Perfektionismus, wenn das Beste gerade gut genug ist

PERFEKTIONISTEN – jeder kennt mindestens einige davon oder ist eventuell selber einer? Perfektionisten – eine besondere Spezies. Es sind Menschen die versuchen eine mögliche „übertriebene“ Perfektion zu erreichen. Sie streben nach Vollkommenheit, lassen keine Fehler zu und wollen stets das Maximum aus sich selbst herausholen! Sie geben ALLES und denken trotzdem es sei nicht gut genug – schnell genug und eigentlich nichts wert.

Bist Du auch so jemand? Strebst Du immer nach der perfekten Karriere, der perfekten Beziehung , dem perfekten Leben? Der Ehrgeiz immer alles überdurchschnittlich „gut“ machen zu müssen und stets das Maximum erreichen zu wollen, ist eine sehr kräfteraubende und anstrengende Sache! Eigenschaften wie Pflichtbewusstsein, Ehrgeiz, Gewissenhaftigkeit und Korrektheit, sind sicherlich wichtige Eigenschaften um Erfolg zu haben. Doch wir können auch alles übertreiben und es kippt ins Uferlose. Zudem zahlen viele dafür einen sehr hohen Preis … nämlich mit ihrer Gesundheit. Ist es das wirklich Wert?

Der Stresspegel ist hoch!

Ich schreibe hier aus eigener Erfahrung. Gehöre(te) ich doch selber zu den Exoten der Perfektionisten. 100% waren mir immer zu wenig,  oder sollte ich vielleicht auch sagen: es wurde einfach verlangt, wollte ich doch mit meinen Leistungen hervorstechen. Mein Ehrgeiz und mein Wollen, waren immer auf 200% getrimmt. Stets das High Level ansteuern – Maximum wo nur machbar. Und ich war am Boden, ging mal die Rechnung nicht so auf als geplant. Für solche Menschen gibt es nur einen Satz der wichtig ist und genauso lebt man auch. Er lautet: Alles oder nichts.

Mit den Jahren litt ich nicht nur körperlich darunter, sondern auch seelisch an meinen viel zu hohen Ansprüchen an mich selbst. Es ging so weit, das ich mein Selbstwertgefühl von meinen Erfolgen abhängig machte.  Andauernder Drang zur Perfektion beeinflusst unsere gesamte Person! Da Perfektionisten sehr selten ihren eigenen Ansprüchen gerecht werden, weil sie einfach nur sehen was sie noch besser hätten machen können und sich dabei ständig selbst kritisieren müssen, stehen sie andauernd unter Stress!

Wie denken solche Menschen, die nach Perfektionismus streben?

  • ich muss perfekt sein, sonst werde ich in der Gesellschaft nicht akzeptiert – werde möglicherweise abgelehnt,
  • ich darf mir keine Fehler erlauben – Fehler machen nur Versager,
  • meine Fehler werden nicht verziehen,
  • es gibt keinen Mittelweg, entweder ganz oder gar nicht. (siehe auch Schwarz-Weiss Denken – Alles oder nichts),
  • NUR wenn ich perfekt bin, werde ich anerkannt, ernte dadurch Liebe, Zuneigung und bin dadurch zufrieden.

Gute Leistung ist selbstverständlich

Diese Liste könnte man noch unendlich lange gestalten, aber dies sind so die wichtigsten Denkmuster. Mißerfolge und Fehler bedeuten für Perfektionisten, sich als Versager zu sehen. Ich konnte und es ist teilweise heute noch so, mich über 100% gut abgelieferte Arbeit nur sehr selten richtig freuen … Immer die Frage im Hinterkopf: „Wäre vielleicht doch noch besser gegangen?“. Ein selbst auferlegter Druck – ein Dauerbegleiter im Leben der Pektionisten.

