Alltagsgschichten 9

Ein Ende war in Sichtweite

Nach meiner „Kreativ-Arbeit“ und der Erfahrung mit Plastilin aus der  Kindergartenzeit zu arbeiten, fing ich an mich für so weiches Material zu interessieren. Ich mochte das warme weiche Gefühl in den Händen, deshalb entschied ich mich in den kommenden Stunden mit Speckstein zu arbeiten. Mit dem einen Unterschied – diese Male ging es nur um kreatives arbeiten ohne Hintergrund. Ich wusste gar nicht, dass ich so ein „Händchen“ für solche Tätigkeiten besaß 🙂 , es entstanden einige coole Schmuckstücke, die ich an Lederbändern angebracht hatte und die bis heute zu meinen Lieblings-Accessoires gehören.

Die Zeit verging sehr flott, in den Gruppen wurde langsam der Abschied vorbereitet. Das bedeutete für viele von uns ein Resümee zu ziehen. Was hat sich durch den Aufenthalt verändert, hat sich überhaupt etwas verändert? Wie sind die Pläne wenn wir/ich nach Hause kommen? Was und wie werde ich es angehen … jede Menge Fragen, mit denen wir uns alle auseinandersetzen mussten. Für Menschen die sich zwei oder drei Monate in einer „geschützten“ Umgebung befanden, keine einfache Sache …

Wir hatten alle einen Klos in der Magengegend

Diese bevorstehende Veränderung war für uns alle spürbar. Einige freuten sich sehr darauf endlich wieder nach Hause zu kommen, andere wiederum, und so empfanden die Meisten von uns, hatten Angst! So gestaltete sich unsere Abendrunde zunehmend anders. Wir wurden ernster, besprachen nicht das was tagsüber gewesen war, sondern was uns alle in den nächsten Wochen erwarten wird. Wir waren alle so zusammengewachsen und die Vorstellung, dass wir alle in den nächsten zwei Wochen wieder unsere eigenen Wege gehen werden machte uns nervös, ängstlich und hilflos! Kaum zu glauben das erwachsene Menschen sich plötzlich so verhalten können als müssten sie bald auf „Schulwoche“ fahren … ohne Eltern und ohne Freunde.

Dieses Gefühl mochte ich nicht! Für mich war es nicht normal mich plötzlich an etwas zu klammern das ich anfangs verfluchte! Ich besprach dies alles mit meiner Bezugsschwester, auch sie war eine wichtige Person in den vielen Wochen geworden. Wahrscheinlich war es auch genau DAS. Menschen um sich zu haben die einen verstanden, einen ernst nahmen und für jede Situation die richtige Lösung hatten. Dinge erklären konnten, so dass man es auch verstehen konnte.

Eine Menge Neues wartet

Ich bereitete mich anders vor als die Meisten. Auf mich wartete keine Familie, keine kleinen Kinder, die sehnsüchtig auf ihre Mam warteten und auch kein Partner, der wahrscheinlich wieder froh sein würde, wenn die Hausarbeit wieder von Frauenhand gemacht wird. Auf mich warteten nur Entscheidungen. Entscheidungen, die mein Leben etwas verändern würden. Neuer Job, neue Wohnung, neues soziales Netzwerk. Mich von alten Dingen und auch Menschen trennen, Familienangelegenheiten ebnen, sortieren oder sogar beenden. Also eine ganze Menge Dinge denen ich mich stellen muss, die ich jedoch lieber vermieden hätte!

Natürlich versuchen wir auch positiv zu denken!

