Alltagsgschichten 8

Es brauchte einige Tage bis ich das letzte Wochenende verdaut hatte. Anfangs redete ich nicht sehr viel darüber, aber nach und nach wollte ich wissen wie die Anderen über diese Geschichte dachten, ob sie vielleicht ähnliches kennen und auch schon erlebt hatten? Es beschäftigte mich sogar so sehr, dass ich das vergangene Wochenende plus Nachwehen,  zum „Gruppen-Thema“ machte. Ich wusste jedoch das die Stunde ohne Arzt abgehalten wurde, sonst hätte ich es gelassen. Rausgekommen ist das was ich auch zu anderen gesagt hätte, wären sie in meiner Situation gewesen  „Vergiss diese sogenannte Freundin!“ Sie ist es nicht wert darüber nur 5 Sekunden nachzudenken, usw. … und wenn ich ehrlich war, hatte ich die anderen mein Thema zerlegen lassen. Die Stunde war vorbei und der Tag ging mir seit langem wiedermal tierisch auf den Geist …

Ich brauche nichts sagen – ich mache das mit den Augen!

Ich war ein sehr unangenehmer Mitmensch wenn ich grantig war, noch dazu wenn ich nicht mal genau sagen konnte weshalb, es war einfach so. Radikale Akzeptanz würde meine Bezugsschwester sagen. Annehmen und Hinnehmen. JA ich versuchs ja. Da mich die meisten ja schon etwas besser kannten, machten sie an dem Tag einen grösseren Bogen um mich, was wirklich gut war. Die „Neuen“ die meinten sie müssten nett sein und Fragen stellen, taten mir leid … ich brauchte keine Worte um zu zeigen wie ich mich gerade fühlte, meine Gestik und meine Haltung, aber vor allem aber mein Blick – ER reichte.

Auf unserem Plan stand KÖRPERWAHRNEHMUNG in der Gruppe im Freien. Es war noch immer sehr warm und man hielt es draussen nur vormittags unter den riesigen Bäumen aus. Ich hatte echt keine Lust, das Thema lautete „Wir werden heute unsere Sinne einsetzen ganz bewusst und aktiv! Jeder sucht sich aus ob er sehen, fühlen, hören usw. möchte und widmet sich ganz der Achtsamkeit … kurz vor Ende unserer Zeit wird jeder dazu berichten …“

… Heute war wieder genauso ein Tag wo ich darüber nachdachte was ich hier eigentlich soll! Ich hatte keine Lust rumzulaufen wie die anderen, ich setzte mich in den Schatten des riesigen Baumes im Garten und entschied mich für das „Fühlen“. Dabei beobachtete ich die anderen und merkte dass einige davon schnuppernd am Rosenbusch standen, die Blätter zwischen ihren Finger rieben und intensiv daran rochen als sei es ein neues Parfum. Andere standen angelehnt an einem Baum, die Augen geschlossen. „Wenn uns jemand zuschaut“ dachte ich mir dabei und musste in mich hinein lachen, und was machte ich? Keine Ahnung, ich saß nur da und stellte alles in Frage während dessen ich versuchte die Spitze eines Grashalms zu „spüren“!

Die schönsten Erzählungen kamen in der Abschlussrunde heraus als die Schwester uns fragte „Wie war es, was habt ihr wahrgenommen, wie ging es euch dabei?“ Ich hätte mir niemals gedacht dass man beim Hören soo viel empfinden kann und vor allem darüber erzählen kann!! Als meine Meinung gefragt war, kam ausser „Ich konnte mich  nicht konzentrieren“ nichts mehr.

Nachmittag war meine Kreativität gefragt

Diese zwei Stunden mochte ich ja immer sehr gerne. Wie der Name schon sagt. Kreativ sein und dabei nicht belächelt zu werden … das mochte ich. Es war eine Einzel-Theraphie. Ich kam mit meiner zugewiesenen Therapeutin sehr gut zurecht, ich kannte sie vom Zug fahren … wir sprachen allerdings nie miteinander und sie hatte mich wahrscheinlich auch gar nicht wahrgenommen damals. Was ich allerdings an diesen Tag nicht wusste, sie gab mir ein Thema vor. Wahrscheinlich hat es sich seit dem Morgen herumgesprochen das ich nicht sehr kooperativ gewesen sei, das lief hier so. „Sandra wie ist ihre Befindlichkeit im Moment?“ fragte sie leise und ruhig. „Ich liege in der Skala von 10 auf … gut 7“ sagte ich bestimmt. Dabei klopfte ich mit den Fingern auf den Tisch. „Oh das ist hoch, gibt es einen Grund dafür? Wollen sie darüber sprechen oder möchten sie es künstlerisch ausdrücken?“