Folgen entstehen unausweichlich

Dein Körper  ist „dauerangespannt“. Unruhe-Modus ist stets ON und gehört zum Alltag. Ein Zustand der mit Stress gut zu vergleichen ist. Dann wär noch die  Angst, ebenfalls all gegenwärtig. Angst Fehler zu machen oder zu versagen – abgelehnt zu werden?! Perfektionisten sind einfach nie mit sich selbst zufrieden. Unzufriedenheit und ständige Unruhe und maßloser Ärger entsteht, wenn sich mal ein Fehler eingeschlichen hat.

Perfektionierte Menschen verhalten sich anders

Meine Erfahrung war – ICH konnte keine Arbeiten abgeben! Nur ICH wusste wie das Ergebnis aussehen sollte. Ich war unzufrieden mit der Arbeit anderer, was im Nachhinein gesehen ein völliger Blödsinn ist! Neue Aufgaben oder generell „Neues“ auszuprobieren machte mich unsicher – was wenn ich mich doof anstelle? Etwas falsch mache? Angst keine gute Leistung zu bringen war immer da. Und ich brauchte dies Selbstkontrolle! Die mir natürlich auch mehr Arbeit einbrachte.

Entschloss ich mich dennoch mal etwas Neues zu starten und ich machte einen Fehler, konnte ich nur sehr schwer damit umgehen. Ich redete mir danach ein, ich wäre mit zu wenig Ehrgeiz an die Sache heran gegangen (heute weiß ich auch das war Quatsch). Meine ZIELE machte ich nur im Geheimen mit mir selber aus. Gelangen sie – war es gut. Erreichte ich sie nicht, wusste wenigstens nur ICH davon. Heute bin ich sehr froh diese Phase überstanden zu haben. Warum? – Dazu komme ich später. 🙂

Das Streben nach Perfektion, es fängt schon im Kindesalter an

Ich bin mir jetzt nicht ganz sicher ob ich mit dieser Aussage richtig liege, aber spricht man mit anderen über dieses Thema wird eigentlich dazu immer nur genickt. Als Kind haben wir ja schon die Erfahrung gemacht, sind wir „perfekt“, erfüllen wir die gewünschten Erwartungen, bekommen wir die so gut tuende Anerkennung und Zuneigung. Bauten wir Mist oder brachten wir die schulische Leistung nicht waren lange Zurechtweisungen und Strafe die Folge.

Mit dieser Erfahrung von damals, bauten wir unseren beginnenden Perfektionismus immer weiter aus. Der eine mehr der andere weniger oder auch gar nicht. Individuell.

Im Laufe der Jahre machte ich dann Bekanntschaft mit Worten wie „du bist echt ein PEDANT“ oder „du mit deinem ständigen Perfektionsgetue“. Ich  nahm das Ganze aber nie so wirklich ernst, da ich immer dachte die anderen wären zu lotterhaft. Weiter viele Jahre danach wurde mir es aber selbst bewusst. Menschen, die mir damals wichtig waren öffneten mir die Augen. Auch das dauerte – aber endlich zur Einsicht gekommen, wollte ich meinen Perfektionismus verringern (ich glaube ganz wird man ihn nie los).

Mrs. oder Mr. Perfect haben es schwerer im Leben

Es wurde mir bewusst, dass man sich als Mrs. oder Mr. Perfect sein Leben richtig schwer machen konnte. Die ständige Angst etwas vergessen zu haben lässt einen schlechter schlafen, tagsüber die ständige Angespanntheit mit teilweiser schlechter Konzentration und die Angst seine Selbstkontrolle zu verlieren und somit sein mühevoll perfektes Leben zu verlieren.

Der ständige Stress immer perfekt aussehen zu müssen, die neuesten Trends zu wissen und zu haben … all das beinahe atemlose Gehetze macht das Leben nicht unbedingt einfach und vor allem macht es nicht glücklich!

Perfektionismus ist ein Kampf gegen Windmühlen. Den Kampf wird jeder verlieren, da Perfektion eine Illusion ist.