Abends wenn wir dann alle „strickend“ gg in der Runde gesessen sind wurde natürlich auch viel gelacht. „Was hast du vor Evi? Sie war die Erste, die nach langen drei Monaten, nach Hause durfte. Und sie freute sich auf ihre Familie, ihren Job der für sie „warm“ gehalten wurde und ihre Freunde. „Zu Hause wird es mir schnell besser gehen, ich werd bald wieder die alte sein und dann werde ich die Welt auf den Kopf stellen … 🙂 “ JA, sie ist so alt wie meine Tochter und hat ihr ganzes Leben noch vor ihr, DAS ist ein guter Plan! Meli und Gabriela überlegten viel, Gabriela wäre am liebsten als Frau Doktor nach Hause entlassen worden gg, auf ihrem Programm stand Weiterbildung und ein Mann, der sie auf Händen trägt und SIE und ihre Kinder über alles liebt. Einfach Ordnung machen in ihrem hektischen, nicht organisiertem Leben. Eine Herausforderung für eine Mutter mit 4 kleinen Kindern ohne Unterstützung! Davor zog ich den Hut. Meli freute sich auf der einen Seite auf ihren Partner und ihre Kinder, fühlte sich aber hier sehr gut behütete. Einer ihrer Pläne war ebenso ein Wohnungswechsel und eine berufliche Veränderung, sobald es ihr wieder besser geht. Meine Pläne wussten sie und trotzdem sahen mich alle irgendwann mal in der Toscana sitzen auf einem alten Weingut, mit einem älteren Italiener an meiner Seite. Natürlich für alle Mädels immer ein Zimmer gerichtet wenn sie mich besuchen kommen! 🙂

Die nächsten Tage entschieden wann wir nach Hause durften

In den kommenden Visiten erfuhren wir ob wir nach Hause „mussten“ oder eine Verlängerung angebracht wäre. Evi war die erste die uns mit breitem Lächeln erzählte das sie am Mittwoch fährt. Gabriela und Meli wurden um eine Woche verlängert, ich hatte ohnehin das volle Mass ausgeschöpft und mir wurde der Antrag für eine Reha im Anschluss meines Aufenthaltes ans Herz gelegt. Das bedeutete wir verließen die Station beinahe, bis auf ein paar Tage, zeitgleich. Die Nächste nach Evi war dann ICH. Abends wurde die Abreise von Eveline gefeiert. Wir fuhren, heimlich, in der Zeit des Ausgangs in die City. Offiziell stand auf der Liste wo wir uns immer austragen mussten wenn wir die Station verliessen „Spazieren am Gelände“ gg DAS musste einfach sein! Ein kurzer Ausflug, der in knapp 3 Stunden ohnehin wieder zu Ende sein musste. Getrennt und in Etappen trudelten wir wieder ein und teilten sich uns unsere Zimmer auf. 😀

Das Frühstück war tränenreich

Jeder hatte Evi eine kleines Andenken auf ihren Platz gestellt. Sehr viel Zeit zur Verabschiedung blieb uns nicht, da unsere Therapien um 8 Uhr begannen. „Wir bleiben ohnehin in Verbindung!“ und wenn wir alle draussen sind wird erzählt und gefeiert … geweint hatten wir alle genug an diesen Morgen … Abschied. Für mich etwas ganz Neues, damit meine ich nicht den Abschied an sich, sondern den dazugehörigen, ehrlichen Schmerz, der mich überkam! Mensch bin ICH „weich“ geworden, waren meine Gedanken, die ich ganz behutsam durch den Tag trug …

In der Abschlusswoche wartete eine besondere letzte Aufgabe auf mich. Mein Faden Behutsamkeit und Eigenliebe war mein Thema für meine letzte Woche im KUK.

Wenn du dabeisein möchtest? Den letzten Teil meiner Altagsgschichten kannst DU in 2 Wochen lesen 🙂 , bis dahin eine gute Zeit.

Kennst du schon die weiteren Teile der Alltagsgeschichten?
Alltagsgeschichten B102 #1
Alltagsgeschichten B102 #2
Alltagsgeschichten B102 #3
Alltagsgeschichten B102 #4
Alltagsgeschichten B102 #5
Alltagsgeschichten B102 #6
Alltagsgeschichten B102 #7
Alltagsgeschichten B102 #8
Alltagsgeschichten B102 #9
Alltagsgeschichten B102 #10

XOXO Sandra FrauenPunk

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