Ich war kurz davor aufzustehen und zu gehen – ich wollte weder darüber sprechen (ich wusste ja auch nicht mal worüber?) und ich wollte auch meinen Ärger oder war es Unzufriedenheit, keine Ahnung was, malen! „Und wenn ich nur meine Ruhe haben möchte?“ sagte ich mit versteinertem Gesichtsausdruck … Sie ging zum Schrank und nahm 3 Klötze Plastilin heraus weiß, rot und schwarz und sagte zu mir „Sie haben jetzt beinahe 2 Stunden Ruhe, machen sie was draus!“

Na ganz super – wie im Kindergarten!

Diese Masse hat ich das letzte Mal in den Händen als meine Kinder noch klein waren, ich mochte es nie weil man die bröseligen Fussel, die sich anfangs lösten, überall reintreten konnte … und es roch komisch. „Wenn sie mich brauchen – ich bin nebenan, ich gebe ihnen ihre RUHE, die sie fordern …“ sagte sie.

Die ersten 10 Minuten geschah nichts. „Ich hasse ROT“ dachte ich mir. „Schwarz und weiss“, das passt. Aber was soll ich jetzt damit tun? Ich kam mir ein weiteres Mal sehr sehr doof vor. Irgendwann musste ich an meine eigene Kindergartenzeit denken, an unser Tante, die jeder liebte weil sie so gut roch 🙂 , mir fiel auch ein dass ich sehr oft in der Ecke stehen musste. Ja ich machte damals schon immer was ich für richtig fand. Und an meine Eltern, meine Erziehung. Ich war so versunken in dem Gedanken dass ich erschreckte wie meine Therapeutin sagte „Wir sind fast am Ende der 2 Stunden.“

Ich war überrascht

Vor mir lagen keine 3 Klötze mehr, es lag ein grosser schwarzer Fleck in der Form eines Rechteckes da. Ein weisser kleiner Teil mit Händen und Füssen, ein winziges geformtes Herz lag neben dem Körper. Irgendwie dürfte ich den Rest der übergebliebenen Farben zusammengemischt haben und zu einem Quadrat geformt.

Ein grosser schwarzer Fleck, ein Quadrat aus allen drei Farben und ein kleiner weisser Körper, dessen Herz daneben lag.

Als ich gefragt wurde was ich dachte und fühlte als ich diese „Skulpturen“ gemacht hatte, wusste ich keine Antwort. Ich hab es ja nicht mal mitbekommen wie meine Hände während meines Denkens „aktiv“ waren! Das war auch ganz ehrlich genauso! Als mich meine Therapeutin fragte ob alles in Ordnung sei, fing ich an zu heulen … mir tat mein Inneres weh und ich wusste für mich wer oder was diese drei Skulpturen darstellen sollten …

Es war an diesem Tag meine letzte Stunde, es war gut so, denn ich wollte mich mit nichts mehr auseinander setzten. Über die drei „Plastilin-Stücke“ jedoch musste ich die ganze Nacht denken.

Am nächsten Morgen las ich ein Zitat das schon die ganze Zeit an der Wand hing …

Zu oft wollen wir für andere Perfekt sein und merken dabei nicht wie es uns kaputt macht.

„Es gibt noch viel zu tun bei mir“ dachte ich als ich meinen Kaffes im Stehen auf der Terrasse trank …

Wie die ersten „Verabschiedungen“ liefen und wir uns langsam damit auseinandersetzten mussten wieder für uns selbst zu sorgen – DAS hab ich dann in 2 Wochen für DICH.

Deine Sandra FrauenPunk

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Alltagsgeschichten B102 #1
Alltagsgeschichten B102 #2
Alltagsgeschichten B102 #3
Alltagsgeschichten B102 #4
Alltagsgeschichten B102 #5
Alltagsgeschichten B102 #6
Alltagsgeschichten B102 #7
Alltagsgeschichten B102 #8
Alltagsgeschichten B102 #9
Alltagsgeschichten B102 #10

XOXO Sandra FrauenPunk

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