Ich begann es langsam zu ändern

Ich wollte, und ich war auch bereit jetzt etwas zu ändern! Die Kunst war nur von einem Extrem ins andere zu fallen. Vom „es ist noch lange nicht gut so wie es ist“ zum „mir alles egal „ Typ zu werden. Mit dem Mittelmaß tat ich mir schwer. Ich überdachte meine Ansprüche an mich selbst und holte mir professionelle Hilfe. In sehr kleinen Schritten gelang es mir von meinen überhöhten Anforderungen los zu kommen. Realistischer und bodenständiger zu werden und zu denken.

Energie verschwenden? Nein danke!

Menschen, die perfektionistisch veranlagt sind, verblasen auch gerne die so kostbare Energie! Das kennen sicher einige von euch. Lieber doch noch ein paar Stunden anhängen um eventuell noch 5% rausholen zu können, statt es einfach „gut sein“ zu lassen.

Perfektionisten gönnen sich weniger Ruhephasen. Dadurch sind sie immer dauererschöpft. Auch die anfangs dagelegenen Ressourcen sind mal weg. So begann ich zu verkürzen, mich abzugrenzen und umzudenken.

  • ich sah es als neue Herausforderung, als ich damit begann mit weniger Einsatz gleich gute Ergebnisse zu erzielen,
  • ich orientierte mich nicht mehr so extrem an gesellschaftlichen Vorbildern. Meine eigenen hatten Vorrang,
  • ich versuchte ein Stück meiner Kontrolle abzugeben, andere leisten auch gute Arbeit,
  • ich fokussierte meinen Blick auf die gute Leistung, die ich brachte – sah es nicht mehr als selbstverständlich und freute mich darüber,
  • das Schwerste für mich war, sich in Gelassenheit zu üben. Egal um was es ging, ICH war immer „bereit“. Ich versuche immer noch – bewusst unperfekt zu sein! Fällt es mir mal wieder besonders schwer, frage ich mich: „ist es wichtig, top gestylt zu einem Termin zu wandern?“ Bin ich dadurch weniger Wert und eine andere Person? NEIN. Danach gelingt es mir gelassener zu sein. 🙂 Was natürlich nicht bedeutet, sich  nichts anzutun, nur diese Übertreibung fällt weg.

Schlussgedanken

Seit ich meine eigenen Ansprüche gelockert habe, ist vieles leichter und unkomplizierter geworden! Überzogene Ansprüche anderer Menschen an mich kann ich sehr gut ignorieren. Ganz besonders die unausgesprochenen und versteckten Erwartungen! Meine Messlatte hab ich um ein ganzes Stück runter geschraubt, kümmere mich mehr um meine Bedürfnisse als darum, andere zu erfüllen. Vor allem schaffe ich es jetzt „weniger“, auch gut sein zu lassen. Ich frage mich jeden Morgen wie mein perfekter Tag heute aussehen könnte/sollte. DIESEN Gedanken konsequent weitergedacht – hat mein, und kann auch DEIN Leben verändern!

Unperfekt und etwas gelassener zu leben hat viele Vorteile. Finde es heraus, auch wenn die Umsetzung nicht immer einfach sein wird. Ich habe es als Herausforderung gesehen … ich habe eine Menge reduziert und finde in der Zwischenzeit das „Unperfektheit“ richtig geil ist 🙂

Zum Abschluss noch ein Satz oder eine neue Lebensdevise, die mir persönlich sehr wichtig geworden ist. Sie lautet: „Ich gebe natürlich immer mein Bestes, mache es so gut es mir möglich ist … aber das Wichtigste ist mir Freude und Spaß an etwas zu haben, dann wird es auch gut! 

In diesem Sinne, lass es gut sein und mache das Unperfekte zum Perfekten. 🙂

XOXO Sandra FrauenPunk

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