Und wir längst weitergegangen sind …
Ich habe mich oft gefragt, was aus ihnen wird. Aus diesen Menschen, die so viel Raum einnehmen konnten. Laut, mehr als präsent, überzeugend – und dabei oft so viel zerstört haben, ohne es wirklich zu sehen!
Was passiert, wenn die Jahre vergehen? Wenn das Außen nicht mehr so reagiert wie früher, wenn weniger Menschen da sind, die zuhören, mitspielen und bestätigen? Verblasst diese Inszenierung – oder bleibt sie einfach bestehen, nur ohne die Wirkung von damals?
Ich habe darauf keine endgültige Antwort. Aber ich habe etwas beobachtet. Es wird bei den seltensten nicht ruhiger, nicht ehrlicher und schon gar nicht reflektierter! Was sich verändert, ist das Umfeld. Menschen gehen, ziehen sich zurück, werden klarer. Und plötzlich fehlt das, wovon so lange gelebt wurde: Aufmerksamkeit, Bewunderung, Kontrolle. Und hier zeigt sich etwas sehr Deutliches: kein echtes Verstehen, sondern ein Festhalten. Manchmal sogar ein Verstärken von dem, was schon immer anstrengend war, als würde man versuchen, etwas zu retten, das längst viele „Sprünge“ hat.
Während ich so darüber nachdenke, wird mir klar, dass mich eine andere Frage wesentlich mehr beschäftigt. Nicht, was aus ihnen alle geworden ist und wird, sondern was aus UNS geworden ist. Aus uns Frauen, die viel zu lange geblieben und ausgehalten haben. Die sich angepasst, kleiner gemacht, sich erklärt haben – immer wieder. Die versucht haben, etwas zu verstehen, das nie darauf ausgelegt war, verstanden zu werden. Ich kenne dieses Gefühl, sich selbst nicht mehr ganz zu spüren, dieses ständige Hinterfragen, ob man zu empfindlich oder zu seltsam ist. Dieses langsame Leiserwerden, während jemand anderer immer mehr Raum einnimmt.
Manchmal kommen diese Gedanken daran zurück. Nicht, weil es ein Teil meines Lebens war. Und dann frage ich mich, was aus solchen Menschen wird, wenn sie älter werden? Ob diese Inszenierung irgendwann weniger wird, ob sie müde werden von all dem oder ob sie einfach weitermachen – nur mit weniger Publikum?
Ich frage mich, wie es ist, wenn die Jahre vergehen und vieles von dem, was früher funktioniert hat, nicht mehr greift. Wenn Manipulation nicht mehr die gleiche Wirkung hat, wenn weniger Menschen da sind, die sich darauf einlassen. Was bleibt dann? Bleibt dieses Bild von sich selbst bestehen oder bricht es irgendwann ein Stück weit zusammen?
Ehrlich – ich weiß es nicht.
Was ich aber weiß: Wir, ich & vielleicht auch DU, sind nicht mehr dort. Wir haben uns gelöst, uns neu sortiert und wieder begonnen, unser eigenes Leben zu leben – ohne dieses ständige Drehen um jemanden anderen! (Dabei kommt sofort ein stolzes Gefühl hoch.) Und auch wenn diese Gedanken manchmal im Verborgenen auftauchen, sind sie nicht mehr das, was sie einmal waren. Sie tun nicht mehr weh! Sie holen uns nicht mehr zurück!
Sie zeigen uns nur, wie weit wir gegangen sind.
Und genau darin liegt die Antwort. Nicht, ob diese Menschen sich verändern. Sondern dass WIR es getan haben!



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