flucht nach vorn ergriffen. Arbeit bis zum Anschlag, Party, Menschen um mich herum – Hauptsache keine Sekunde nachdenken. Hauptsache keine Stille! Aber was hat’s gebracht? Richtig – gar nichts. Im Gegenteil: Ich habe mich selbst so lange ignoriert, bis es geknallt hat. Und dieser Knall hat mich an einen Ort gebracht, den ich niemals freiwillig gewählt hätte: in eine Klinik, ohne Ablenkung, ohne Fluchtwege. Nur mit mir selbst.
Die ersten Tage waren die Hölle. Ich fühlte mich wie eingesperrt in meiner eigenen Haut. Aber dann passierte etwas. In dieser „Zwangsruhe“ fing plötzlich ein Film an zu laufen: mein LEBEN. Schonungslos, ehrlich, klar. Ich sah, wo ich festhing. Mit welchen Menschen ich mich umgab, die mir nicht gut taten. Welche Themen ich seit Jahren unter den Teppich kehrte. Wo ich mich selbst belog, weil ich Angst vor Veränderung hatte!
Und weißt du? In dieser Stille habe ich nicht nur meine Baustellen erkannt – ich habe auch die ersten Lösungsansätze gefunden. Keine bequemen, keine schnellen. Aber echte.
Die Wahrheit ist:
Wir hetzen durchs Leben wie Getriebene. „Noch schnell einkaufen, noch schnell Mails beantworten, noch schnell …“ – und irgendwann bist du schneller leer, als dir lieb ist. Die Stille ist das Gegenmittel. Sie zwingt dich runter vom Gas. Sie schenkt dir Klarheit. Und sie kostet keinen Cent! 🙂
Heute setze ich mich bewusst raus – auf eine Bank, ins Feld, an den Strand – und tue nichts. Echt und rein gar nichts. Ich beobachte. Ich atme. Ich lasse meinen Geist zur Ruhe kommen. Klingt unspektakulär, ich weiß. Ist es auch. Aber es ist das Beste, was ich für mich und du für dich tun kannst.
Abschließend:
Ich bin bestimmt kein Profi im Meditieren und auch kein erleuchteter Guru. Aber ich weiß, dass ich ohne meine tägliche Portion Stille längst nicht mehr ich wäre. Sie ist mein Anker, meine Tankstelle, mein Rettungsring geworden.
Und vielleicht ist genau heute der Tag, an dem du es ausprobierst. Ohne Timer, ohne Anspruch, ohne „Ich muss“. Nur du – und ein paar Minuten, in denen du dir selbst zuhörst.
Denn in der Stille erkennst du, wer du wirklich bist.
Und jetzt sag du: Wann hast du dir zuletzt erlaubt, einfach mal „still zu sein“?



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